Samstag, 18. Mai 2024

Rezension: „Florentia - Im Glanz der Medici“ von Noah Martin

"Florentia - Im Glanz der Medici" von Noah Martin
Quelle: Dromer-Knaur
In „Florentia - Im Glanz der Medici“ von Noah Martin geht es um die Familie Medici und die Pazzi-Verschwörung. Erschienen ist der Roman im März 2023 bei Droemer. 

Florenz 1469: Noch ist Lorenzo de Medici der erstgeborene Sohn in einer extrem reichen Bankiersfamilie sowie der kommende Herrscher von Florenz. Die ganze Stadt ist dabei als er heiratet und so auch sein jüngerer Bruder Giuliano, die Malerin Fioretta Gorini und der noch unbekannte Künstler Leonardo Da Vinci. Ihr Schicksal wird in den kommenden Jahren eng miteinander verbunden sein. Auf der Suche nach ihrem Platz werden sie Zeuge im Spiel um die Macht. Immer wieder wird Florenz und insbesondere die Familie Medici bedroht. Politik, Intrigen und Verrat sind ein ständiger Begleiter. Den Feinden der Medici ist jedes Mittel recht - auch Mord. 

Ich hatte das Buch schon länger hier und nach der Nominierung für den Homer Literaturpreis dachte ich mir, dass es endlich Zeit wird diesen Roman zu lesen. 
Der Einstieg ist gut gelungen. Mir wurde Zeit gegeben die Protagonisten kennenzulernen und mich in der Ausgangslage zurechtzufinden. Während des Lesens hatte ich meist ein lebendiges Kopfkino. Die beschriebenen Orte konnte ich mir gut vorstellen. Das Italien der Renaissance-Zeit wird mit Florenz, Rom, Mailand und der Kunst zum Leben erweckt. 
Die Geschichte wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt, so dass wir einen umfangreichen Einblick in die Ereignisse bekommen. Die Familie Medici bildet hierbei den Mittelpunkt, allerdings spielt auch die Kunst eine recht große Rolle. Ich mochte diese Mischung sehr gern und diese hat einen wesentlichen Anteil daran, dass mir das Buch so gut gefallen hat. Nur Politik und Intrigen wäre mir auf Dauer wohl zu trocken geworden. 

Samstag, 11. Mai 2024

Rezension: „Was Populisten wollen“ von Marcel Lewandowsky

"Was Populisten wollen" - Marcel Lewandowsky
Quelle: Kiepenheuer & Witsch
Marcel Lewandowsky hat mit „Was Populisten wollen - Wie sie die Gesellschaft herausfordern - und wie man ihnen begegnen sollte“ ein Sachbuch zum Thema Populismus vorgelegt. Erschienen ist das Buch im Mai 2024 bei Kiepenheuer & Witsch. 

Populismus, insbesondere der Rechtspopulismus, scheinen unaufhaltsam auf dem Vormarsch zu sein. Giorgia Meloni in Italien, Donald Trump in den USA oder auch Victor Orban in Ungarn sind nur einige Namen. Bisherige Gegenstrategien scheinen kaum Wirkung zu zeigen. Marcel Lewandowsky ist Politikwissenschaftler und befasst sich in diesem Buch ausführlich mit dem Thema. Er klärt über die Grundlagen der Ideologie auf, zeigt die Methoden der Rechtspopulisten und analysiert wer die Wähler dieser Parteien sind. Im abschließenden Kapitel geht der Autor auf Gegenstrategien ein, die auf mehreren Ebenen funktionieren. Auch Beispiele aus dem In- und Ausland werden genannt. 

Auf Marcel Lewandosky wurde ich aufmerksam durch Twitch. Dort war er im Format „nachsitzen“ auf dem Kanal von WildMics zu sehen. Seitdem folge ich ihm und bin so dann auch auf dieses Buch aufmerksam geworden. 
Dies ist nicht mein erstes Sachbuch zum Thema Populismus und Demokratie. Ich besitze daher schon ein gewisses Vorwissen. Ich empfand dieses Buch allerdings grundsätzlich als recht ausführlich, von daher kann es denke ich durchaus auch als Einstieg genutzt werden. Ich würde allerdings vermuten, dass man sich danach noch weiter mit bestimmten Aspekten im Buch auseinandersetzen möchte. 
Marcel Lewandowski behandelt unterschiedliche Aspekte von Populismus und fängt hier mit dem Demokratieverständnis der Populisten an. Dabei werden auch grundsätzliche Begriffe erklärt und die kleinen Nuancen, die etwas populistisch werden lassen. Das hat mir gut gefallen, denn ich empfinde den Grat manchmal als recht klein und das wurde hier gut erfasst. Auch die Spannungsfelder, die unsere Demokratie aushalten muss, werden gut erklärt. 
In den weiteren Kapiteln geht es um den Begriff des Volkes, die Inszenierung des Populismus, wie Populisten das System verändern, wenn sie an der Macht sind und wer die Wähler*innen sind. Durch das gesamte Buch ziehen sich konkrete Beispiele und ich merke schon jetzt, dass ich Populismus noch besser erkenne. Dies empfinde ich als eine große Stärke des Buches. 

