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Mittwoch, 1. Juli 2026

Rezension: „Der Gesang des Falken“ von Lea Gerstenberger

„Der Gesang des Falken“ von Lea Gerstenberg
Quelle: Droemer-Knaur
„Der Gesang des Falken“ ist Lea Gerstenbergers Debütroman, in dem es ins Frankreich der Renaissance geht und die Jugendjahre, die Anne Boleyns Charakter geformt haben, beleuchtet werden. Erschienen ist der historische Roman im Juni 2026 Droemer Knaur. 

Paris, 1514. Der königliche Hof glänzt vor Pracht und Reichtum, doch hinter den Kulissen herrschen Missgunst und Intrigen. Marcelle, die Tochter des Großstallmeisters, verabscheut dieses Theater. Wirklich glücklich ist sie nur fernab des Hofes beim Zeichnen und mit ihrem einzigen Freund Jean, dem Sohn des Großfalkners. 
Als Marcelle von ihrem Vater gezwungen wird, sich als Hofdame der englischen Braut des Königs zu beweisen, wird ihr ein junges Mädchen zur Seite gestellt – Anne Boleyn. Sie scheint alle höfischen Tugenden zu verkörpern: elegant, gebildet, unnahbar. Deshalb darf sie auch in Frankreich bleiben, als ein neuer König den Thron besteigt. Doch Marcelle blickt bald hinter die Fassade der Engländerin und entdeckt in Anne eine Verbündete, deren Scharfsinn und verborgener Freiheitsdrang ihr imponieren. Kann ihre Freundschaft den beiden helfen, sich zwischen höfischen Intrigen und großen Träumen zu behaupten und ihren eigenen Weg zu finden? 

Als ich von Leas historischem Roman erfahren habe, war direkt klar, dass ich diesen sofort nach Erscheinen lesen muss. Ich folge ihr schon lange auf instagram und mag insbesondere den Adventskalender mit historischem Wissen in jedem Jahr. 
Mit dem Einstieg in dem Roman erfährt man bereits einiges über das spätere Schicksal von Anne Boleyn. Insgesamt wird ein eher wohlwollendes Bild von ihr erschaffen, was ich sehr mochte, ist sie als Henry VIII zweite Ehefrau doch eine eher umstrittene Figur. Auch sonst hatten die ersten Szenen in der Falknerei eine schöne Atmosphäre. Ich konnte mir alles sehr gut vorstellen und das blieb auch den gesamten Roman über so. 
Es wird ein Zetraum von wenigen Jahren abgedeckt, in denen Anne Boleyn am französischen Hof weilt und einige interessante historische Ereignisse miterleben wird, die sie für den Rest ihres Lebens prägen werden. Ich gebe zu, ich bin mit etwas falschen Erwartungen an den Roman herangegangen und so hatte ich erwartet, dass Anne Boleyn mehr im Mittelpunkt stehen wird. Das Nachwort klärt hierüber auf und hat mir so im Nachhinein noch einen etwas anderen Blickwinkel eröffnet. 

Mittwoch, 10. September 2025

Rezension: „Mein Name ist Lilith“ von Nikki Marmery

Mein Name ist Lilith von Nikki Marmery
Quelle: Fischer
„Mein Name ist Lilith“ von Nikki Marmery ist eine Neuerzählung des christlichen Mythos rund um Lilith, der ersten Frau noch vor Eva. Erschienen ist der Roman im Februar 2024 bei Fischer. 

Im Paradies, am Anfang der Zeit, beginnt die große Lüge: Frauen sind Männern untergeordnet. Lilith und Adam leben gemeinsam im Garten Eden. Als Adam verlangt, dass Lilith als seine Frau seinem Willen gehorchen soll, weigert sie sich - und wird aus dem Paradies vertrieben. Zornig sieht Lilith, wie Gott Eva erschafft, die Frau, die nur Unterordnung kennt. Denn Lilith erinnert sich noch an Asherah, die einst mächtige Ur-Göttin. Doch sie ist verschwunden. Zusammen mit dem Erzengel Samuel bricht Lilith auf, die Göttin zu finden und die Frauen aus der Unsichtbarkeit zurück ins Licht der wahren Geschichte zu führen. 

Dieses Buch habe ich beim Stöbern entdeckt und es hat mich neugierig gemacht, wie Lilith die Ereignisse möglicherweise erzählen würde. Ich bin gut ins Buch reingekommen und konnte mir die Ereignisse gut vorstellen. Da sich das Buch sehr an wichtigen Ereignissen aus der Bibel orientiert, gibt es im Buch einiges an Bibelsprache. Das hat das Lesen für mich teilweise etwas eintönig und die Geschichte langatmig gemacht. 
Das Buch ist in unterschiedliche Abschnitte unterteilt, die wichtige Ereignisse der Bibel aufgreifen, wie z.B. die Schöpfungsgeschichte rund um Adam und Eva oder auch Noah und seine Arche. Ich habe viel wiedererkannt, Liliths Sichtweise gibt diesen Geschichten allerdings immer einen interessanten Twist, den ich durchaus als glaubhaft empfand. Allerdings kommen Männer hier meist sehr schlecht und einfältig weg, was ich etwas einseitig empfand. Dennoch denke ich, dass in diesem Roman auch bewusst übertrieben wurde. 

Samstag, 20. Juli 2024

Rezension: „The Liar‘s Knot“ von M. A. Carrick

The Liar's Knot von M.A.Carrick
Quelle: Orbit
„The Liar‘s Knot“ von M. A. Carrick ist der zweite Band der „Rook & Rose“-Trilogie, in der es um ebenjene Helden Rook and Rose geht, die Nadezra vom Unheil befreien wollen, dass diese Stadt beherrscht. Erschienen im Dezember 2021 bei Orbit. Die Reihe erscheint diesen Sommer auf Deutsch beim Panini Verlag. Dort ist es dann die „Rabe & Rose“-Trilogie. 

