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Mittwoch, 10. Juni 2026

Rezension: „Der Thron der Lilie“ von Daniel Wolf

„Der Thron der Lilie“ von Daniel Wolf
Quelle: Goldmann
„Der Thron der Lilie“ von Daniel Wolf ist der zweite Band aus der Templer-Reihe, in der es um den Templer-Orden Ende des 13. Jahrhunderts, Frankreich und den jungen Ritter Constantin geht. Erschienen ist der Roman im Mai 2026 bei Goldmann. 

Frankreich 1297: Während der Papst und der französische König einen erbitterten Machtkampf austragen, werden der Ritter Constantin Fleury, die Goliardin Mélisande und der Templer Gérard d’Acre von den Schatten ihrer Vergangenheit eingeholt. Feinde Constantins entführen Mélisande und seine schwangere Frau Agnès. Für die beiden Frauen beginnt ein Kampf ums Überleben. Um sie zu retten, muss Constantin sich hoch verschulden. Sein Freund Gérard, der sich auf einer heiklen Mission für den Templerorden befindet, hilft ihm, das Lösegeld nach Flandern zu bringen. Die rebellische Grafschaft taumelt am Rande eines Krieges, der Kronvasall Constantin gilt den Aufständischen als Todfeind. Auf der gefahrvollen Reise wird Gérard zudem mit alten Sünden konfrontiert und droht, an seiner Schuld zu zerbrechen … 

Historische Romane von Daniel Wolf lese ich immer gerne und auch der Einstieg in diesen Roman war gut gewählt. Templer Gérard wird Zeuge des Beginn eines Zwistes zwischen dem Papst und dem französischen Lilienthron. Zusammen mit einem kurzen Abriss über den historischen Hintergrund wird eine gute Grundlage für den weiteren Verlauf der Geschichte geschaffen. 
Der Roman hat unterschiedliche Perspektiven und folgt den verschiedenen Handlungssträngen. Viele lieb gewonnene Charaktere, aber auch altbekannte Feinde, lassen viel Spannung aufkommen. Frankreich, Flandern, Zypern und Armenien sind die Handlungsorte, die zusätzlich für Abwechslung sorgen. Insbesondere Armenien hat mir gefallen, weil ich darüber noch nicht so viel gelesen habe. 

Mittwoch, 27. Mai 2026

Rezension: „Das Rad der Welt“ von Hendrik Lambertus

„Das Rad der Welt“ von Hendrik Lambertus
Quelle: Rowohlt
„Das Rad der Welt“ ist ein historischer Roman von Hendrik Lambertus, in dem es um die Ebstorfer Weltkarte und seine mögliche Entstehung geht. Erschienen ist der Roman im Mai 2026 bei rowohlt. 

Lüneburg um 1300. Die junge Agnes leidet unter den Machtspielen ihres Vaters, des Fürsten Otto, der entschlossen ist, seine Tochter an einen Adeligen zu verheiraten. Doch Agnes' Liebe gilt der Wissenschaft: Begeistert studiert sie Werke der Naturkunde und Geografie. Sie erstellt Skizzen für eine eigene Darstellung der Welt, eine Karte, in die ihr gesamtes Wissen einfließen soll. 
Bei ihrer Recherche begegnet sie dem jungen Krämer Liudger, der ihre Leidenschaft teilt und in den sie sich verliebt. Sie plant, mit ihm davonzulaufen, den Standeszwängen zu entfliehen und endlich etwas von der Welt zu sehen, als ihr Vater hinter die Affäre kommt und sie zur Buße für den Rest ihrer Tage ins Heidekloster Ebstorf schickt. 
Agnes ist verzweifelt, bis sie den großen Wissensschatz des Klosters entdeckt: die Bibliothek. Während ihr Traum zu reisen in unerreichbare Ferne rückt, wächst die Entschlossenheit, ihre Karte fertigzustellen. Ein prunkvolles Dokument, das die Welt als großes Ganzes abbildet – eine Karte, die in die Geschichte eingehen könnte. Wenn es Agnes gelingt, sie zu vollenden ... 

Auf diesen Roman bin ich tatsächlich erst kurz vor seinem Erscheinen durch einen Newsletter und Posts des Autors aufmerksam geworden, war aber sofort neugierig, da es um eine Karte geht und wie sich die Menschen im Mittelalter die Welt vorgestellt haben. 
Im Prolog habe ich dann auch direkt die wissbegierige Agnes kennengelernt, die die gesamte Welt erkunden möchte und sich auf der Burg ihres Vaters eher eingeengt fühlt. Ich bin direkt gut ins Buch reingekommen und konnte mir die Ereignisse und die Umgebung gut vorstellen. 
Der Roman ist in 3 Teile unterteilt, die das Vorankommen der mappa mundi beschreiben. Im ersten Teil geht es um die Idee, im zweiten Teil um die Anfänge der Entstehung der Karte und der dritte Teil handelt von den Intensivierung und Fertigstellung der Karte. Unterschiedliche Perspektiven machen den Roman abwechslungsreich, bisweilen aber auch ein wenig schwer zu verfolgen, denn der Roman springt auch in der Zeit hin und her. 

Mittwoch, 15. April 2026

Rezension: „Tödliches Déjà-vu“ von René Anour

„Tödliches Déjà-vu“ von René Anour
Quelle: Heyne
Mit „Tödliches Déjà-vu“ von René Anour ist der dritte Teil der Provence-Krimi Reihe „Ein Fall für Commissaire Campanard“ erschienen. Diesmal sorgt ein Mord rund um das Thema Bienen für Aufsehen. Erschienen ist der Krimi im März 2026 bei Heyne. 

