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Dienstag, 4. August 2026

Rezension: „Women of a Promiscous Nature“ von Donna Everheart

„Women of a Promiscous Nature“ von Donna Everheart
Quelle: Kensington
„Women of a Promiscous Nature“ von Donna Everheart ist ein historischer Roman, der die Inhaftierung junger Frauen aufgrund des als American Plan bekannten Regierungsprogramms thematisiert. Erschienen ist dieser im Januar 2026 bei Kensington. 

North Carolina, 1940er: Der sexuellen Freizügigkeit bezichtigt wird die junge Ruth Foster ungerechterweise inhaftiert und dazu gezwungen sich in der State Industrial Farm Colony for Women „medizinisch“ behandeln zu lassen. Alleinlebende unverheiratete Frauen stehen im Verdacht Soldaten mit sexuell übertragbare Krankheiten anzustecken. In der Einrichtung sollen sie lernen ein wichtiger und produktiver Teil der Gesellschaft zu werden. Dies geschieht überwiegend durch Arbeit und Strafen fürs Nichteinhalten bestimmter Regeln, die teils drakonisch sind. Überwacht wird das von der Einrichtungsleiterin Dorothy Baker, die wirklich davon überzeugt ist, den jungen Frauen zu helfen. Doch trotz ihrer Autorität und den drohenden Strafen wagen es einige aufzubegehren und für ihre Freiheit zu kämpfen. 

Dieser historische Roman beruht auf wahren Begebenheiten und verbindet den Chamberlain-Kahn-Act bekannt als American Plan mit den Reformschulen wie die State Industrial Farm Colony for Women. Ich habe den Klappentext gelesen und war sofort neugierig, denn davon hatte ich noch nie zuvor etwas gehört. 
Das Buch startet mit dramatischen Ereignissen, die einen Vorgeschmack auf die Ereignisse im Buch geben. Ich bin gut reingekommen und war neugierig darauf die Personen im Buch kennenzulernen. Darüber hinaus konnte ich mir alles gut vorstellen und hatte ein entsprechendes Kopfkino. 
Die einzelnen Kapitel sind in der dritten Person geschrieben, legen aber immer den Fokus auf eine bestimmte Perspektive und zeigen so die Gedanken und Beweggründe der einzelnen Personen auf. Diese unterschiedlichen Perspektiven haben dafür gesorgt, dass ich mir ein breites und differenziertes Bild über die State Industrial Farm Colony for Women machen konnte. Dabei wurde für mich aber auch eine Ambivalenz erzeugt, die ich sehr spannend fand und die zum Nachdenken einlädt. 

Dienstag, 14. Juli 2026

Rezension: „A Divine Fury“ von D. V. Bishop

„A Divine Fury“ von D. V. Bishop
Quelle: Macmillan UK
„A Divine Fury“ ist der vierte Band der Cesare Aldo-Reihe von D.V. Bishop. In diesem Band muss ein religiöser Serienkiller überführt werden. Erschienen ist der Historische Thriller im Januar 2025 bei Macmillan UK. 

Florenz, Herbst 1539: Nach seiner Zeit im Exil ist Cesare Aldo in die Stadt zurückgekehrt. Allerdings arbeitet er nun als Nachtwache und nicht mehr als Kommissar des gefürchtesten Strafgerichts. Als er einem Verdächtigen durch den Regen folgt, entdeckt er eine schreckliche Szene unter Michelangelos David-Statue. Leblose Augen blicken starr aus dem Gesicht eines Mannes, der wie ein Gekreuzigter platziert worden ist. Es ist eindeutig, dass hier religiöse Motive eine Rolle spielen. Als noch mehr Leichen auftauchen, glaubt Aldo, dass ein unheiliger Mörder die Bürger Florenz heimsucht. Beobachtend. Jagend. Wartend auf den perfekten Moment um erneut zuzuschlagen. 