Die Zerstörung von Haus Indestor hat nicht die gewünschte Reinigung Nadezras mit sich gebracht. Noch immer wabert die Dunkelheit durch seine Straßen. Man muss nur genauer hinschauen. In diesem Knoten aus unzähligen Intrigen und Lügen finden sich Derossi Vargo, Grey Serrado und Ren wieder, deren Schicksal auf verschlungenen Pfaden miteinander verbunden ist. In diesem Band werden sie auf harte Proben gestellt und müssen über sich hinauswachsen, um mehr über die Geheimnisse Nadezras zu erfahren. 

Das ist eine Reihe, bei der man wirklich dran bleiben muss. Obwohl es am Anfang des Buches eine Zusammenfassung gibt, hatte ich doch ein wenig meine Schwierigkeiten wieder reinzukommen, weil es in dieser Reihe so viele Personen gibt und es eben viel um Lügen und Intrigen geht, die irgendwie auch auseinandergehalten werden müssen. 
Das Autorenduo, das diese Reihe schreibt, hat sich eine sehr komplexe Welt ausgedacht, die an Kulturen aus unserer Welt angelehnt ist. Es gibt eigene Bezeichnungen für die Tageszeiten, es gibt unterschiedliche Völker und Religionen. Es gibt einen großen Unterschied zwischen Arm und Reich. Die Adeligen haben wiederum auch nochmal unterschiedliche Bezeichnungen, je nachdem wie hoch diese in der Rangfolge stehen. Es wurde sich auch eine Geschichte der Stadt Nadezra ausgedacht, die die Ereignisse der Handlung im Buch beeinflusst. Es ist alles sehr komplex und entsprechend ist es auch nicht ganz so einfach dadurch zu steigen. 
Der Spannungsbogen baut sich kontinuierlich auf. Es fängt recht ruhig an und ich musste mich erstmal wieder zurechtfinden und schauen, welche Änderungen die Ereignisse aus dem vorherigen Band gebracht haben. Interessant fand ich hier, dass hier teilweise Informationen sehr lapidar eingestreut wurden und deren Enthüllung ich mir etwas spektakulärer vorgestellt hatte. Es gibt hier grundsätzlich viel zwischen den Zeilen, wo ich etwas ahne, aber nicht genau den Finger drauf legen kann. Die Vergangenheit Vargos und The Rooks spielt hier eine entscheidende Rolle und so habe ich hierzu Einiges erfahren. 

Samstag, 10. Februar 2024

Rezension: „Paris Underground - Das kalte Herz“ von Anja Stephan

Quelle: Anja Stephan
„Paris Underground - Das Kalte Herz“ von Anja Stephan ist der erste Teil einer Reihe, in der es um die Suche nach einem verlorenen Herzen und der Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit geht. Erschienen ist der Roman im Juni 2021 im Selfpublishing bei bookrix. 

Zufälle gibt es nicht im Leben. Als Scott 150 Jahre später seiner ehemaligen Klassenkameradin Gwendolyn über den Weg läuft, weiß er sofort, dass sich etwas ändern wird. Diese Begegnung setzt eine Kette von Ereignissen in Bewegung, die beide dazu zwingt sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen und bei der sie ein verlorenes Herz wiederfinden müssen. 

Das Buch schlummerte schon länger auf meinem ebook-Reader und nun habe ich mich endlich an die Geschichte rangewagt. Urban Fantasy habe ich bisher eher selten gelesen. Bei dieser Reihe ist die Stadt schon im Namen des Titels. Es geht nach Paris. 
Die Autorin hat ihrem Roman Content Notes vorangestellt und diesen auch einen ehrlichen Aufruf beigestellt, sie darauf hinzuweisen, sollte etwas fehlen. Das gefiel mir gut. Wer Content Notes für sich selber nicht benötigt, kann diese überblättern. Ich habe sie gelesen und ja, sie geben natürlich Hinweise auf den Inhalt, aber wirklich gespoilert haben sie mich nicht. 
Den Schreibstil fand ich angenehm lesbar und so habe ich das Buch recht zügig gelesen. Paris als Schauplatz gefiel mir gut. Neben mir bekannten Orten, habe ich auch neue Orte in Paris kennen gelernt. Die Begeisterung der Autorin zu dieser Stadt habe ich im Buch sehr gespürt. 

Samstag, 13. Januar 2024

Rezension: „Reaktor“ von Timo Leibig

Quelle: Timo Leibig
„Reaktor“ von Timo Leibig ist ein Science-Fiction Thriller, in dem es um einen Super-GAU geht, der nie stattgefunden hat. Erschienen ist der Roman im Selbstverlag im Juli 2022. 

Jonathan Beck von der IAEO wird zum neuen Thorium-Reaktor in der Schweiz geschickt. Es gibt widersprüchliche Meldungen über einen vermeintlichen Atomunfall. Bei Besichtigung der Anlage scheint alles in bester Ordnung zu sein. Das Kraftwerk ist noch nicht mal in Betrieb genommen. Und dennoch gibt es plötzlich Strahlenopfer sowie Internetvideos, die den Super-GAU zeigen. Etwas Mysteriöses geht vor sich und Jonathan Beck ist bestrebt darin herauszufinden, was es ist. Unterstützt wird er hierbei von Laura Girard, deren Vater zu den ersten Opfern der Ereignisse gehörte. 