Samstag, 13. April 2024

Rezension: „Fräulein Gold - Die Stunde der Frauen“ von Anne Stern

FRäulein Gold - Die Stunde der Frauen von Anne Stern
Quelle: Rowohlt
„Fräulein Gold - Die Stunde der Frauen“ ist der 4. Band rund um die Hebamme Hulda Gold. In diesem Band geht um die Geschichte eines geheimnisvollen Bildes und eine Liebe über Standesgrenzen hinweg. Erschienen ist der Roman im November 2021 bei Rowohlt Polaris. 

Berlin, 1925: Hulda Gold arbeitet weiterhin in der Frauenklinik Mitte und ist zwischenzeitlich zur leitenden Hebamme aufgestiegen. Sie konnte sich einige Freiheiten erkämpfen und darf die ein oder andere Geburt ohne andere Ärzte durchführen und auch sonst kämpft sie für die Belange der Schwangeren. 
Privat ist Hulda mit dem jungen Arzt Johann Wenckow verbandelt. Dieser stammt aus der Villengegend Frohnau. Eine ganz andere Welt, in der sie sich nicht immer wohlfühlt und dann ist da auch noch Johanns Vater, der mit der Verbindung seines Sohnes zu ihr so überhaupt nicht gutheißen kann. 
Auf einem Fest bei einer adeligen Familie begegnet Hulda einer jungen Hausangestellten, die in Schwierigkeiten geraten ist. Ein Bild ist verschwunden und das Geheimnis dieses Bildes soll Hulda nicht so schnell loslassen. 

Bis zum Erscheinen des 7. Bandes im Dezember möchte ich alle bisher erschienen Bücher dieser Reihe gelesen haben. Nachdem ich Band 4 nun beendet habe, fehlen noch 2. 
Der Prolog mit dem Maler und der Schauspielerin als Modell hat sofort neugierig gemacht und zu Spekulationen angeregt, worum es in diesem Buch gehen könnte. Die anschließenden Kapitel haben mich umgehend in die Geschichte gezogen und ich war froh wieder in Huldas Welt und den 20er Jahren der Weimarer Republik eintauchen zu dürfen. 
Ich bin immer sehr gespannt darauf, was sich denn zum vorherigen Band verändert hat. Auf Hulda bezogen ist das diesmal nicht so extrem wie im vorherigen Band. Sie arbeitet weiterhin in der Frauenklinik, hat allerdings mehr Verantwortung übernommen und ist leitende Hebamme und somit eine Respektsperson, die mittlerweile 30 Jahre alt ist. An Berts Zeitungskiosk am Winterfeldplatz erfahren wir immer ein wenig zur politischen Lage der Zeit und auch diesmal ist klar, dass sich die Gefahr durch die Nazis vergrößert hat. Ich bekomme da immer eine Gänsehaut. Sicher auch weil ich weiß was kommen wird. Darüber hinaus behandelt der Roman noch weitere Themen, u.a. Abtreibung und den Paragrafen 218. Geburten und die Probleme der Schwangeren spielen weiterhin eine große Rolle. 

Samstag, 6. April 2024

Rezension: „Beklaute Frauen“ von Leonie Schöler

Beklaute Frauen von Leonie Schöler
Quelle: penguin
„Beklaute Frauen: Denkerinnen, Forscherinnen, Pionierinnen: Die unsichtbaren Heldinnen der Geschichte“ von Leonie Schöler ist ein Sachbuch, dass in Vergessenheit geratene Frauen in den Vordergrund rückt und zeigt, welchen wichtigen Beitrag Frauen in vielen unterschiedlichen Bereichen geleistet haben. Erschienen ist das Buch im Februar 2024 im Penguin Verlag. 

Frauen und ihr Einfluss auf unsere Gesellschaft und Geschichte wurden immer wieder unsichtbar gemacht und sind so in Vergessenheit geraten. Dabei gibt es viele beeindruckende Beispiele: Wissenschaftlerinnen deren Anteil an wichtigen Errungenschaften nicht anerkannt wurde. Autorinnen, die ihre Werke unter einem männlichen Pseudonym veröffentlicht haben. Oder Künstlerinnen, bei denen die Werke ihrer Ehemänner präsent blieben, während die Kunst der Ehefrauen zunehmend verschwand. Die Historikerin Leonie Schöler wagt sich hier in viele Bereiche und zeigt wie Frauen entscheidend unsere Gesellschaft mitgeprägt haben und dennoch kaum Beachtung erhalten. Dabei wird deutlich, dass es heute wichtiger denn je ist, über Teilhabe und Sichtbarkeit zu sprechen und das nicht nur im Falle von Frauen, sondern auch bei anderen marginalisierten Gruppen. 

