Mittwoch, 28. Januar 2026

Rezension: „Am Fluss der Zeiten“ von Ulrike Renk

„Am Fluss der Zeiten“ von Ulrike Renk
Quelle: Lübbe
„Am Fluss der Zeiten“ von Ulrike Renk ist der Auftaktband einer Trilogie, in der es um den Hof Kalmule und das bäuerliche Leben im 16. und 17. Jahrhundert vor dem Hintergrund des spanisch-niederländischen und Dreißigjährigen Krieges geht. Erschienen ist dieser Historische Roman im September 2024 bei Lübbe. 

(Ich würde empfehlen den Klappentext nicht zu lesen, aber der Vollständigkeit füge ich diesen hier ein.) 
1551: Elze wächst mit ihren Geschwistern als Eigenbehörige auf dem großen Hof Kalmule auf.Die harte Arbeit auf den Feldern ist ihr Alltag. Doch ihr Leben wandelt sich von Grund auf, als sie ihre Familie verlassen muss und ihren Pflichtdienst als Küchenmagd in der Stadt Münster antritt. Eines Tages wird sie jedoch mit einer Magd der Herren von Oer getauscht und muss künftig auf der Wasserburg Kakesbeck leben, auf der ein Fluch liegt. Dort trifft sie auch Jacob wieder. Aber um den Müllerssohn ranken sich geheimnisvolle Gerüchte. Soll sie diesen Glauben schenken? Und wird Elze nun Teil der alten Prophezeiung werden, um den Fluch der Familie von Oer zu brechen? 

Eine Gesamtdarstellung des Dreißigjährigen Krieges habe ich abgebrochen, weil mich die Beschreibungen der einzelnen Schlachten ermüdet haben, an der Zeit bin ich dennoch weiterhin interessiert, wollte aber lieber in Romanform etwas dazu lesen. Wie der Zufall es so wollte bin ich dann bei dem Auftaktband dieser Reihe gelandet, der mir schon häufiger empfohlen worden ist. 
Ich bin ganz gut in den Roman hineingekommen und fand es spannend mal einen Historischen Romanen zu lesen, der die Perspektive der Bauern einnimmt und ihr Leben beschreibt. Dadurch entsteht ein komplett anderer Fokus. Dieser Perspektivwechsel hat mir gut gefallen, hatte aber auch seine Schwächen. 
Das Zusammenleben auf einem Bauernhof, die zu erledigenden Arbeiten und der Zusammenhalt in der bäuerlichen Gemeinschaft werden sehr ausführlich beschrieben. Darüber hinaus gibt es auch einiges zu rechtlichen Aspekten des Standes. Das fand ich durchaus spannend, aber irgendwie hat sich die Geschichte dadurch auch gezogen und hatte lange Zeit für mich kein wirkliches Ziel. 

Mittwoch, 14. Januar 2026

Rezension: „The Lion Women of Tehran“ von Marjan Kamali

„The Lion Women of Tehran“ von Marjan Kamali
Quelle: Simon & Schuster UK
„The Lion Women of Tehran“ von Marjan Kamali ist ein Roman über Freundschaft, Verrat und Versöhnung und verfolgt die Geschichte Teherans und Irans über drei Jahrzehnte. Erschienen ist der Roman im November 2024 bei Simon & Schuster. 

Tehran, 1950er: Ellie zieht gemeinsam mit ihrer Mutter in ein neues Viertel als ihr Vater stirbt. Dort fühlt sie sich zunächst sehr einsam, denn ihre Mutter trauert dem alten Leben im Reichtum sehr nach. Doch dies ändert sich als sie in die Schule kommt und an ihrem ersten Tag Homa kennenlernt. Beide werden schnell beste Freunde, spielen zusammen, lernen kochen und besuchen den Bazar. Ihre Wege trennen sich zunächst als Ellies Mutter erneut heiratet und sie wieder zur Elite der Gesellschaft gehört. Doch Homa schafft es durch ihren Ehrgeiz und ihre Intelligenz an die Eliteschule, zu der auch Ellie geht. Beide nehmen ihre Freundschaft wieder auf, doch es stellt sich heraus, dass sie sehr unterschiedliche Ziele für ihre Zukunft haben. Als die politischen Unruhen im Iran immer stärker werden, hat ein Verrat enorme Konsequenzen und wird zu einer harten Belastungsprobe für diese Freundschaft. 