Die Provence, ein Land der Bienen: Doch Commissaire Louis Campanards Lavendelgarten wird kaum von ihnen besucht. Niemand kann das seltsame Verschwinden der Bienen erklären. Monique Gaillard, eine exzentrische Bioimkerin, kämpft um ihre Lieblinge. Immer wieder stört sie das öffentliche Leben in Grasse und ruft die Polizei hinaus auf ihren Hof um die Schuldigen anzuzeigen. Beweise für ihre Anschuldigung hat sie keine, aber Campanard ist sprachlos, wie harmonisch sie mit ihren Bienen umgeht. Ohne Schutzkleidung lässt sie die Insekten auf sich sitzen und bekommt keinen einzigen Stich ab. Bis sie kurz darauf tot aufgefunden wird. Zu Tode gestochen von ihren eigenen Bienen. Ein seltsamer Zufall, der Campanard misstrauisch macht. Denn schon vor Jahrzehnten gab es in der Region einen mysteriösen Unfall mit Bienen - und nun ein tödliches Déjà-Vu. 

Diesmal habe ich den Krimi im Urlaub gelesen, zwar nicht in der Provence, sondern noch etwas südlicher, aber Orangenbäume und andere lavendelfarbene Blüten und Pflanzen haben für das passende Leseambiente gesorgt. 
Der Einstieg ist gut gelungen und hat sofort neugierig gemacht. Neben der Aufklärung der Mordfälle habe ich auch das Team des Projet Obscur ins Herz geschlossen und erfahre gerne auch mehr über deren Vergangenheit. Vorstellen konnte ich mir alles wieder ganz wunderbar. 
Die Geschichte wird aus der Perspektive der Team-Mitglieder geschildert, so dass man bei allen wichtigen Entwicklungen in diesem Mordfall dran ist, aber relativ häufig sind diese auch zusammen an einem Ort. Der Fall beginnt zunächst recht ruhig und wird dann immer spannender. Thematisch geht es um Bienen und das Bienensterben in der Gegend, aber auch um Pflanzen und Pestizide mit denen diese behandelt werden. 

Mittwoch, 8. April 2026

Rezension: „Tage des Wandels“ von Ulrike Renk

„Tage des Wandels“ von Ulrike Renk
Quelle: Lübbe
„Tage des Wandels“ ist der zweite Teil der „Hof Kalmule“-Reihe von Ulrike Renk, in dem es um die Gegenreformation und den spanisch-niederländischen Krieg geht. Erschienen ist der historische Roman im März 2026 bei Lübbe. 

1568 beginnt mit der Schlacht von Heiligerlee der 80-jährige Krieg zwischen den Niederlanden und Spanien. Immer wieder dringen Truppen und Söldner in das Münsterland ein, plündern und brandschatzen. Dort wachsen die Zwillinge Eva und Adam auf. Durch die Besonderheit ihrer Geburt ist Adam, der zweite Zwilling, ein freier Mensch. Eva hingegen wächst als Eigenbehörige auf. Doch als der Krieg weiter wütet, beschließt der Vater, dass Eva und Adam ihren Status tauschen. So kann Adam als Eigenbehöriger den väterlichen Hof übernehmen und ist vor dem Dienst an der Waffe sicher. Eva ist frei. Sie nimmt einen neuen Weg, der ihr Glück und Unglück zugleich bringt ... 

Gerade das Ende des ersten Bandes hat mich doch noch neugierig auf den weiteren Verlauf dieser Reihe gemacht, denn die Zeit in der die Reihe spielt, finde ich spannend und ich finde es richtig gut, dass hier die Bauern und einfachen Menschen in Dörfern und Städten im Mittelpunkt stehen. 
Ich bin gut in diesen zweiten Band reingekommen und konnte mir alles wieder wunderbar vorstellen. Einige bekannte Gesichter aus dem Vorgänger machen den Übergang zur neuen Hauptfigur einfacher und sorgen dafür, dass ich mich sofort wieder angekommen gefühlt habe. 
Nichtsdestotrotz ist einige Zeit vergangen und es wurde sogar eine Generation übersprungen, so dass Eva und Adam bereits die Enkelgeneration sind. Während es im vorherigen Roman u. a. um den neuen Glauben und die Wiedertäufer ging, geht es nun um die Gegenreformation und das Wiedererstarken des Katholizismus, aber auch wieder um Krieg und Söldner die infolge des spanisch-niederländischen Krieges die Gegend gefährden in der Eva und Adam leben. 

Mittwoch, 1. April 2026

Rezension: „Der Schrein der Könige“ von Sabine Weiß

„Der Schrein der Könige“ von Sabine Weiß
Quelle: Lübbe
Sabine Weiß hat mit „Der Schrein der Könige“ einen historischen Roman über die Entstehung des Dreikönigsschreines in Köln geschrieben. Erschienen ist dieser bei Bastei Lübbe im März 2026. 

Ein unschätzbar wertvoller Schatz und ein Kunstwerk, wie es die Welt noch nicht gesehen hat. Nach der Eroberung Mailands gelingt Reinald von Dassel, dem mächtigen Erzbischof von Köln, ein Coup: Er spürt die Gebeine der Heiligen Drei Könige auf und überzeugt Kaiser Barbarossa, dass er diese in sein Erzbistum mitnehmen darf. Jahre später ist Köln überlaufen von Pilgern, die sich von den Reliquien Heilung versprechen. Noch liegen die Gebeine in einer unscheinbaren Kiste. Doch längst ist den Mächtigen der herausragende Ruf des Verduner Goldschmieds Nicolaus zu Ohren gekommen. Er soll einen Schrein schaffen, der den wertvollen Reliquien und der Stadt, in der sie aufbewahrt werden, alle Ehre macht. Die Kölner Goldschmiede sind jedoch alles andere als begeistert, dass ein Fremder ihnen den lukrativen Auftrag vor der Nase wegschnappt ... 

Historische Romane von Sabine Weiß sind bei mir gesetzt, egal um welche Zeit und welchen Ort es geht. Der Prolog ist bereits spannend und hebt die Bedeutung der Gebeine der Heiligen Drei Könige hervor. Ich war sofort in der Geschichte drin und konnte mir alles wunderbar vorstellen. Der Schreibstil ist angenehm zu lesen und lässt die Seiten nur so dahinfliegen. Erzählt wird die Geschichte aus mehreren Perspektiven, so dass man einen ausführlichen Einblick in die Ereignisse rund um die Entstehung des Schreines erhält und viel über die Stadt Köln erfährt. 
Ein langer Zeitraum wird geschildert und viele unterschiedliche Themen werden behandelt. Die Goldschmiedekunst und das Voranschreiten der Arbeiten nehmen einen großen Teil des Buches ein, aber auch die politischen Themen jener Zeit werden mit eingebunden sowie die Besonderheiten als auch die Heiligen der Stadt Köln. Auf jeder Seite merkt man das hier viel Wissen und Recherche eingeflossen ist.