Radioaktive Strahlung empfinde ich schon seit meiner Schulzeit als eines der gruseligsten Dinge, die es gibt und dennoch fasziniert es mich auch und so war ich neugierig herauszufinden, was in diesem Roman passiert. 
Das Buch startet direkt mit einer sehr spannenden Szene, die einen neugierig darauf macht mehr herauszufinden. Danach geht es allerdings erstmal ruhiger und schnell sehr verwirrend weiter. Das war genau mein Ding, weil es mich auch ein wenig an meine Lieblingsserie Fringe erinnert hat und ich dadurch die ein oder andere Theorie entwickeln konnte. 
Timo Leibig hat viele interessante Informationen in die Geschichte eingebaut. Die Funktionsweise eines Thorium-Reaktors sowie seine Vor- und Nachteile werden erläutert. Im Zusammenhang mit weiteren Theorien wurde hier eine spannende Geschichte erschaffen. Zeitweise wirkt alles sehr abgedreht, dennoch liegen dem ganzen echte wissenschaftliche Theorien zugrunde und das ist es auch, was ich an dem Genre so mag, wobei es hier unterschiedliche Abstufungen gibt. In diesem Roman sind wir nicht so extrem weit in die Zukunft vorgedrungen, weswegen vieles auch nahe an unserem heutigen Leben ist. 

Samstag, 27. Mai 2023

Rezension: „In den Klauen der Macht“ von Ana Pawlik

In den Klauen der Macht von Ana Pawlik
Quelle: Bucher
„In den Klauen der Macht“ ist der Auftaktband einer Reihe, in der Ana Pawlik die Übergangsphase vom böhmischen König Premysl Ottokars auf die Habsburger beschreibt und das Leben der einfachen Menschen in den Fokus nimmt. Erschienen ist der Roman im April 2021 beim Bucher-Verlag. 

Herzogtum Österreich, 1269: Die Familie Losenstein hat das Amt des Burggrafen an Irenfried von Styra verloren, der mit harter Hand herrscht und seine Untertanen schikaniert. In diesem Dunstkreis befindet sich auch der junge Knecht Claus, der das Pferd als Arbeitstier ins Ennstal bringen soll. Gehorsam und Unterwürfigkeit liegen ihm nicht so und so ist klar, dass er sich über kurz oder lang mit den Herrschenden anlegen wird. Gleichzeitig verliebt er sich in die junge Ännlin, die ganz anders aufgewachsen ist als viele andere. 

Die Autorin dieses Romanes habe ich in Leipzig kennengelernt. Auf der Hubertusburg habe ich ihre Lesung verpasst, doch dies konnte ich auf der Buchmesse noch korrigieren. Österreich ist eine Gegend, aus der ich noch nicht so viele historische Romane gelesen habe und so war ich neugierig, was mich hier erwartet. 
Gleich mit einer Vergewaltigung und sehr brutalen Szene zu starten, war nicht so ganz mein Ding, danach wechseln wir allerdings direkt zu den Protagonisten des Buches und lernen diese näher kennen. Ich konnte mir die Gegend, in der beide leben, wunderbar vorstellen und war schnell neugierig darauf zu erfahren, wie sich ihre Wege kreuzen werden. 
Das gesamte Buch hat einen eher gleichbleibenden Spannungsbogen mit einzelnen Ausreißern. Ich habe viel über das Leben der einfachen Leute zu jener Zeit erfahren. Deren Wohn- und Arbeitssituation, etwas über ihre Schicksale, welche Themen sie beschäftigen und wie sich Fortschritt nur recht langsam verbreitet und länger in entlegene Gegenden braucht. Darüber hinaus erfahren wir auch ein wenig über den niederen Adel und dessen Lebensumstände. 

Samstag, 13. Mai 2023

Rezension: „Schwarze Brandung“ von Sabine Weiß

Schwarze Brandung von Sabine Weiß
Quelle: Lübbe
„Schwarze Brandung“ ist Sabine Weiß erster Krimi rund um die Kommisarin Liv Lammers und die Insel Sylt. Erschienen ist dieser im März 2017 bei Bastei Lübbe. 

Kurz vor Saisonbeginn wird eine Leiche am Strand vor Westerland gefunden. Die vielen Verletzungen der jungen Frau deuten auf einen gewaltsamen Mord hin. Liv Lammers von der Mordkommission in Flensburg wird hinzugezogen. Ihre Familiengeschichte verbindet sie mit der Insel Sylt und kurz zuvor wurde sie von ihrem Neffen kontaktiert, der eine Freundin vermisst. Ist es möglich, dass die Tote und die Vermisste ein uns dieselbe Person sind? Und was war des Motiv des Mörders? Liv beginnt zu ermitteln und muss sich zusätzlich den Dämonen ihrer Vergangenheit stellen. 

Bisher habe ich nur die historischen Romane von Sabine Weiß gelesen, doch als ich den ersten Fall ihrer Krimi-Reihe im Angebot gesehen habe, konnte ich nicht anders und musste zuschlagen. Das Krimi-Genre und ich freunden uns so langsam an. 
Meine erste Feststellung war dann auch, dass ein Krimi der Autorin durchaus anders klingt, aber so ganz bekommt man das Historische nicht raus. Einige Informationen zu Flensburg und Sylt, u.a. zu historischen Gebäuden, wurden geschickt in den Text mit eingebaut und auch die Stärke der Autorin Orte zu beschreiben kommen voll zum Tragen. Ich konnte mir alles gut vorstellen und freue mich jetzt umso mehr auf das kommende gute Wetter. Ein weiteres Highlight für mich, war auch der Einbau unterschiedlicher norddeutscher Dialekte. Dies passiert in geschickt platzierten kleinen Dosen und keiner muss hier fürchten, dass nichts mehr verstanden wird, die Übersetzung folgt meist umgehend. 

Samstag, 18. März 2023

Rezension: „Tod am Wockersee“ von Carolyn Srugies

Tod am Wockersee von Carolyn Srugies
Quelle: Spica
„Tod am Wockersee“ ist der erste Krimi aus der Feder von Carolyn Srugies. In diesem ermittelt Henri Martensen in einem Cold Case-Fall in seinem Geburtsort Parchim. Erschienen ist das Buch beim Spica Verlag im März 2022. 