In meinem Lesealltag spielen Sachbücher mittlerweile eine wichtige Rolle. Die Bundeszentrale für politische Bildung hat mir den Einstieg mit seinen günstigen Angeboten leicht gemacht und ich wage mich nun auch an andere Themen ran, die mich interessieren. Dieses Buch ist glaube ich tatsächlich das erste feministische Sachbuch, dass ich gelesen habe und es hat mich insbesondere auch wegen der historischen Komponente sehr angesprochen. 
In sechs Kapiteln behandelt Leonie Schöler unterschiedliche Themen und führt uns so von der französichen Revolution bis in die Neuzeit. Dabei habe ich viel Neues erfahren und über viele Frauen gelesen, die Großartiges geleistet haben, sei es als Gruppe oder als Einzelperson. Beschämt musste ich feststellen, dass ich von Vielem bisher nichts wusste und auch ich sehr von den patriacharchischen Strukturen beeinflusst bin und sich das auch in meinem Denken wiederspiegelt. Ich denke, hier wurde ein wichtiger Anstoß gegeben, um das mehr zu hinterfragen und diese Strukturen aufzubrechen. 

Samstag, 30. März 2024

Rezension: „Die Wachsmalerin“ von Sabine Weiß

"Die Wachsmalerin" von Sabine Weiß
Quelle: dotbooks
„Die Wachsmalerin - Das Leben der Madame Tussauds“ von Sabine Weiß ist ein historischer Roman über Madame Tussauds, ihrer Ausbildung zur Wachsmalerin und ihrem Leben in Paris. Erschienen ist der Roman erstmals 2007 im List-Verlag. Die Neuauflage als ebook erschien 2016 bei dotbooks. 

Paris, 1794: Im heißesten Sommer, an den Marie Großholtz sich erinnern kann, schwitzen die Leute nicht nur, sondern es rollen auch die Köpfe. Die Französische Revolution fordert täglich ihre Opfer. 30 Menschen täglich werden hingerichtet. Auch Marie wird festgenommen. Die Anklage: Verschwörung gegen die Republik. Im Angesicht des Todes lässt sie ihr Leben nochmals Revue passieren: Mit fünf Jahren zieht sie gemeinsam mit ihrer Mutter nach Paris zu Onkel Curtius. Dort ist sie schnell fasziniert von seiner Arbeit. Er modelliert aus Wachs lebensechte Figuren und als er ihr Talent entdeckt, führt er Marie in die Geheimnisse seine Kunst ein. Mit der Zeit übernimmt sie immer mehr Aufgaben im Kabinett und wächst zu einer ernstzunehmenden Künstlerin heran, doch dann stellt sie die Französiche Revolution vor neue Herausforderungen. Immer wieder muss sie Totenmasken der Enthaupteten abnehmen und diese im Wachfigurenkabinett ausstellen. 

Bei diesem Roman handelt es sich um ihr Debüt. Auf ihrer Seite erfährt man, dass Sabine Weiß 10 Jahre an diesem Roman gearbeitet hat. Ihre später erschienenen historischen Romane gefielen mir alle sehr und so war ich auch neugierig auf dieses Buch und die Zeit. 
Der Einstieg in diesen Roman war spannend, denn es fängt mit der Verhaftung an und ich habe mich sofort gefragt, wie es soweit kommen konnte. Dann gibt es eine Zeitsprung zurück in ihre Kindheit und da wurde es ein bisschen holprig für mich. Die Jahre ihrer Kindheit vergehen schnell und es sind einzelne Ereignisse, die erzählt werden. Je älter Marie wird, umso flüssiger wurde der Roman für mich und dann war ich von diesem Roman vollkommen eingenommen. 
Der Roman behandelt viele spannende Themen. Den Mittelpunkt bildet allerdings die Wachskunst und das Wachsfigurenkabinett. Ich war bei Maries ersten Versuchen mit Wachs dabei, habe ihre Ausbildung bei Doktor Curtius miterlebt und wie sie mit den Jahren immer besser wurde in der Erstellung neuer Ausstellungsstücke und auch immer mehr Verantwortung übernommen hat. Da der Roman immer sehr nah bei Marie bleibt, bekommen wir durchaus viel von der Französichen Revolution mit, aber vieles davon eben auch nur aus zweiter Hand und eher bezogen auf die Auswirkungen für das Wachsfigurenkabinett. 