Mittwoch, 7. Januar 2026

Rezension: „Die weiße Nacht“ von Anne Stern

„Die weiße Nacht“ von Anne Stern
Quelle: Piper
„Die weiße Nacht - Der erste Fall für Lou & König“ von Anne Stern ist der Auftaktband zu einer neuen Krimi-Reihe, die in der Nachkriegszeit angesiedelt ist und in der Kriminalkommissar Alfred König und Lou Faber ermitteln. Erschienen ist der Historische Krimi im Januar 2026 bei Piper. 

Kriminalkommissar Alfred König bekommt es im Hungerwinter 1946/47 mit einer Frauenleiche im Schnee zu tun. Die junge Fotografin Lou Faber hat die Tote in den Ruinen gefunden und trägt mit ihren Fotos unfreiwillig zur Ermittlung bei. Während Heiligabend näherrückt, lassen Lou die gefalteten Hände der Toten nicht los. Mit ihrer Intuition hilft sie König und ahnt bald, dass hinter seinem Schweigen ein Geheimnis steckt, das sie verbindet. Der Fund weiterer Leichen setzt die Ermittler unter Zeitdruck und weist in eine neue Richtung, zurück in die finstere Vergangenheit. 

Hier konnte ich nur schwer widerstehen und wollte sofort einsteigen. Ihre Fräulein Gold-Reihe gefällt mir so gut und wenn jemand die Zwischentöne einer Zeit einfangen kann, dann ist es Anne Stern. 
Diese Reihe fängt tatsächlich mit dem Fund einer Leiche an und doch ist da direkt so viel mehr. Der Ort Berlin ist geblieben, doch der zweite Weltkrieg ist beendet und das zweite Weihnachtsfest in Frieden steht bevor. Ich fühlte mich direkt in die Zeit versetzt und konnte mir alles bildlich vorstellen. 
Mehrere Perspektiven wechseln sich ab und gewähren Einblick in den Alltag der Menschen im Hungerwinter 1946/1947. Die Versorgung der Menschen mit Nahrungsmitteln ist schwierig, überall in Berlin gibt es Ruinen, es ist nicht leicht Arbeit zu finden, die Polizei muss neu aufgebaut werden und der Schwarzmarkt blüht. All dies fängt Anne Stern wunderbar ein und zeigt auch die Ambivalenzen auf, die diese Zeit prägen. 

Mittwoch, 8. Oktober 2025

Rezension: „Stille Nacht“ von Titus Müller

„Stille Nacht“ von Titus Müller
Quelle: Heyne
„Stille Nacht“ von Titus Müller ist eine Erzählung rund um die Entstehungsgeschichte des Weihnachtsliedes „Stille Nacht, Heilige Nacht“. Eine Neuausgabe ist im September 2025 bei Heyne erschienen. 

Eines der berühmtesten und erfolgreichsten Weihnachtslieder wurde an Heiligabend 1818 zum ersten Mal gespielt. Titus Müller erzählt in diesem knapp 160 Seiten langen Buch von der Entstehungsgeschichte dieses Liedes und dem Leben rund um Salzburg und Österreichisch Laufen. 

Die schöne Aufmachung dieses Buches hat mich sehr angesprochen und ich war neugierig darauf, welche Geschichte der Autor zu diesem Lied erzählen wird. Ich habe tatsächlich sogar mein Gesangbuch aus meiner Konfirmandenzeit herausgesucht, um zu schauen, ob auch dort die Namen Joseph Mohr sowie Franz Xaver Gruber auftauchen. 
Die Geschichte fängt mit der Suche Joseph Mohrs nach seinem Großvater an. Ich bin gut reingekommen und die Landschaft mit den Bergen im Hintergrund sowie der eher schwer zugängliche Großvater haben mich ein bisschen an Heidi erinnert. 
Ich habe Joseph Mohr begleitet auf der Suche seiner Vergangenheit, seinem Ankommen in einer neuer Gemeinde und bei der Entstehung dieses weltberühmten Weihnachtsliedes. Dabei war ich tatsächlich überrascht wie viel auch vom täglichen Leben dieser Zeit geschildert wurde und zwar nicht aus der Sicht der Mächtigen dieses Landes, sondern aus der Sicht des einfachen Volkes. 

Mittwoch, 1. Oktober 2025

Rezension: „Meine Familie, die AfD und ich“ von Leonie Plaar

„Meine Familie, die AfD und ich“ von Leonie Plaar
Quelle: Goldmann
In „Meine Familie, die AfD und ich - Wie Rechtsextremismus uns entzweit - und wie wir dagegenhalten“ erzählt Leonie Plaar von der Entfremdung von ihrer Familie und gibt Tipps, wie wir besser mit dem Thema und Diskussionen umgehen können. Erschienen ist das Sachbuch im September 2025 bei Goldmann.

Leonie ist queer, politische Aktivsitin, Historikerin - und Tochter eines AfD-Mitglieds. Tatsächlich wählen fast alle ihre nahen Verwandten die Alternative für Deutschland. Bis sie die Reißleine zog und den Kontakt abbrach, hat sie deren Radikalisierungsprozess also hautnah miterlebt. Sie hatte einen Platz in der ersten Reihe bei Gesprächen zwischen AfDler*innen, die dachten, sie wären unter sich. Über Jahre hat sie zugehört, analysiert, mitdiskutiert. Vor allem aber muss sie erleben, wie es sich anfühlt, wenn der eigene Vater Teil einer Bewegung wird, die sich gegen alle Werte richtet, die Leonie verkörpert. 