Eine Autopanne verschlägt Henri Martensen zurück in seine Geburtsstadt Parchim. 27 Jahre zuvor hatte er diesen sofort nach seinem Abitur verlassen und wollte eigentlich nie zurückkehren. Natürlich bleibt sein Auftauchen im Ort nicht unbemerkt und schnell stößt er auf den Todesfall seines ehemaligen Lehrers. Dieser wurde tot aus dem Wockersee geborgen und zeitgleich mit ihm sind zwei weitere Klassenkameraden aus dem Ort verschwunden. Dieser Umstand lässt ihm keine Ruhe und so beginnt er zu ermitteln. Dabei trifft er auch auf seine Jugendliebe Ina, die eine echte Überraschung für ihn bereithält. 

Das mit den Krimis und mir scheint echt zu werden. Ich werde auch in Zukunft nicht massenhaft Krimis lesen, aber ich denke, ich habe meinen Zugang gefunden und kann so mehr Abwechslung in meine gelesenen Bücher bringen. In diesem Fall haben wir es mit einem Cosy Crime zu tun und da es in letzter Zeit sehr stressig auf Arbeit bei mir war, war das genau das Richtige. 
Der Einstieg in diesen Roman war gut. Der norddeutsche Sommer zeigt sich von seiner besten Seite und ich konnte mir Parchim und den Wockersee sehr gut vorstellen. Es lässt sich locker und flockig lesen, so dass ich schnell durch die Seiten geflogen bin. 
Vom Spannungsbogen her war es die meiste Zeit eher gleichbleibend. Ich habe Parchim und die Menschen, die in diesen Ort leben, kennen gelernt. Alte Freundschaften werden wieder reaktiviert, alte Konflikte werden aufgearbeitet. Henri Martensen ermittelt privat im Mordfall seines ehemaligen Lehrers. Es dauert bis sich ein Bild zusammensetzt und erst zum Schluss kommt Spannung auf und das Drama kann sich entfalten. 

Samstag, 25. Februar 2023

Rezension: „Aleksandra“ von Lisa Weeda

Aleksandra von Lisa Weeda
Quelle: Kanon
In „Aleksandra“ von Lisa Weeda geht es um die Ostukraine und ihre Geschichte, erzählt aus der Sicht einer Nachfahrin dieser Region. Erschienen ist der Roman im Februar 2022 im Kanon-Verlag. 

Lisa Weedas Oma heißt Alexandra und ist in der Ostukraine geboren und aufgewachsen. Sie bittet ihre Enkelin darum nach Lugansk zu fahren. Ihr Onkel Kolja ist 2015 verschwunden und kann keine Ruhe finden, solange das Grab nicht gefunden worden ist. Sie macht sich auf den Weg, doch der Soldat am Grenzposten warnt sie, dass Lugansk gefährlich ist und sich nicht für einen kurzen Besuch eignet. Sie flieht über ein Feld und landet auf wundersame Weise im verlorenen Palast des Donkosaken. Dort trifft sie ihren Urgroßvater Nikolaj, der ihr die Geschichte der Ostukraine und der Donkosaken sowie die Geschichte ihrer Familie erzählt. Doch findet sie auch Kolja und kann ihm die Ruhe bringen, die sich ihre Großmutter so sehr für ihn wünscht? 

Zu diesem Buch hatte ich tatsächlich eine mail von netgalley in meinem Postfach und da ich mich gerade sehr für die Ukraine und ihre Geschichte interessiere, hat mich ein Roman zu diesem Thema, der die Sichtweise der Ukrainer*innen schildert sehr interessiert. Lisa Weeda lebt in den Niederlanden und sie selber musste nicht vor dem aktuellen Konflikt fliehen, aber ihre Familie hat eine sehr wechselvolle Geschichte zu erzählen. Noch ein interessanter Fakt zu diesem Buch. Dieses wurde aus dem niederländischen ins Deutsche übersetzt. 
Die Autorin holt einen mit starken Bildern ins Buch hinein. Man kann sich den Checkpoint in Lugansk sehr gut vorstellen, aber auch die Anmerkungen zu Beginn des Buches sind interessant. Die Geschichte hat eine sehr eigene Sprache, die einen dennoch in ihren Bann zieht. Das eine Nachfahrin dieser Region das Buch geschrieben hat, kann man auf jeder Seite spüren. Leider wird hier viel in Monologen erzählt. Ich habe quasi immer jemanden zugehört, der mir gerade diese Geschichte erzählt. Das hat etwas sehr nahbares, hat es manches Mal allerdings eher zäh gemacht. 

Samstag, 2. Juli 2022

Rezension: „Die Drei Sonnen“ von Cixin Liu

Quelle: Heyne
„Die drei Sonnen“ von Cixin Liu ist der erste Teil einer Trilogie, in der es um den ersten Kontakt der Menschen mit intelligentem Leben aus dem All geht. 

China, 1967: Die Kulturrevolution beherrscht das Land. Viele Menschen werden verfolgt und getötet. Ye Wenjie verliert ihre Familie und landet auf einer geheimen Militärbasis. Woran genau dort gearbeitet wird, wird ihr nicht verraten, doch die große Radioantenne sendet regelmäßig Signale ins All und mit der Zeit erschließt sich ihr, das dort möglicherweise nach intelligenten Leben im All geforscht werden könnte. Als eines Tages ein Signal empfangen wird, trifft sie eine Entscheidung, die das Leben auf der Erde maßgeblich beeinflussen wird. 
Viele Jahrzehnte später wird der Nanowissenschaftler Wang Miao zu einem geheimen Treffen eingeladen. Es geht um Phänomene, die den Wissenschaftlern Rätsel aufgeben und kurz darauf passieren auch ihm unerklärliche Dinge. Er macht sich auf die Suche nach der Ursache und findet eine Welt, die von drei Sonnen umgeben ist und intelligentes Leben beheimatet. 

