Mittwoch, 18. Februar 2026

Rezension: „Die Stadt der Auserwählten“ von Michael Römling

„Die Stadt der Auserwählten“ von Michael Römling
Quelle: Rowohlt
In „Die Stadt der Auserwählten“ erzählt Michael Römling von der Zeit der Wiedertäufer in Münster im 16. Jahrhundert. Erschienen ist der Historische Roman im August 2025 bei Rowohlt.

1534: Die Bewegung der Täufer wächst von Tag zu Tag. Die religiöse Gemeinschaft, die Freiheit verspricht, zieht viele an. Maria, die Schwester des Kaisers, erteilt ihrem Leibwächter einen brisanten Auftrag: Jakob soll Ernestine aufspüren, ein Mädchen aus adeliger Familie, das sich der Bewegung angeschlossen hat. Jakob folgt ihr nach Münster, wo die Täufer das Jüngste Gericht erwarten. Er kommt bei einem Schmied unter, einem Mitglied der Gemeinde. Während Täuferanführer Matthys eine Schreckensherrschaft errichtet und der Bischof die Stadt belagert, verliebt sich Jakob in Katharina, die Schwester des Schmieds. Als er erfährt, wer Ernestine wirklich ist, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Kann er sie retten, bevor die neuen Herrscher der Stadt von ihrer Identität erfahren? Und kann Katharina den verblendeten Bruder zur Umkehr bewegen, bevor in der Stadt ein Blutbad angerichtet wird? 

Das Buch war bereits auf meinem Radar und wurde mir zusätzlich während des Lesens eines anderen Historischen Romans empfohlen. Das Interesse an der Geschichte der Wiedertäufer war geweckt und Michael Römling ist mir bereits mit seiner Tankred-Reihe ein Begriff. 
Der Roman beginnt direkt mit einer spannenden Szene, die einen direkt neugierig macht, wie es zu dieser kommen konnte. Anschließend werden die Protagonisten und Schauplätze vorgestellt. Ich konnte mir alles gut vorstellen und war dadurch schnell in der Geschichte drin. 
Erzählt wird diese aus mehreren Perspektiven, die einen guten Einblick in unterschiedliche Themen bieten, die sich hier auf unheilvolle Weise miteinander vermischen. Es gibt Einblicke in die politische Lage des 16. Jahrhunderts, die durch die zunächst unterschiedlichen Handlungsorte nicht nur auf Münster begrenzt ist. Die Entwicklung der Täuferbewegung wird nachgezeichnet und wie diese Gruppierung ihre Anziehungskraft in Münster entfalten konnte. Die Verschwörungserzählungen, die dabei erzählt werden, sind teilweise sehr abenteuerlich. Und es geht darum, wer die Herrschaft in Münster hat: der Bischof oder der Stadtrat und die Gilden. 
Zunächst ist da Jakob, ein Söldner, der in den Diensten Marias von Habsburg steht, seine Frau und Tochter verloren hat und damit beauftragt wird Ernestine zurückzuholen, die sich den Wiedertäufern angeschlossen hat. Von den Taten seiner Vergangenheit verfolgt wird dieser Auftrag zu einem persönlichen Wiedergutmachungstrip. Ich bin ihm gerne gefolgt und mochte den Abenteuercharakter, dem er der Geschichte verleiht. 
In Münster gibt es Andreas und Katharina: Zwillinge, die eine sehr enge Bindung zueinander haben, welche durch die Täuferbewegung auf eine harte Zerreißprobe gestellt wird. Katharina fühlt sich als die „ältere“ Schwester für ihren Bruder verantwortlich und möchte ihn schützen. Sie kann ihre eigene Meinung vertreten und reizt gerne die Grenzen aus, kann aber auch zurückstecken, wenn es nötig ist. Andreas ist ein guter Schmied, der um Anerkennung kämpft und meint sich beweisen zu müssen. Die Zwillinge waren durch den Tod ihrer Eltern früh ganz auf sich alleine gestellt und dadurch fehlt ihm eine gewisse Selbstsicherheit, die ihn wiederum anfällig für Beeinflussung macht. Eine Konstellation, die in diesem Roman für einiges Konfliktpotenzial sorgt.
Ich bin der Geschichte insgesamt gerne gefolgt. Die Liebesgeschichte fand ich ok, aber diese konnte mich nicht umhauen und daher bin ich froh, dass diese nicht zu viel Platz eingenommen hat. Gerade die zweite Hälfte war sehr spannend als sich die Situation in Münster immer mehr zuspitzt, allerdings finde ich häufen sich die glücklichen Zufälle dann fast schon ein bisschen zu sehr. In einem ausführlichen Nachwort umreißt Michael Römling nochmals wichtige Entwicklungslinien, trennt Fiktion von Wahrheit und verrät auch ein wenig darüber, wie es Münster nach dieser Zeit erging. Als weiteres Zusatzmaterial findet sich zu Beginn des Buches eine Karte von Münster. 

Fazit: Ein spannender Roman über die Zeit der (Wieder)Täufer in Münster und wie Verschwörugstheorien und verdrehte Argumentationen zu einer Terrorherrschaft führen können, aus der sich nur schwer ein Ausweg findet.

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Titel: Die Stadt der Auserwählten
Verlag: Rowohlt Taschenbuch
Autor*in: Michael Römling
Erscheinungsdatum: 12.08.2025
ISBN: 978-3-499-01578-6

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