In diesem Falle habe ich den Klappentext übernommen, weil der dieses Buch wirklich gut beschreibt. Der Einstieg in die Sachbuchbestenliste auf Platz 9 zeigt, dass dieses Thema aktuell und relevant ist und viele Menschen in diesem Land umtreibt. Ich habe einige ihrer Aufklärungsvideos gesehen und fand diese gut gemacht und so war ich neugierig auf ihre persönliche Geschichte. 
Leonie Plaar erzählt ihre persönliche Geschichte und erzählt von den Diskussionen zu vielen unterschiedlichen Themen, wie z.B. Meinungsfreiheit, Rassismus, Queerfeindlichkeit, Rechtsextremismus. Sie verbindet das Persönliche mit den dazugehörigen Fakten und zeigt ihre Erfahrungen und welche Strategien erfolgreicher waren und welche nicht. 

Samstag, 3. August 2024

Rezension: „Im Kopf des Bösen - Ken und Barbie“ von Petra Mattfeldt und Axel Petermann

Im Kopf des Bösen - Ken und Barbie von Petra Mattfeldt & Axel Petermann
Quelle: blanvalet
„Im Kopf des Bösen - Ken und Barbie“ von Petra Mattfeldt und Axel Petermann ist der zweite Teil der True-Crime Reihe rund um die Fallanalytikerin Sophie Kaiser und den BKA-Ermittler Leonhard Michels. Echte Fälle werden als Vorbild genommen und die Methoden der modernen Fallanalyse werden auf diese übertragen. Erschienen ist der Thriller bei blanvalet im Juni 2024. 

Köln, Juni 2023: Sophie Kaiser und Leonhard Michels sollen ein verschwundenes Mädchen wiederfinden, dass sich mutmaßlich in der Gewalt eines Sexualstraftäters befindet. Kurz darauf wird die zerstückelte und einbetonierte Leiche einer jungen Frau aus dem Rhein geborgen. Ob beide Fälle miteinander zusammenhängen ist zunächst nicht klar. Sophie Kaisers ausgeprägten analytischen Fähigkeiten sind hier besonders gefragt und lassen sie Dinge wahrnehmen, die anderen verborgen bleiben. Gemeinsam mit ihrem Kollegen stößt sie dann auch auf den Hinweis, dass es sich um ein Täterduo handelt, bei dem die Frau die jungen Mädchen in die Falle lockt und ihrem Mann zuführt. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt, um die Vermisste noch lebend aus den Fängen der Täter zu befreien. 

Ich folge der Autorin auf instagram und hatte von dieser Reihe bereits gehört. Das Konzept dahinter finde ich interessant. Es ist eine Zusammenarbeit einer Autorin mit einem Fallanalytiker. Echte Fälle aus der Vergangenheit werden fiktionalisiert und Methoden, die damals noch nicht üblich waren, werden darauf übertragen und es wird sich die Frage gestellt, was ein Fallanalytiker heutzutage zur Aufklärung des Falles beitragen könnte. Vorbild für dieses Buch ist das kanadische Serienmörderpaar Paul Bernardo und Karla Homolka. 
Sehr typisch für einen Krimi, wie ich finde, taucht im Prolog bereits die erste Leiche auf und im ersten Kapitel dann die beiden Ermittler. Der Einstieg ins Buch hat meine Neugier geweckt und ich bin gespannt, was im Verlaufe des Buches alles herauskommen wird. Die Beschreibungen der Handlungsorte haben bei mir für Kopfkino gesorgt. 

Samstag, 11. Mai 2024

Rezension: „Was Populisten wollen“ von Marcel Lewandowsky

"Was Populisten wollen" - Marcel Lewandowsky
Quelle: Kiepenheuer & Witsch
Marcel Lewandowsky hat mit „Was Populisten wollen - Wie sie die Gesellschaft herausfordern - und wie man ihnen begegnen sollte“ ein Sachbuch zum Thema Populismus vorgelegt. Erschienen ist das Buch im Mai 2024 bei Kiepenheuer & Witsch. 

Populismus, insbesondere der Rechtspopulismus, scheinen unaufhaltsam auf dem Vormarsch zu sein. Giorgia Meloni in Italien, Donald Trump in den USA oder auch Victor Orban in Ungarn sind nur einige Namen. Bisherige Gegenstrategien scheinen kaum Wirkung zu zeigen. Marcel Lewandowsky ist Politikwissenschaftler und befasst sich in diesem Buch ausführlich mit dem Thema. Er klärt über die Grundlagen der Ideologie auf, zeigt die Methoden der Rechtspopulisten und analysiert wer die Wähler dieser Parteien sind. Im abschließenden Kapitel geht der Autor auf Gegenstrategien ein, die auf mehreren Ebenen funktionieren. Auch Beispiele aus dem In- und Ausland werden genannt. 

Auf Marcel Lewandosky wurde ich aufmerksam durch Twitch. Dort war er im Format „nachsitzen“ auf dem Kanal von WildMics zu sehen. Seitdem folge ich ihm und bin so dann auch auf dieses Buch aufmerksam geworden. 
Dies ist nicht mein erstes Sachbuch zum Thema Populismus und Demokratie. Ich besitze daher schon ein gewisses Vorwissen. Ich empfand dieses Buch allerdings grundsätzlich als recht ausführlich, von daher kann es denke ich durchaus auch als Einstieg genutzt werden. Ich würde allerdings vermuten, dass man sich danach noch weiter mit bestimmten Aspekten im Buch auseinandersetzen möchte. 
Marcel Lewandowski behandelt unterschiedliche Aspekte von Populismus und fängt hier mit dem Demokratieverständnis der Populisten an. Dabei werden auch grundsätzliche Begriffe erklärt und die kleinen Nuancen, die etwas populistisch werden lassen. Das hat mir gut gefallen, denn ich empfinde den Grat manchmal als recht klein und das wurde hier gut erfasst. Auch die Spannungsfelder, die unsere Demokratie aushalten muss, werden gut erklärt. 
In den weiteren Kapiteln geht es um den Begriff des Volkes, die Inszenierung des Populismus, wie Populisten das System verändern, wenn sie an der Macht sind und wer die Wähler*innen sind. Durch das gesamte Buch ziehen sich konkrete Beispiele und ich merke schon jetzt, dass ich Populismus noch besser erkenne. Dies empfinde ich als eine große Stärke des Buches. 