Ich habe mir dieses Buch letztes Jahr zum Geburtstag schenken lassen und habe bisher viel Gutes über die Reihe gehört. In letzter Zeit ist es mir häufiger auf bookstagram begegnet und da dachte ich, es wird Zeit dieses Buch endlich zu lesen. 
Der Anfang dieser Geschichte ist brutal. Wir befinden uns in der Zeit der chinesischen Kulturrevolution und lernen Ye Wenjies Familie und ihr Schicksal kennen. Im weiteren Verlauf springt die Geschichte immer wieder zwischen der nahen Zukunft und der Vergangenheit hin und her und die Geschichte ergibt mit dem Fortlauf der Geschichte ein immer klareres Bild. Das Buch lässt sich hierbei allerdings gebührend Zeit, manchmal schon etwas zu viel und ich glaube, man hätte das ganze auch kompakter erzählen können. 

Samstag, 21. August 2021

Rezension: „Behemoth“ von T. S. Orgel

Quelle: Heyne
In „Behemoth“ von T. S. Orgel geht es um drei Generationenschiffe im Kampf um neue Ressourcen als sie nach 150 Jahren ein verlorenes Raumschiff entdecken. Die Space-Opera ist im Mai 2021 bei Heyne erschienen. 

Als das Leben auf und um die Erde herum immer unwirtlicher wird, werden drei Generationenschiffe ins Weltall auf die Such nach einem habitablen Planeten entlassen. Schon von Beginn an setzt jedes Schiff auf eine eigene besondere Eigenschaft und im Laufe ihrer langen Reise haben sich die Besatzungen auseinander entwickelt. Als dann ein Raumschiffwrack entdeckt wird, entbrennt ein erbitterter Kampf. Die 150jährige Reise durchs All ist nicht spurlos an den Schiffen vorbeigegangen und es werden dringend neue Ressourcen benötigt, gleichzeitig wissen die Menschen allerdings nicht, was sie auf dem Wrack erwartet. 

Ich war sofort neugierig auf dieses Buch als ich es in der Vorschau entdeckt habe. Das mit dem Wrack im All und dem nicht Wissen, was einen erwartet klang unheimlich und Menschen, die sich auseinander entwickelt haben, klang auch spannend. Andererseits wusste ich nicht so recht, ob es das richtige Buch für mich ist, weil es auch nach langer Reise durchs Weltall auf einem Raumschiff klang. Den ausschlaggebenden Punkt zum Lesen hat tatsächlich die Tatsache gegeben, dass es in diesem Buch zum Thema Leben mit nur einem Auge ein Sensitivity Reading gab. 
Der Schreibstil des Autorenduos hat mir gefallen. Ich war schnell in der Geschichte drin und konnte mir die verschiedenen Schauplätze gut vorstellen. Ich persönlich empfand das Buch nicht als allzu technisch oder wissenschaftlich. Ein gewisses Grundinteresse sollte für diese Themen vorhanden sein, aber es ist nichts dabei, was man sich nicht mit ein bisschen Fantasie gut vorstellen kann. 

Samstag, 14. August 2021

Rezension: „Der Muttercode“ von Carole Stivers

Quelle: Heyne
„Der Muttercode“ ist Carole Stivers Debütroman und wurde direkt in mehrere Sprachen übersetzt. Wir begleiten Kai und seine Mutter Rho-Z durch eine postapokalyptische Welt. Erschienen ist der Roman im Juli 2021 bei Heyne. 

Durch eine außer Kontrolle geratene Bio-Waffe wurde ein großer Teil der Menschheit ausgelöscht, doch bevor die Apokalypse voll zuschlagen konnte, wurde noch ein geheimes Projekt auf den Weg gebracht, dass das Überleben der Menschheit an sich gewährleisten sollte. Es wurden Roboter erschaffen, die Kinder zur Welt bringen können und sich um diese kümmern bis diese alleine zurechtkommen. Zu diesem Zweck wurde den Robotern ein sogenannter „Muttercode“ eingepflanzt. Rho-Z ist so eine Mutter. Ihr Sohn heißt Kai und sie hat sich viele Jahre um ihn gekümmert bevor sie sich eines Tages dazu entscheiden, sich auf die Suche nach weiteren Müttern und ihren Kindern zu machen. 

Von der Idee einer Robotermutter war ich sofort begeistert und es war klar, dass ich das Buch direkt nach erscheinen lesen muss. Ich stehe total auf solche Gedankenexperimente und bin gespannt was Autor*innen für Ideen in dieser Hinsicht haben. 
Ich war schnell im Buch drin und konnte mir alles sehr gut vorstellen. Die Geschichte wird anfangs auf zwei Zeitebenen erzählt. Wir erleben die Katastrophe mit, die zum aussterben der Menschen führt und was getan wird, um zumindest einem kleinen Teil das Überleben zu sichern und auf der zweiten Zeiteben sehen wir, wie die Kai mit seiner Robotermutter in der Wüste lebt und überlebt und sich irgendwann auf die Suche nach weiteren Kindern macht. Im zweiten Teil des Buches werden diese beiden Zeitebenen schließlich zusammengeführt. 
Carole Stivers hat für diesen Roman ihr Fachwissen in Sachen Biochemie genutzt. Eine Biowaffe, die letztendlich außer Kontrolle gerät, ist für mich persönlich ein realistisches Szenario. Ob es aber nun genauso wie im Buch vonstatten gehen kann, habe ich nicht nachgeprüft und auch die Idee mit dem Muttercode, der in die Roboter eingepflanzt wird, fand ich sehr interessant. Ich konnte den Ideen und Erklärungen im Buch gut folgen, es werden allerdings auch Fachbegriffe aus unterschiedlichen Bereichen verwendet. Hierzu gehören z.B. moderne Computertechnologien, Genetik, Biochemie und auch Psychologie. 