Dieses Buch habe ich auf Grund der aktuellen Nachrichten aus dem Iran nochmal angefangen und diesmal war es der richtige Zeitpunkt. Ich bin durch die ersten Seiten geflogen und habe mich an der Freundschaft der beiden 7jährigen Mädchen erfreut, die gemeinsam zur Schule gehen. 
Zu Beginn wird der Roman aus Elahehs (Ellies) Sicht beschrieben. Im Verlaufe des Buches kommt Homas Sichtweise hinzu. Die Freundschaft der beiden Mädchen steht im Vordergrund, dennoch habe ich einiges über das Leben und die Veränderungen in Teheran und Iran erfahren. Dadurch ist es auch ein politisches Buch, aber ich finde eines, dem man gut folgen kann und das nicht zu sehr ins Detail geht. Dennoch spielen die Konsilidierung der Macht des Shahs, die Islamische Revolution und Proteste in diesem Buch eine Rolle. 
Während des Lesens hätte ich mir manchmal mehr Input zu den politischen Ereignissen gewünscht, aber am Ende muss ich doch sagen, hat es genauso gepasst, wie die Geschichte erzählt wurde. Mich hat dieses Buch sehr berührt, dadurch, das eben diese zwischenmenschliche Beziehung im Vordergrund steht. Ich denke, das ist etwas, mit dem sich auch mehr Menschen identifizieren können. 

Mittwoch, 7. Januar 2026

Rezension: „Die weiße Nacht“ von Anne Stern

„Die weiße Nacht“ von Anne Stern
Quelle: Piper
„Die weiße Nacht - Der erste Fall für Lou & König“ von Anne Stern ist der Auftaktband zu einer neuen Krimi-Reihe, die in der Nachkriegszeit angesiedelt ist und in der Kriminalkommissar Alfred König und Lou Faber ermitteln. Erschienen ist der Historische Krimi im Januar 2026 bei Piper. 

Kriminalkommissar Alfred König bekommt es im Hungerwinter 1946/47 mit einer Frauenleiche im Schnee zu tun. Die junge Fotografin Lou Faber hat die Tote in den Ruinen gefunden und trägt mit ihren Fotos unfreiwillig zur Ermittlung bei. Während Heiligabend näherrückt, lassen Lou die gefalteten Hände der Toten nicht los. Mit ihrer Intuition hilft sie König und ahnt bald, dass hinter seinem Schweigen ein Geheimnis steckt, das sie verbindet. Der Fund weiterer Leichen setzt die Ermittler unter Zeitdruck und weist in eine neue Richtung, zurück in die finstere Vergangenheit. 

Hier konnte ich nur schwer widerstehen und wollte sofort einsteigen. Ihre Fräulein Gold-Reihe gefällt mir so gut und wenn jemand die Zwischentöne einer Zeit einfangen kann, dann ist es Anne Stern. 
Diese Reihe fängt tatsächlich mit dem Fund einer Leiche an und doch ist da direkt so viel mehr. Der Ort Berlin ist geblieben, doch der zweite Weltkrieg ist beendet und das zweite Weihnachtsfest in Frieden steht bevor. Ich fühlte mich direkt in die Zeit versetzt und konnte mir alles bildlich vorstellen. 
Mehrere Perspektiven wechseln sich ab und gewähren Einblick in den Alltag der Menschen im Hungerwinter 1946/1947. Die Versorgung der Menschen mit Nahrungsmitteln ist schwierig, überall in Berlin gibt es Ruinen, es ist nicht leicht Arbeit zu finden, die Polizei muss neu aufgebaut werden und der Schwarzmarkt blüht. All dies fängt Anne Stern wunderbar ein und zeigt auch die Ambivalenzen auf, die diese Zeit prägen. 

Montag, 22. Dezember 2025

Jahresrückblick 2025

 

Jahresrückblick 2025

Wieder neigt sich ein Jahr dem Ende zu und es wird Zeit auf das Lesejahr zurückzublicken. Auch 2025 war ich auf einigen tollen Lesungen und Buchmessen. Das Lesungsjahr 2025 startete mit einer Ladies Crime Night bei mir vor Ort und endlich war Sabine Weiß mit dabei, die ich am Tag darauf allerdings direkt wieder bei einem Book & Breakfast im Klassik Altstadt Hotel besucht habe. So ein Frühstück zusammen mit einer Lesung gibt noch mal eine ganz andere intimere Atmosphäre für eine Lesung. Das kann ich euch nur empfehlen. Im März stand dann die Leipziger Buchmesse auf dem Programm. Dort habe ich wieder viele von euch getroffen und hatte eine wunderbare Zeit. Mein witzigster Schnappschuss ist wahrscheinlich neben Claudia Roth entstanden, die zu dem Zeitpunkt noch Kulturstaatsministerin war. Im Sommer war ich dann zu einigen Lsungen in Lübeck und Hamburg unterwegs, z.B. in einer Kneipe bei Tresenlesen oder im Stadtpark mit einem tollen Stück Kuchen. Meine Highlights im Herbst und Winter waren dann die 4. Book Oldesloe in Bad Oldesloe mit einem vielfältigen Programm und „Weihnachten bei den Buddenbrooks“ im Klassik Altstadt Hotel, dass mich so richtig in Weihnachtsstimmung gebracht hat. Bevor wir uns nun endlich den Zahlen widmen, möchte ich euch wunderbare Tage im Kreise eurer Familie und Freunde und einen guten Rutsch ins neues Jahr wünschen.