Samstag, 6. April 2024

Rezension: „Beklaute Frauen“ von Leonie Schöler

Beklaute Frauen von Leonie Schöler
Quelle: penguin
„Beklaute Frauen: Denkerinnen, Forscherinnen, Pionierinnen: Die unsichtbaren Heldinnen der Geschichte“ von Leonie Schöler ist ein Sachbuch, dass in Vergessenheit geratene Frauen in den Vordergrund rückt und zeigt, welchen wichtigen Beitrag Frauen in vielen unterschiedlichen Bereichen geleistet haben. Erschienen ist das Buch im Februar 2024 im Penguin Verlag. 

Frauen und ihr Einfluss auf unsere Gesellschaft und Geschichte wurden immer wieder unsichtbar gemacht und sind so in Vergessenheit geraten. Dabei gibt es viele beeindruckende Beispiele: Wissenschaftlerinnen deren Anteil an wichtigen Errungenschaften nicht anerkannt wurde. Autorinnen, die ihre Werke unter einem männlichen Pseudonym veröffentlicht haben. Oder Künstlerinnen, bei denen die Werke ihrer Ehemänner präsent blieben, während die Kunst der Ehefrauen zunehmend verschwand. Die Historikerin Leonie Schöler wagt sich hier in viele Bereiche und zeigt wie Frauen entscheidend unsere Gesellschaft mitgeprägt haben und dennoch kaum Beachtung erhalten. Dabei wird deutlich, dass es heute wichtiger denn je ist, über Teilhabe und Sichtbarkeit zu sprechen und das nicht nur im Falle von Frauen, sondern auch bei anderen marginalisierten Gruppen. 

In meinem Lesealltag spielen Sachbücher mittlerweile eine wichtige Rolle. Die Bundeszentrale für politische Bildung hat mir den Einstieg mit seinen günstigen Angeboten leicht gemacht und ich wage mich nun auch an andere Themen ran, die mich interessieren. Dieses Buch ist glaube ich tatsächlich das erste feministische Sachbuch, dass ich gelesen habe und es hat mich insbesondere auch wegen der historischen Komponente sehr angesprochen. 
In sechs Kapiteln behandelt Leonie Schöler unterschiedliche Themen und führt uns so von der französichen Revolution bis in die Neuzeit. Dabei habe ich viel Neues erfahren und über viele Frauen gelesen, die Großartiges geleistet haben, sei es als Gruppe oder als Einzelperson. Beschämt musste ich feststellen, dass ich von Vielem bisher nichts wusste und auch ich sehr von den patriacharchischen Strukturen beeinflusst bin und sich das auch in meinem Denken wiederspiegelt. Ich denke, hier wurde ein wichtiger Anstoß gegeben, um das mehr zu hinterfragen und diese Strukturen aufzubrechen. 

Samstag, 6. Januar 2024

Rezension: „Der Spurenfinder“ von Marc-Uwe Kling, Johanna und Luise Kling

Der Spurenfinder
Quelle: Ullstein
In „Der Spurenfinder“ von Marc-Uwe Kling, Johanna und Luise Kling löst Elos von Bergen gemeinsam mit seinen Kindern Naru und Ada einen kniffligen Mordfall. Erschienen ist der Roman im November 2023 bei Ulstein. 

Elos von Bergen hat sich eigentlich bereits zur Ruhe gesetzt als ein Mordfall in seiner neuen Heimat Friedhofen passiert. Vorher war er Spurenfinder. Doch ein Anschlag auf sein Leben und das seiner Kinder hat ihn zum Umdenken veranlasst und so zog er in das langweiligste Dorf im ganzen Reich. Das nun ausgerechnet hier so ein Verbrechen passiert, war nicht zu erwarten und doch zwingt es Elos von Bergen dazu, sich auf seine Fähigkeiten als Spurenfinder zu besinnen. Seine beiden Kinder Ada und Naru sind sofort Feuer und Flamme und wollen ihren Vater unbedingt bei den Ermittlungen unterstützen. 

Ich war auf der FBM 2023 bei der ersten Lesung aus diesem Buch, bei der statt 50-100 Leute, über 1.000 Menschen anwesend waren. Ich war früh genug da und habe noch einen guten Platz erwischt und wie immer konnte mich Marc-Uwe Kling schon dort vom Buch überzeugen. Die Besonderheit: Er hat das Buch mit seinen beiden 12jährigen Töchtern geschrieben. 
Und das merkt man dem Buch auch eindeutig an. Es ist gut zu lesen, aber es hat eben auch diese gewisse Kinderlogik. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie ich das besser beschreiben soll. Manchmal ist das Buch ein bisschen wirr und sprunghaft und irgendwie ergibt dennoch alles einen gewissen Sinn. Das Buch hat typische Kindergespräche drin, Eltern sind wundersame Wesen, die irgendwie alles auf wundersame Weise vorausahnen. Es gibt die typischen Kindersprüche, es wird Quatsch gemacht, es wird sich geärgert. Ich fand es herrlich erfrischend. 

Samstag, 30. September 2023

Rezension: „Die Kathedrale des Königs“ von Claudius Crönert

Die Kathedrale des Königs von Claudius Crönert
Quelle: Ullstein
„Die Kathedrale des Königs“ von Claudius Crönert erzählt vom Bau der Westminster Abbey in England im 13. Jahrhundert. Erschienen ist der Roman im August 2023 bei ullstein im Rahmen einer historischen Romanreihe über Baumeister. 