Samstag, 23. März 2024

Rezension: „Six Tudor Queens: Katheryn Howard - The Tainted Queen“ von Alison Weir

"Katheryn Howard: The Tainted Queen" von Alison Weir
Quelle: Headline
„Six Tudor Queens: Katheryn Howard - The Tainted Queen“ von Alison Weir ist der 5.Band der „Six Tudor Queens“-Reihe, in der es um die sechs Ehefrauen von Henry VIII geht. Erschienen ist der Roman im Mai 2020 bei Headline Review. 

Frühling 1540: Als Henry VIII ein Auge auf Katheryn Howard wirft, ist auch seine vierte Ehe gescheitert. Er lässt sich von Anna von Kleve scheiden und erfreut sich an der jugendlichen Schönheit seiner neuen Braut. Er preist sie als Rose ohne Dornen ohne zu ahnen, welche Geheimnisse in ihrer Vergangenheit lauern. 
Katheryn genießt ihre Zeit als Königin und die Aufmerksamkeit, die der König ihr schenkt. Auch wenn es keine leidenschaftliche Liebe ihrerseits ist, fühlt sie sich dem mittlerweile 49jährigen König dennoch verbunden und sie möchte ihm einen Thronfolger schenken. Doch Katheryns Vergangenheit möchte nicht ruhen und so nimmt das Schicksal seinen Lauf. 

Es ist einige Zeit vergangen, seit ich den letzten Band dieser Reihe gelesen habe und ich dachte mir, es wird jetzt mal wieder Zeit, die Reihe fortzusetzen. Da sich hier Zeiträume überschneiden, bietet es sich an, hier Pausen einzulegen, da einige Ereignisse doch immer wieder vorkommen und sich so wiederholen, auch wenn sie dann aus einer anderen Sicht geschildert werden. 
Katheryn Howard war die fünfte Ehefrau Henry VIII und wer den berühmten Spruch über seine sechs Ehefrauen kennt, weiß welches Schicksal sie erwartet. Der Roman ist in unterschiedliche Abschnitte unterteilt und zunächst einmal erfahren wir etwas über ihre Kindheit und ihre Jugendzeit. Letztere wird sie als Königin noch einholen. 
Ich fand es spannend ihr Leben mitzuverfolgen und wie meine Wahrnehmung sich über die Zeit verändert hat. Als Kind und auch als Jugendliche konnte sie noch nicht ahnen, dass sie den König einmal heiraten wird. Katheryn Howard bringt eine sehr spezielle Mischung mit sich. Ich mochte es, wie sie sich ändernden Umständen angepasst hat, doch ihr späterer Lebenswandel lässt schon früh erahnen, dass das nicht wirklich gut gehen kann. 

Samstag, 2. März 2024

Rezension: „Tödlicher Duft“ von René Anour

Tödlicher Duft von René Anour
Quelle: Heyne
„Tödlicher Duft - Ein Fall für Commissaire Campanard“ von René Anour ist ein Krimi-Roman, in dem Comissaire Louis Campanard im Mordfall des Parfumeurs Eric Sentir ermittelt. Erschienen ist der Roman als ebook Premiere im Januar 2024 im Heyne-Verlag. Die Taschenbuchausgabe folgt im März 2024. 

Im beschaulichen Grasse ist ein Mord passiert. Das Aushängeschild der Firma Fragonard, Eric Sentir, wird tot in einem Bottich mit blutroten Kamelien aufgefunden. Ausgerechnet an einem Sonntag wird Louis Campanard zum Tatort gerufen, obwohl er sich lieber seinem Lavendelgarten widmen würde. Schnell geraten die Ermittlungen ins Stocken, doch der Commissaire hat genau die richtige Person, um den Fall doch noch abzuschließen. Die Polizeipsychologin Linda Delacours wird undercover bei Fragonard eingeschleust und soll so Licht ins Dunkel bringen. 

Wenn das nicht wie ein typischer Krimi klingt, dann weiß ich es auch nicht. Die Totenärztin-Reihe René Anours hat mir sehr gut gefallen und so wollte ich auch einem Krimi, der in der heutigen Zeit spielt und üblicherweise nicht unbedingt zu meinem Beuteschema gehört, eine Chance geben. Im Vorfeld zur Erscheinung gab es auf Social Media schon einige Infos zum Buch. Die Idee hinter dem Buch, dass Düfte Emotionen auslösen können, fand ich spannend. 
Das Buch startet zunächst einmal recht beschaulich mit einer Beschreibung des Ortes Grasse, die mir sehr gefallen hat. Direkt ist man von Düften und einer tollen Landschaft umgeben. Ich hatte direkt Bilder vor meinem inneren Auge und auch ein wenig Urlaubsfeeling, doch schnell wurde dann die Leiche von Eric Sentir gefunden und die Ermittlungen des Comissaire Louis Campanard starten.