Erstmal ein paar Zahlen für die Statistik

 

60 Bücher habe ich im Jahr 2025 gelesen. Insgesamt komme ich auf 25.925 Seiten und 2.160 Seiten im Schnitt pro Monat. Meine Durschschnittsbewertung liegt bei 3.6 Sternen. Dies Jahr habe ich wieder mehr gelesen.
Meine gelesenen Bücher haben sich wie folgt auf die einzelnen Genre verteilt: Sachbücher mit 30 Büchern sind in diesem Jahr der Spitzenreiter, was daran liegen mag, dass ich zu einem Roman immer ein Sachbuch parallel lese und ich habe noch so viele spannende Sachbücher auf meinem SUB, die ich lesen möchte. Darauf folgen Historische Romane mit 14 Büchern, was mein nach wie vor hohes Interesse an historischen Themen zeigt, denn auch bei den Sachbüchern geht es meist um historische oder politische Themen. Darüber hinaus habe ich 7x Romane, 5x Fantasy, 3x Science-Fiction und 2x Krimi gelesen. 

Mittwoch, 26. November 2025

Rezension: „Fräulein Gold - Der Preis der Freiheit“ von Anne Stern

„Fräulein Gold - Der Preis der Freiheit“ von Anne Stern
Quelle: Rowohlt
„Fräulein Gold - Der Preis der Freiheit“ von Anne Stern ist mittlerweile der 8. Band der Reihe. Diesmal geht es um das Frauengefängnis in der Barnimstraße und ein Mord, der dort aufgeklärt werden soll. Erschienen ist der Roman im November 2025. 

Berlin, 1932: Hulda Gold hat eine neue Wirkungsstätte als Hebamme gefunden. Im berüchtigten Frauengefängnis Barnimstraße versorgt sie inhaftierte Schwangere und entwickelt einen guten Draht zu den oftmals verzweifelten Frauen. Als innerhalb der Gefängnismauern eine junge Insassin völlig unerwartet stirbt, kann Hulda nicht untätig bleiben. Bald kommen Zweifel wegen der Todesursache auf, und der Verdacht fällt auf Anna Marwitz, die bereits wegen Mordes verurteilt ist. Doch Hulda kann nicht glauben, dass diese verschüchterte Frau, die kurz vor der Entbindung ihres ersten Kindes steht, wirklich eine mehrfache Mörderin sein soll. Mit der Aufklärung des Falls wird ausgerechnet Irma Siegel betraut. Hulda und die Kriminalkommissarin kennen sich von früher, und sie gingen nicht als Freundinnen auseinander. Aber während sich die politischen Kräfte in Deutschland immer mehr radikalisieren, müssen sie nun gemeinsam gegen das Unrecht kämpfen – für die Zukunft aller Frauen und auch die ihrer eigenen Familien. 

Mittlerweile ist das Jahr 1932 erreicht und ich hatte ehrlich gesagt erwartet, dass mich dieser Band emotional zerstören wird. Emotional war es teilweise, aber tatsächlich doch nicht so heftig wie erwartet. 
Die Welt von Hulda Gold ist zu einem Teil meines Lebens geworden und so brauch ich wirklich nicht lange, um ins Geschehen reinzukommen. Ich bin immer neugierig darauf, um welches Thema es im neuen Band geht und ich bin gespannt, was sich verändert hat. Dabei versteht es Anne Stern viele Informationen in einem Kapitel unterzubringen. Ihre Stärke alltägliche Situationen mit Botschaften zwischen den Zeilen zu verbinden, bewundere ich immer wieder sehr. Die positiven wie negativen Begebenheiten liegen hierbei oft beieinander und bringen mich beim Lesen auch immer wieder zum Innehalten. 

Mittwoch, 19. November 2025

Rezension: „The Darkest Sin“ von D. V. Bishop

„The Darkest Sin“ von D. V. Bishop
Quelle: Pan Macmillan
„The Darkest Sin“ von D. V. Bishop ist der zweite Teil der Cesare Aldo-Reihe und spielt im Florenz der Renaissance-Zeit. Ein Mord in einem Kloster soll aufgeklärt werden. Erschienen ist der historische Krimi im März 2022 bei Pan Macmillan. 