Reims, 1260: Ein Brief erreicht Henri in Reims, der ihn dazu auffordert nach England zu kommen und eine Kathedrale für Heinrich den III zu bauen. Henri entschließt sich seine Chance beim Schopfe zu packen, auch wenn die Einladung eigentlich seinem Dienstherren Henri von Reims galt. Zusammen mit dem Mönch Archibald bricht er nach London auf und gerät auf der Überreise in ein heftiges Unwetter. In seiner Angst gibt er Gott ein Versprechen: Henri schwört eine unverwechselbare Kirche zu bauen, wenn er nur heil am Ziel ankommt und seine Lüge nicht auffliegt. Nichtsahnend, dass seine Entscheidung noch viele weitere Prüfungen für ihn bereit hält. Eine Rebellion zwischen dem König und seinen Baronen bedroht den Fortgang der Bauarbeiten immer wieder und auch die verbotene Liebe zu einer jungen Baronin erschweren sein Leben. 

Im Rahmen einer Leserunde und eines Buddyreads habe ich diesen Roman erkundet. Es handelt sich hierbei auch endlich mal wieder um einen Roman, der im Mittelalter spielt und der sich dadurch von der Masse der erscheinenden Familiensagas abhebt. 
Ich bin zunächst gut in die Geschichte reingekommen und fand es toll, dass es direkt mit den Ereignissen vom Klappentext los geht. Ich konnte mir die Ereignisse gut vorstellen und mochte die Bilder, die dabei in meinem Kopf entstanden sind. 
Der Spannungsbogen war für mich ok. Es gibt drei unterschiedliche Stränge, die miteinander verbunden sind. Einmal geht es um den Bau der Westminster Abbey und die Herausforderungen, die sich dabei ergeben. Dann geht es um einen Streit zwischen den Baronen und Heinrich III. und die politische Lage insgesamt. Zuletzt haben wir noch eine Liebesgeschichte über Standesgrenzen hinweg, die einen Teil des Geschehens ausmacht. 

Samstag, 23. September 2023

Rezension: „Psyche und Eros“ von Luna McNamara

Psyche und Eros von Luna McNamara
Quelle: Rütten & Loening
„Psyche und Eros“ von Luna McNamara ist eine Neuerzählung des griechischen Mythos rund um die beiden Namensgeber des Buches. Erschienen ist der Roman bei Rütten & Loening Berlin im Setember 2023. 

Laut eine Prophezeiung soll Psyche im Kampf gegen ein Ungeheuer einst zur größten Heldin aller Zeiten werden. Ihr Vater lässt sie in den Kampfkünsten ausbilden, damit sie dieses Schicksal erfüllen kann. Doch Aphrodite gefällt diese Aussicht nicht. Sie ist neidisch und schickt Eros aus, um Psyche mit einem Pfeil zu treffen und so das Begehren in ihr zu wecken. Der Pfeil trifft ihn versehentlich selbst und so entbrennt er in unerfüllten Verlangen nach ihr. Doch die Beziehung wandelt sich und verwandelt sich alsbald in eine unsterbliche Liebe. 

Dieses Buch habe ich bei netgalley gesehen und da ich immer viele begeisterte Stimmen zu Retellings von griechischen Mythen gelesen habe, dachte ich, ich gebe dem Ganzen mal eine Chance. 
Eine Geschichte ist natürlich immer eine Aneinanderreihung von Ereignissen, aber hier hat mich das leider nicht so sehr gecatcht. Es lässt sich im Großen und Ganzen gut lesen, aber es hat mich nicht begeistert und es hat mich nicht in die Geschichte reingezogen.. 
Wir bekommen zu Beginn einen Abriss über die Kindheit und Jugend von Psyche und von Eros über die Entstehung der Götter. Sollte ich eigentlich gut finden, denn ich kenne mich in griechischer Mythologie nicht aus. Es dauerte für mich allerdings zu lange bis wir zum Hauptteil der Geschichte rund um Eros und Psyche kamen und als wir dann da waren, hat mich das Buch erstmal genervt. 

Samstag, 2. September 2023

Rezension: „Das Licht zwischen den Schatten“ von Michaela Beck

Das Licht zwischen den Schatten von Michaela Beck
Quelle: Lübbe
„Das Licht zwischen den Schatten“ von Michaela Beck ist ein Roman, der eine Familiengeschichte über 3 Generationen erzählt. Erschienen ist der Roman bei Bastei Lübbe im August 2023. 

Drei Zeitebenen und eingebettet darin eine Familiengeschichte, die sich über acht Jahrzehnte erstreckt. 
Konrad verspricht als Kind seiner Freundin Selma aus reichem Hause, dass er ihre Schwester Alma heilen wird. Kein einfaches Versprechen als Arbeiterjunge, denn dazu muss er Abitur machen und Medizin studieren. Die Nazis werden ihn der Erfüllung seines Versprechens näher bringen. 
Brigitte hat schon immer gegen viele Dinge rebelliert und ist vehement für ihre Überzeugungen eingetreten. So musste sie als Kind auch zur Flucht aus der DDR gezwungen werden und landet letztendlich bei der RAF. 
André fühlt sich in seiner Adoptivfamilie fehl am Platz. Seine richtigen Eltern hat er gemeinsam mit seinen Erinnerungen bei einem Autounfall verloren. Doch er ist ein talentierter Turmspringer und wird in sozialistischer Manier in dieser Disziplin entsprechend gefördert. Die Unwissenheit über seine Vergangenheit und Herkunft lässt ihn dennoch nie los. 

Ich war sehr neugierig auf diesen Roman - insbesondere wegen der RAF als Komponente. Das ist eine Zeit, mit der ich mich eher bisher eher weniger beschäftigt habe. 
Reingekommen bin ich gut in die Geschichte. Ich war neugierig zu erfahren, auf welche Art und Weise die Geschichte erzählt wird und der junge Konrad machte mich neugierig. Angefangen mit dem Ende des ersten Weltkrieges über die Nazizeit bis hin zur Nachkriegszeit in Ost- und Westdeutschland versprach dieses Buch eine vielfältige Mischung zu werden. 
Erzählt wird die Geschichte anhand von drei Personen und mit drei unterschiedlichen Zeitebenen. Die Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Zeiten werden erst mit der Zeit klar. Dies fand ich gut gemacht, weil das Ganze so auch ein bisschen was von Detektivarbeit hatte und eine gewisse Dynamik in reinbrachte. 