Samstag, 12. Juni 2021

Rezension: „The Architect‘s Apprentice“ von Elif Shafak

Quelle: penguin
Elif Shafak erzählt in „The Architect‘ Apprentice“ vom Leben Jahans, der im 16. Jahrhundert zusammen mit einem weißen Elefanten nach Istanbul kam und Lehrling Sinans wurde, der als berühmtester Architekt des osmanischen Reiches in die Geschichte einging. Erschienen ist der Roman bei penguin im November 2014. Das Buch ist auf Deutsch unter dem Titel „Der Architekt des Sultans“ erhältlich. 

Istanbul im 16. Jahrhundert: Jahan erreicht als 12jähriger Junge Istanbul an Bord eines Schiffes zusammen mit einem weißen Elefanten, der ein Geschenk für den Sultan ist. Während eines Feldzuges des Sultans trifft er auf den Architekten Sinan, der ihn fortan unter seine Fittiche nimmt. Auch Chota, der weiße Elefant, ist auf den künftigen Baustellen gerne gesehen und so bauen sie gemeinsam Moscheen, Aquädukte, Paläste und Mausoleen, die viele Jahrhunderte überdauern sollen. Doch nicht alles läuft so gut wie es den äußeren Anschein hat. Jahan muss lernen mit den Unwägbarkeiten des Lebens zurechtzukommen und nicht jeder ist ihm auf seinem Weg wohlgesonnen. 

2019 auf der Buchmesse hatte ich mir vorgenommen ein Buch von Elif Shafak zu lesen und nun habe ich dieses Vorhaben endlich umgesetzt. Während der Literaturgala hat sie mich sehr beeindruckt und auch die kurze Lesung aus einem anderen Buch hatte mir sehr gefallen. Meine Wahl ist auf Grund der Zeit, in der es spielt, auf „The Architect’s Apprentice“ gefallen. 
Der Schreibstil zieht einen sofort in seinen Bann. Ich konnte mir Istanbul und seine Bauten sowie die Leute, die in dieser Stadt leben, sehr gut vorstellen. Mit dem Englisch im Buch kam ich gut zurecht. Ich habe aber auch neue Worte gelernt, für die ich bisher andere englische Begriffe im Kopf hatte.

Samstag, 1. Mai 2021

Rezension: „Die Schattenflüsterin“ von Olga A. Krouk

Quelle: Drachenmond
„Die Schattenflüsterin“ von Olga A Krouk erzählt die Geschichte eines Mädchens, dass in den Schatten der Menschen, die Zukunft sehen kann und lernen muss, ihre Fähigkeiten zu nutzen. Erschienen ist der Romantasy-Titel im März 2019 beim Verlag Drachenmond. 

Lizas Träume haben sich verändert und auch die Schatten scheinen eine Botschaft für sie zu haben. Als sie sich zu einem Auslandsjahr nach Russland begibt, beginnen die Ereignisse sich zuzuspitzen. Der Dämon aus ihren Träumen wird immer realer. Gleichzeitig muss sie sich auch mit den Problemen einer normalen Schülerin rumschlagen. Langweiliger Unterricht, ein Junge, der ihr Herz höher schlagen lässt. Sein Schatten sagt voraus, dass er sterben wird. Doch das kann Liza nicht zulassen und so muss sie sich wohl oder übel ihrer Gabe und einem mächtigen Feind stellen. 

Das Buch habe ich auf einem Meet & Greet mit sehr sympathischen Autorinnen, u. A. natürlich auch Olga A Krouk, im September 2019 erworben. Da war die Welt noch in Ordnung und man durfte sich ganz nah kommen. Ich finde, dass kann man sich gar nicht mehr so richtig vorstellen. Romantasy ist nicht mein übliches Genre, aber ab und zu muss man ja auch mal etwas Neues ausprobieren. 
Der Schreibstil der Autorin konnte mich sehr schnell für sich einnehmen. Man wird direkt in die Geschichte hineingezogen und man kann sich alles gut vorstellen, insbesondere den Hamburger Flughafen und leckere Franzbrötchen, aber das liegt sicher daran, dass ich nun mal ganz in der Nähe von Hamburg wohne. Aber auch Russland und St. Petersburg wird lebendig. 

Samstag, 6. Februar 2021

Rezension: „Das Genesis Backup 2“ von Dale Harwin

Quelle: Dale Harwin
„Das Genesis Backup 2“ von Dale Harwin ist, wie der Titel schon andeutet, der 2. Band einer Trilogie rund um künstliche Intelligenz und ein ominöses Backup. Erschienen ist der Roman im Januar 2021 im Selbstverlag. 

Die Suche nach der Wahrheit geht weiter. Die Steine wurden zerstört, doch der Kampf um die Zukunft ist dadurch noch lange nicht beendet. Auf der Suche nach weiteren Hinweisen gerät der Mathematikprofessor William Ell in einen Krieg, der schon seit Jahrtausenden tobt. Doch seine Gegner scheinen ihm immer einen Schritt voraus und die Wahrheit schlummert zwar unter der Oberfläche, aber ist für ihn dennoch nicht greifbar. 
Der FBI Agent Gray kommt einer groß angelegten Verschwörung innerhalb der amerikanischen Geheimdienste auf die Spur. Diese führt ihn auch wieder zu Professor Ell und zwingt ihn dazu zu ungewöhnlichen Mitteln zu greifen. 
Chang Feng hingegen muss sich entscheiden, wie sie ihre weitere Zukunft gestalten möchte. Nimmt sie das Erbe ihrer Mutter an oder überlässt sie anderen die Führung der kriminellen Organisation. 