Florenz, Frühjahr 1537: Cesare Aldo geht einem Bericht nach, demzufolge sich jemand Zugang zu einem Konvent verschafft haben soll. Dort angekommen stößt er auf eine angespannte Stimmung aus Geheimnissen und Rivalitäten. Als dann auch noch eine nackte männliche Leiche gefunden wird, ist das Chaos perfekt, denn alles deutet darauf hin, dass eine der Nonnen einen Mord begangen hat. 
Gleichzeitig ist Carlo Strocchi zu Besuch bei seiner Familie und stößt dort auf eine Leiche, die vor einiger Zeit aus dem Arno gezogen worden ist. Es handelt sich dabei um einen Kollegen, der schon seit Monaten verschwunden ist. Dieser war nicht sonderlich beliebt und bei den Ermittlungen stellt sich raus, dass dieser viele Feinde hatte. 
Als sich Aldo und Strocchi der Auflösung ihrer Fälle nähern, müssen sie feststellen, dass sich die Identifizierung der Täter trügerischer gestaltet als sie je erwartet hätten. 

Nachdem mich der erste Band überzeugen konnte, musste ich die Reihe natürlich weiter Lesen. Es ging also zurück nach Florenz und diesmal ins Umland und ein Konvent. Das Buch startet direkt spannend mit einem Bericht zum Fund der Leiche, der ein lebhaftes Bild vorm inneren Auge entstehen und die Frage aufkommen lässt, was dort genau passiert ist. Danach wird es erstmal etwas ruhiger, weil dann die Ereignisse von Anfang an aufgerollt werden und in diesem Zuge auch Carlo Strocchi wiederbegegnet. 
Beide haben in diesem Roman getrennt laufende Fälle zu bearbeiten, begegnen sich im Laufe der Ereignisse aber immer mal wieder. Beide Fälle sind interessant, es gibt persönliche Ebenen und ich liebe die Dilemmata, die entstehen. Diese sind nicht nur im Buch, sondern auch ich wurde dazu eingeladen, mich und meine Moral zu hinterfragen. Es gab viel Ermittlungsarbeit sowie Befragungen, tolle Dialoge und manchmal war ich überrascht, was Cesare Aldo alles einfädeln konnte. 

Mittwoch, 12. November 2025

Rezension: „Die Chemie des Verbrechens: Die Fährte“ von Sabine Weiß

„Die Chemie des Verbrechens: Die Fährte“ von Sabine Weiß
Quelle: Lübbe
Mit „Die Chemie des Verbrechens: Die Fährte“ startet Sabine Weiß eine neue Krimi-Reihe rund um die Strafverteidigerin und DNA-Forensikerin May Barven. Erschienen ist dieses Buch im Oktober 2025 bei Bastei Lübbe. 

Klappentext: Jedes Mal, wenn das Telefon klingelt, hofft May auf einen Klienten. Die junge Mutter hat sich vor Kurzem als Strafverteidigerin selbstständig gemacht, doch bisher ist es ihr nur gelungen, kleinere Mandate zu erringen, weshalb ihr das Wasser bis zum Hals steht. Da geht der Fall des Unternehmers Rickleffs durch die Medien: Er hat sein Genom in eine Herkunftsdatenbank eingespeist, um für sein Reiseunternehmen zu werben; nun wird ihm vorgeworfen, vor Jahren ein Mädchen ermordet zu haben. Keiner stellt den DNA-Abgleich infrage. May aber weiß aus ihrer Erfahrung als ausgebildete DNA-Forensikerin: DNA-Spuren gelten zwar als Goldstandard der Kriminalermittlung, sind aber keineswegs so eindeutig, wie alle meinen ... 

Ich gebe zu, wenn der nächste Roman von Sabine Weiß kein historischer Roman ist, bin ich immer etwas traurig, nichtsdestotrotz klang dieser Krimi interessant, weil dieser mit DNA-Spuren eine wissenschaftliche Komponente hat. 
Dieser Krimi startet mit einer Rückblende ins Jahr 2007 und hat mich neugierig gemacht, was die Ereignisse aus diesem Kapitel mit dem Mordfall zu tun haben, der im Klappentext angedeutet wird. Ein spannender Start also, der danach erstmal in ruhigere Gefilde wechselt, damit ich die Protagonisten dieser Reihe kennenlernen konnte. 
Das ist zum einen May Barven, Strafverteiderin und DNA-Forensikerin, und zum anderen Tarek Loman, ein Privatdetektiv, die bei diesem Fall zur Zusammenarbeit gezwungen sind. Allerdings sind diese beiden nicht dazu engagiert, den Mörder zu finden, sondern eben dazu da, den Beschuldigten zu entlasten. Ich finde, das ist eine andere Prämisse, die einem auch bewusst sein sollte und die dem Buch auch eine andere Dynamik geben.