Samstag, 15. Juli 2023

Rezension: „Der Sturz des Löwen“ von Martha Sophie Marcus

Der Sturz des Löwen von Martha Sophie Marcus
Quelle: Tinte und Feder
„Der Sturz des Löwen“ von Martha Sophie Marcus ist der Auftaktband zu „Das Gold der Weiden“-Reihe, in der es um den Rössner Micha geht, der zu Zeiten Heinrich des Löwens in Summerburg wohnt. Erschienen ist der Roman im Juli 2023 bei Tinte und Feder.

Norddeutschland 1164: Bei einem Überfall verliert der junge Micha seine gesamte leibliche Familie. Sein Leben ändert sich von einem auf den anderen Tag dramatisch. Plötzlich ohne Stand muss er sich wohl oder übel fügen und ins Herrschaftsgebiet des verantwortlichen Grafen ziehen. Im angrenzenden Dorf lernt er die junge Sibilla kennen, dessen Wege sich auch in Zukunft kreuzen sollen. Durch seine Pferdekenntnisse kann sich Micha eine neue Stellung erarbeiten und eines Tages vielleicht sogar Rache für das Schicksal seiner Familie nehmen.

Ich habe einen Post der Autorin gesehen und dachte mir, das Buch könnte ganz gut zu mir passen, weil ich „Herrin des Nordens“ vor einigen Jahren sehr mochte.
Ich bin an sich gut in die Geschichte gekommen, auch wenn ich zu Beginn gerne ein bisschen von dem glücklichen Leben der Familie von Auwied gelesen hätte. Es startet direkt mit dem lebensverändernden Ereignis und schafft so die Ausgangssituation der Geschichte. Gut finde ich, dass der Klappentext dadurch nicht wirklich viel vorweg nimmt. In letzter Zeit hatte ich es doch recht häufig, dass der Klappentext eigentlich schon 2/3 der Geschichte verrät.
Es ist eine ganz typische Geschichte für dieses Genre. Aufgrund des Titels hatte ich gedacht, das Heinrich der Löwe ein wenig präsenter wäre. Es handelt sich bei dieser Reihe allerdings um eine Familiensaga, bei der Summerburg exemplarisch für ähnlich Ereignisse in dieser Zeit steht. Die historischen Gegebenheiten rund um den Streit zwischen Heinrich dem Löwen und Friedrich Barbarossa spielen nur am Rande eine Rolle.

Montag, 8. Mai 2023

Rezension: „Tatord Nord 2“ herausgegeben von Franziska Henze, Anke Küpper und Yvonne Wüstel

Tatort Nord 2
Quelle: Harper Collins
Ende April ist bei Harper Collins die zweite Krimi-Antologie „Tatord Nord 2“ erschienen. Herausgeberinnen sind die Mörderischen Schwestern Franziska Henze, Anke Küpper und Yvonne Wüstel. 

Und hier übernehme ich den offiziellen Klappentext, weil man diese Anthologie tatsächlich nicht besser zusammenfassen kann: 
Die deutsche Küste und der Norden haben so einiges: zu frische Luft, tolle Landschaft, wortkarge Mitmenschen – und den ein oder anderen Mörder! Während die Sonne scheint und die Wellen glitzernd an den Strand spülen, stehen unsere Ermittler vor einer Herausforderung. In 21 Kurzkrimis untersuchen sie die Fälle, die alle nur eins gemeinsam den Tatort ... 
Mit Kurzkrimis von Gesine Berg, Ulrike Bliefert, Carola Christiansen, Anja Gust, Jutta Götze, Kathrin Hanke, Franziska Henze, Eva Jensen, Anke Küpper, Angela Lautenschläger, Alexa Linell, Anja Marschall, Bettina Mittelacher, Ricarda Oertel, Alex Roller, Regina Schleheck, Bea Schreiner, Regine Seemann, Carolyn Srugies, Sabine Weiß und Fenna Williams. 

Auch die zweite Krimi-Anthologie der Mörderischen Schwestern weiß zu überzeugen. Ich war wieder einmal sehr begeistert von der Vielfalt. Nicht immer geht es um Mord, sondern auch um Erbstreitigkeiten, Eifersucht oder Raub. Gerade zum Schluss wartet diese Anthologie auch mit heftigen Themen wie Kindesmissbrauch auf. Geschichten, in denen Kindern was passiert, mag ich tatsächlich nicht so gerne, als Kurzgeschichte war es für mich jedoch noch erträglich.
Der Kontext in den die Geschichten eingebettet sind, war sehr abwechslungsreich. Typische Sagen des Nordens wurden ebenso genutzt als auch aktuelle Themen wie das 9 Euro Ticket oder die prekäre Lage der Fischer. Meist sind die Geschichten in unserer Zeit angesiedelt, aber auch eine historische Krimikurzgeschichte hat es wieder in diese Anthologie geschafft. 

Samstag, 15. April 2023

Rezension: „Der stille Planet“ von Marie Graßhoff

"Der stille Planet" von Marie Graßhoff
Quelle: Lübbe
„Der stille Planet“ von Marie Graßhoff ist der zweite Teil oder die zweite Staffel von „Der dunkle Schwarm“. Wir begleiten Atlas bei der Aufklärung eines länger zurückliegenden Mordes. Zuerst ist dieses Buch als Hörbuch bei Audible erschienen und ich habe diesmal das Buch, das am 31. März 2023 bei Lübbe erschienen ist, gelesen.

Achtung! Zweiter Teil einer Reihe, daher Spoilerwarnung!

Nach den Enthüllung von Oracle alias Atlas ist das Syndikat zusammengebrochen. Die Welt befindet sich in einem Schwebezustand. Unruhen und Demonstrationen brechen aus. Beim Großkonzern Hypermind, der die Hives kontrolliert, wird ein neuer Vorstand eingesetzt und die Sicherheit der Technik soll in diesem Zuge erhöht werden. Doch dann gesteht Bennie Haloren einen Mord, den er nicht begangen haben kann. Atlas macht sich zusammen mit Noah daran, den Fall aufzuklären. Hilfe hierbei erhält sie von unerwarteter Seite und sie schafft sich neue sehr mächtige Feinde. Denn sie stößt auf Geheimnisse, die sehr weit in die Vergangenheit reichen und ein System aufdecken, dass tief in die Abgründe der Menschheit reicht.

