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| Quelle: Penguin Random House |
Sarajevo, Frühling 1992: Jede Nacht werden von nationalistischen Banden Barrikaden aufgestellt, die die Stadt in ethnische Enklaven unterteilt. Jeden Morgen werden diese von den Menschen, die dort leben, wieder niedergerissen - unabhängig davon ob sie serbisch, muslimisch oder kroatisch sind.
Als Gewalt ausbricht schickt Zora, eine Künstlerin und Lehrerin, ihren Ehemann und ihre Mutter in die Sicherheit nach England, nichtsahnend das dies eine Trennung über einen längeren Zeitraum wird. Als die Stadt schließlich belagert und von der Außenwelt abgeschnitten wird, fliegt schwarze Asche über die Dächer der Stadt und doch finden Zora und die Freunde und Menschen, die mit ihr in der Stadt eingeschlossen sind, immer wieder Wege sich gegenseitig aufzubauen und neue Kraft zu schenken.
Nachdem mir das Buch über den Bürgerkrieg in Sri Lanka, dass den Women‘s Prize for Fiction gewonnen hat, so gut gefallen hat, habe ich dort nach weiteren Büchern geschaut, die mich interessieren könnten. In diesem Buch geht es um den Beginn des Bosnienkrieges und es fängt erstmal recht harmlos an mit Barrikaden in Sarajevo, die niemand so wirklich ernst nimmt. Zora, die Hauptperson dieses Buches, ist bereits Mitte 50 und damit deutlich älter als in vielen anderen Büchern, die ich sonst so lese. Das hat mir sehr gefallen. Zora ist verheiratet, hat mit ihrem Mann ein Kind großgezogen, ist bereits Großmutter. Sie steht mitten im Leben, kann sich auf ihre Kunst und ihre Arbeit as Lehrerin konzentrieren und sie muss nun während einer Belagerung überleben und das ohne ihre Familie.
Ich fand es spannend aus ihrer Sicht davon zu lesen und durch sie Sarajevo kennenzulernen. Eine multikulturelle Stadt, die so bunt und verschieden ist, wie ihre Einwohner*innen. Mit jeder neuen Jahreszeit verschlechtert sich die Situation in der Stadt zusehends und doch gibt es immer wieder Situationen, die Trost spenden, die einen enormen Zusammenhalt der Eingeschlossenen zeigen und so neue Zuversicht spenden. Das fand ich sehr beeindruckend.
Die Geschichte wird aus Zoras Perspektive erzählt und was sie an Nachrichten mitbekommt. Das ist eine recht eingeschränkte Sicht, weil es sich bei ihr um eine Zivilistin handelt. Dennoch fand ich gerade das sehr passend. So erfährt man beispielsweise, dass die UN Hilfspakete an die Menschen verteilt, aber man kennt keine genauen Details dieser UN-Mission oder welche Bemühungen es gibt, diese Belagerung von Sarajevo aufzulösen. Über solche Details müsste man sich dann eher durch ein Sachbuch informieren.
Mich hat das Buch sehr berührt und teilweise war es kaum erträglich die Beschreibungen der Belagerung und was dies mit den Menschen dort macht zu lesen und doch werde ich mit Sicherheit nicht alle Nuancen erfasst haben, die hier zwischen den Zeilen zum Tragen kommen.
Schön fand ich auch, die Volkserzählungen, die in die Geschichte eingebaut worden sind. Diese geben einen Einblick, wie die unterschiedlichen Kulturen über die Zeit miteinander verschmolzen sind, weil diese Geschichte eben Elemente aus verschiedenen Kulturkreisen enthält. Diese waren auch gut mit dem Kontext der Belagerung verbunden und haben der Geschichte mehr Tiefe verliehen.
Fazit: Ein bewegendes Buch, dass den Beginn des Bosnienkrieges und das erste Jahr der Belagerung Sarajevos aus Sicht der 55jährigen dort eingeschlossenen Künstlerin Zora erzählt und einem die multikulturelle Stadt Sarajevo näher bringt. Empfehlenswert für Menschen, die sich dafür interessieren, wie die zivile Bevölkerung mit der Situation der Belagerung umgeht.
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Verlag: Vintage/Penguin Random House
Autor*in Priscilla Morris
Erscheinungsdatum: 22.07.2025
ISBN: 9780593688038

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