Dieser zweite Band kam für mich etwas überraschend. Ich habe mich sehr gefreut, da ich noch im Kopf hatte, dass ich den ersten Teil recht vielversprechend fand. Das Thema Künstliche Intelligenz finde ich grundsätzlich recht spannend und bei der Umsetzung des Themas gibt es viele Möglichkeiten, auch wenn ich so manches Mal einige Parallelen entdeckt habe. 
Es hat etwas gedauert bis ich richtig in der Geschichte drin war. Der Schreibstil war gut zu lesen und die Kapitel sind kurz gehalten, allerdings waren mir die Ereignisse des Vorgängers, den ich vor 1,5 Jahren gelesen habe, nicht mehr so präsent im Kopf. Es gibt viele Schauplätze und gerade zu Beginn kann man keine wirkliche Verbindung zwischen den einzelnen Teilen der Geschichte feststellen und bei einem Nebenstrang weiß ich es auch nach Abschluss nicht. Immerhin war ich aber neugierig genug, um weiterzulesen und mit Fortschreiten der Geschichte kam auch immer mehr zurück. 

Samstag, 9. Januar 2021

Rezension: „Krone der Welt“ von Sabine Weiß

Quelle: Lübbe
„Krone der Welt“ ist der neue historische Roman aus der Feder von Sabine Weiß. An der Seite von Vincent, Betje und Ruben erleben wir die Entwicklung Amsterdams ab Ende des 16. Jahrhunderts für ca. 30 Jahre mit. Erschienen ist der Roman bei Lübbe im Dezember 2020. 

Amsterdam, Ende des 16. Jahrhunderts: Amsterdam ist bereits jetzt eine wichtiger Handelsplatz, der durch den Glaubenskonflikt in den folgenden Jahrzehnten noch zunehmen soll. Die drei Geschwister Vincent, Betje und Ruben sind nach dem Ende der Belagerung Antwerpens hierhin geflohen und wollen sich ein neues Leben aufbauen. Vincent interessiert sich für die Baukunst und möchte unbedingt Architekt werden. Den ungestümen Ruben zieht es hinaus aufs Meer und Betje findet ihre Bestimmung in der Küche und im Ausprobieren von neuen Rezepten. Es ist eine Zeit vieler Umbrüche, in der die drei Kinder aufwachsen. Spanien und England kämpfen um die Vormacht auf dem Meer, Kaufleute gewinnen immer mehr an Bedeutung und die Auslegung des eigenen Glaubens sorgt für viel Konfliktpotenzial. 

„Krone der Welt“ ist ein Buch, auf das ich mich in diesem Jahr sehr gefreut habe. Ich habe schon historische Romane gelesen, wo am Rande mal Brügge oder auch Amsterdam vorgekommen sind, aber noch keinen bei dem Amsterdam und die Niederlande im Mittelpunkt stehen. 
Sabine Weiß Schreibstil hat mir wie immer gut gefallen. Amsterdam und seine Grachten werden vor dem inneren Auge zum Leben erweckt. Ihre Beschreibungen sind atmosphärisch und ich liebe es in diesen Bildern der Orte und Landschaften zu versinken. Geschickt wurden einige niederländische Anreden und Begriffe eingebaut, die in der Zeit üblich waren und dem Roman Authentizität verleihen. 
Für mich war es kein Roman, bei dem kontinuierlich Spannung aufgebaut wurde, sondern ein Roman mit vielfältigen spannenden Themen. Die Entwicklung der Stadt Amsterdam und Architektur nehmen einen wichtigen Platz im Gefüge ein. Wir erfahren aber auch etwas über den Glaubenskonflikt jener Zeit, dem Kampf um die Beherrschung der Meere, dem immer wichtigeren Stellenwert der Kaufleute und des Handels und die schwierige politische Lage, in der sich die Niederlande in jener Zeit befanden. 

Samstag, 26. September 2020

Rezension: „Die Hafenschwester 2 - Als wir wieder Hoffnung hatten“ von Melanie Metzenthin

Melanie Metzenthin - Die Hafenschwester 2
Quelle: Diana
Melanie Metzenthin erzählt in „Die Hafenschwester - Als wir wieder Hoffnung hatten“ die Geschichte von Martha und Paul weiter und bringt uns die Zeit des 1. Weltkrieges näher. Erschienen ist der Roman im September 2020 im Diana-Verlag. 
 
Hamburg, 1913: Es ist eine Zeit der Hoffnung und des Fortschrittes. Martha und Paul leben zusammen mit ihren drei Kindern in Hamburg und genießen ihr Leben und die Annehmlichkeiten einer modernen Wohnung. Als eine Einladung von Milli aus Amerika eintrifft, ist die Freude groß. Gemeinsam reist die Familie auf der Imperator über den Atlantik. Doch die Tage des Glückes sind mit Ausbruch des 1. Weltkrieges bald gezählt. Auch Paul wird eingezogen und eine entbehrungsreiche Zeit beginnt. Als Paul dann auch noch entstellt aus dem Krieg zurückkehrt, steht die Familie vor ihrer größten Herausforderung. 
 
Ich habe mich sehr auf diesen Roman gefreut, da mich bereits der erste Band überzeugen konnte und dieser in der für mich schönsten Stadt der Welt - Hamburg - spielt. In der Innenseite des Buches findet man eine Fotografie des Hafens aus dem Jahre 1913 und auf der Rückseite des Buches sieht man die Landungsbrücken. Es ist spannend durch diese Bilder einen Blick in die Vergangenheit zu werfen. Man erkennt die Plätze wieder, aber heute sehen diese Orte doch deutlich verändert aus. 
Der Schreibstil ist gewohnt gut und flüssig zu lesen. Melanie Metzenthin versteht es eindrucksvoll die Verhältnisse jener Zeit greifbar darzustellen und die Schauplätze vor dem inneren Augen zum Leben zu erwecken. Für mich umso mehr, da ich in der Nähe von Hamburg lebe und die Schauplätze kenne - zumindest die, die es auch heute noch gibt. 