Ich war sehr gespannt auf die Fortsetzung dieser Reihe, die etwas hat auf sich warten lassen und die mich zum ersten Mal so richtig in ein Hörbuch hat abtauchen lassen. Diesmal habe ich allerdings das Buch als Medium meiner Wahl gewählt. Wer der Autorin auf instagram folgt, weiß welche Herausforderungen das Schreiben eines Buches mit sich bringt, dass in Folgen eingeteilt ist, die genau 1 Stunde gehen.
Der Stoff wurde für die Umsetzung als Buch nochmals überarbeitet, ist aber weiterhin in Folgen unterteilt, die als Buch dann wiederum Kapitel haben. Im Buch kann man sehr gut die Struktur des Hörbuches erkennen, was ich sehr spannend fand. Diese Erfahrung hat mir aber gezeigt, dass diese Reihe als Hörbuch mit 10 Stunden für mich persönlich besser passt.

Samstag, 18. März 2023

Rezension: „Tod am Wockersee“ von Carolyn Srugies

Tod am Wockersee von Carolyn Srugies
Quelle: Spica
„Tod am Wockersee“ ist der erste Krimi aus der Feder von Carolyn Srugies. In diesem ermittelt Henri Martensen in einem Cold Case-Fall in seinem Geburtsort Parchim. Erschienen ist das Buch beim Spica Verlag im März 2022. 

Eine Autopanne verschlägt Henri Martensen zurück in seine Geburtsstadt Parchim. 27 Jahre zuvor hatte er diesen sofort nach seinem Abitur verlassen und wollte eigentlich nie zurückkehren. Natürlich bleibt sein Auftauchen im Ort nicht unbemerkt und schnell stößt er auf den Todesfall seines ehemaligen Lehrers. Dieser wurde tot aus dem Wockersee geborgen und zeitgleich mit ihm sind zwei weitere Klassenkameraden aus dem Ort verschwunden. Dieser Umstand lässt ihm keine Ruhe und so beginnt er zu ermitteln. Dabei trifft er auch auf seine Jugendliebe Ina, die eine echte Überraschung für ihn bereithält. 

Das mit den Krimis und mir scheint echt zu werden. Ich werde auch in Zukunft nicht massenhaft Krimis lesen, aber ich denke, ich habe meinen Zugang gefunden und kann so mehr Abwechslung in meine gelesenen Bücher bringen. In diesem Fall haben wir es mit einem Cosy Crime zu tun und da es in letzter Zeit sehr stressig auf Arbeit bei mir war, war das genau das Richtige. 
Der Einstieg in diesen Roman war gut. Der norddeutsche Sommer zeigt sich von seiner besten Seite und ich konnte mir Parchim und den Wockersee sehr gut vorstellen. Es lässt sich locker und flockig lesen, so dass ich schnell durch die Seiten geflogen bin. 
Vom Spannungsbogen her war es die meiste Zeit eher gleichbleibend. Ich habe Parchim und die Menschen, die in diesen Ort leben, kennen gelernt. Alte Freundschaften werden wieder reaktiviert, alte Konflikte werden aufgearbeitet. Henri Martensen ermittelt privat im Mordfall seines ehemaligen Lehrers. Es dauert bis sich ein Bild zusammensetzt und erst zum Schluss kommt Spannung auf und das Drama kann sich entfalten. 

Samstag, 25. Februar 2023

Rezension: „Aleksandra“ von Lisa Weeda

Aleksandra von Lisa Weeda
Quelle: Kanon
In „Aleksandra“ von Lisa Weeda geht es um die Ostukraine und ihre Geschichte, erzählt aus der Sicht einer Nachfahrin dieser Region. Erschienen ist der Roman im Februar 2022 im Kanon-Verlag. 

Lisa Weedas Oma heißt Alexandra und ist in der Ostukraine geboren und aufgewachsen. Sie bittet ihre Enkelin darum nach Lugansk zu fahren. Ihr Onkel Kolja ist 2015 verschwunden und kann keine Ruhe finden, solange das Grab nicht gefunden worden ist. Sie macht sich auf den Weg, doch der Soldat am Grenzposten warnt sie, dass Lugansk gefährlich ist und sich nicht für einen kurzen Besuch eignet. Sie flieht über ein Feld und landet auf wundersame Weise im verlorenen Palast des Donkosaken. Dort trifft sie ihren Urgroßvater Nikolaj, der ihr die Geschichte der Ostukraine und der Donkosaken sowie die Geschichte ihrer Familie erzählt. Doch findet sie auch Kolja und kann ihm die Ruhe bringen, die sich ihre Großmutter so sehr für ihn wünscht? 

Zu diesem Buch hatte ich tatsächlich eine mail von netgalley in meinem Postfach und da ich mich gerade sehr für die Ukraine und ihre Geschichte interessiere, hat mich ein Roman zu diesem Thema, der die Sichtweise der Ukrainer*innen schildert sehr interessiert. Lisa Weeda lebt in den Niederlanden und sie selber musste nicht vor dem aktuellen Konflikt fliehen, aber ihre Familie hat eine sehr wechselvolle Geschichte zu erzählen. Noch ein interessanter Fakt zu diesem Buch. Dieses wurde aus dem niederländischen ins Deutsche übersetzt. 
Die Autorin holt einen mit starken Bildern ins Buch hinein. Man kann sich den Checkpoint in Lugansk sehr gut vorstellen, aber auch die Anmerkungen zu Beginn des Buches sind interessant. Die Geschichte hat eine sehr eigene Sprache, die einen dennoch in ihren Bann zieht. Das eine Nachfahrin dieser Region das Buch geschrieben hat, kann man auf jeder Seite spüren. Leider wird hier viel in Monologen erzählt. Ich habe quasi immer jemanden zugehört, der mir gerade diese Geschichte erzählt. Das hat etwas sehr nahbares, hat es manches Mal allerdings eher zäh gemacht.