Samstag, 25. April 2020

Rezension: „Der mutige Weg“ von Ellin Carsta

Der mutige Weg von Ellin Carsta
Quelle: Tinte & Feder/Amazon
„Der mutige Weg“ ist der mittlerweile 5. Band der erfolgreichen Hansen-Saga von Ellin Carsta und mutig ist der Weg, den die Familie Hansen in diesem Teil einschlagen muss. Tiefgreifende Veränderungen stehen an. Erschienen ist der Roman Ende März 2020 bei Tinte & Feder.

Therese hat sich dazu entschieden mit ihren Kindern nach Kamerun zu gehen und dort das Leben an der Seite ihres Schwagers Robert Hansen zu verbringen. Kaum in Kamerun angekommen, wird die Plantage vor eine große Herausforderung gestellt.
Luise versucht hingegen ihr Leben als Mutter und Geschäftsfrau unter einen Hut zu bringen. Nicht immer einfach, denn sie liebt ihre Tochter über alles. Umso geschockter ist sie, als sie erneut Unregelmäßigkeiten im Kontor entdeckt. Kann sie die Sache aufklären und ist ihr Cousin Richard möglicherweise involviert?
Und auch in Wien ist nicht alles so rosig wie es scheint. Georg hat sich seinen Platz in der Familie Hansen zurückerobert, ist aber dennoch nicht glücklich. Zu sehr plagt ihn die heimische Situation mit seiner Frau, die tagein tagaus schlechte Stimmung verbreitet und auch die Rückkehr ins hanseatische Kontor hat ihm beruflich nicht das gebracht, was er sich erhofft hat.

Wie man sieht ist wieder Einiges bei der Familie Hansen los und selbst Dinge, die sich zum Guten gewendet haben, können sich auch schnell wieder ins Gegenteil verkehren.
Sehr gut gelungen ist Ellin Carsta wieder einmal, dass man von allen Charakteren die Beweggründe nachvollziehen kann, auch wenn man diese nicht teilt. Ich finde, das ist eine ganz große Stärke der Autorin. So manche Person möchte man schütteln und in die richtige Richtung drängen, aber meist lässt das der grundsätzliche Charakter ebenjener Person dann doch irgendwie nicht zu.

Samstag, 11. April 2020

Rezension: „Das Erbe der Altendiecks“ von Hendrik Lambertus

Quelle: Rowohlt
In „Das Erbe der Altendiecks“ von Hendrik Lambertus verfolgen wir das Schicksal einer Bremer Uhrmacherfamilie über 4 Generationen hinweg. Erschienen ist der historische Roman im März 2020 bei rororo.

Bremen im 18. Jahrhundert: Die Familie Altendieck ist eine angesehene Uhrmacherfamilie, die die Änderungen der Zeit hautnah miterlebt und sich den Gegebenheiten immer wieder aufs Neue anpasst.
Johann Altendieck wird eine Chance beim Haarschopf packen und scheitern, seine Tochter Gesche wird durch ihre Tatkraft den Familiennamen wieder herstellen, sein Enkel Nicolaus wird die Kriege miterleben, die Napoleon über ganz Europa bringt und Ernst Theodor wird die ersten Schritte hin zur Demokratie erleben. Turbulente Zeiten stehen der Familie Altendieck bevor, die sie nur gemeinsam schaffen können.

An den Familiengeschichten kommt man im historischen Genre gerade nicht vorbei, aber natürlich gibt es auch hier unterschiedliche Arten von Geschichten. Manche wollen einfach unterhalten und sind eher seicht, andere behandeln interessante Themen, die auch für unser modernes Leben heute enorme Bedeutung haben. Egal welche Art von Familiengeschichte es ist, alle haben ihre Daseinsberechtigung und haben mir in den letzten beiden Jahre so manche Lesestunde versüßt.

Samstag, 4. April 2020

Rezension: „Die Schöpfer der Wolken“ von Marie Graßhoff

Die Schöpfer der Wolken von Marie Graßhoff
Quelle: Drachenmond Verlag
„Die Schöpfer der Wolken“ von Marie Graßhoff erzählt die Geschichte einer Welt, die vom Zusammenbruch bedroht ist und in der es Menschen mit besonderen Fähigkeiten gibt, die diese eventuell noch retten können. Erschienen ist dieser Science-Fiction Roman im Oktober 2017 im Drachenmond-Verlag.

Ciara war schon immer anders. Sie kann in die Träume aller Menschen blicken und entdeckt dort Welten, die ihr etwas über die Menschen verraten, die sie träumen. Ihr Bruder Koba ist der Einzige, der von ihrem Geheimnis weiß. Als er stirbt, bricht eine Welt für sie zusammen. Doch er hat ihr ein letztes Manuskript hinterlassen, das sie nach Shanghai bringen soll. Seinem Wunsch folgend macht sie sich auf den Weg und begegnet scheinbar zufällig Menschen, die so sind wie sie, als plötzlich die Welt beginnt aus den Fugen zu geraten: Erdbeben zerstören den Planeten, die Uhren wollen die Zeit nicht mehr anzeigen und in den Spiegeln kann man nichts mehr sehen. Was haben die jungen Personen mit den ganzen Ereignissen zu tun und können sie die Welt noch vor dem Untergang retten?

Was soll ich nur mit diesem Buch machen? Es ist mein erster Roman aus dem Drachenmond-Verlag, aber bereits mein zweiter Roman von Marie Graßhoff und ich bin diesmal so zwiegespalten, denn es gab Licht und Schatten in diesem Buch.
Den Schreibstil der Autorin mag ich sehr gerne. Besonders die Passagen mit den Briefen und die Ausschnitte aus dem Manuskript ihres Bruders Koba waren sehr stark. Gerade hier war ich immer so gefangen im Buch und ich habe die Melancholie der Person richtig gespürt. Der Schreibstil ist dann poetisch und gewaltig und einfach nur wow.