Der vierte Band der Reihe und wieder ein Volltreffer. Ich mag sowohl Cesare Aldo als auch Carlo Strocchi, die sehr unterschiedlich sind und so jeder auf seine Weise zur Faszination dieser Reihe beitragen. 
Ich bin wie immer gut ins Buch hineingekommen. Die Leiche wird direkt im ersten Kapitel entdeckt und kurz danach taucht eine neue spannende Figur in dieser Reihe auf, von der ich hoffentlich in den Folgebänden noch einiges mitbekommen werde. Ich konnte mir alles gut vorstellen und habe das Kopfkino sehr genossen. Ich mag es sehr wie D. V. Bishop die Szenen zum Leben erweckt und dabei auch sehr viel zwischen die Zeilen packt. 

Mittwoch, 6. Mai 2026

Rezension: „Mädchen, Frau, etc.“ von Bernardine Evaristo

„Mädchen, Frau, etc“ von Bernardine Evaristo
Quelle: Tropen
In „Mädchen, Frau, etc.“ von Bernardine Evaristo geht um die Geschichten schwarzer britischer Frauen über mehr als ein Jahrhundert verteilt. 2019 gewann das Buch den Booker Prize und wurde im Januar 2021 beim Tropen-Verlag auf deutsch veröffentlicht. 

Die Dramatikerin Amma steht kurz vor dem Durchbruch. In ihrer ersten Inszenierung am Londoner National Theatre setzt sie sich mit ihrer Identität als schwarze, lesbische Frau auseinander. Ihre gute Freundin Shirley hingegen ist nach jahrzehntelanger Arbeit an unterfinanzierten Londoner Schulen ausgebrannt. Carole hat Shirley, ihrer ehemaligen Lehrerin, viel zu verdanken, sie arbeitet inzwischen als erfolgreiche Investmentbankerin. Caroles Mutter Bummi will ebenfalls auf eigenen Füßen stehen und gründet eine Reinigungsfirma. Sie ist in Nigeria in armen Verhältnissen aufgewachsen und hat ihrer Tochter Carole aus guten Gründen einen englischen Vornamen gegeben. 
Auch wenn die Frauen, ihre Rollen und Lebensgeschichten in Bernardine Evaristos Mädchen, Frau etc. sehr unterschiedlich sind, ihre Entscheidungen, ihre Kämpfe, ihre Fragen stehen niemals nur für sich, sie alle erzählen von dem Wunsch, einen Platz in dieser Welt zu finden. 

Aufmerksam wurde ich auf das Buch durch eine instagram-Story. Das Buch wurde 2026 aus einer Schulbibliothek in Großbritannien verbannt und das hat mich zusammen mit dem Klappentext neugierig gemacht. 
Evaristo erzählt von 12 ganz unterschiedlichen Frauen, die meist schwarz sind oder zumindest schwarze Vorfahren haben. Das Buch ist in unterschiedliche Kapitel unterteilt, in denen jeweils 3 Frauen vorgestellt werden. In einem Kapitel hängen die Leben der Frauen zusammen, aber auch übergeordnet gibt es immer wieder eine Verbindung zwischen den Frauen. 
Mir gefiel dieses Buch mit Fortschreiten immer besser. Ich gebe zu anfangs war ich eher verhalten, ob es nun wirklich ein Buch für mich ist und ich kann es auch nicht so wirklich erklären. Es war von Anfang klar, dass dieses Buch wichtige Themen behandelt und das es lohnenswerte Perspektiven sein werden. 

Mittwoch, 15. April 2026

Rezension: „Tödliches Déjà-vu“ von René Anour

„Tödliches Déjà-vu“ von René Anour
Quelle: Heyne
Mit „Tödliches Déjà-vu“ von René Anour ist der dritte Teil der Provence-Krimi Reihe „Ein Fall für Commissaire Campanard“ erschienen. Diesmal sorgt ein Mord rund um das Thema Bienen für Aufsehen. Erschienen ist der Krimi im März 2026 bei Heyne. 

Die Provence, ein Land der Bienen: Doch Commissaire Louis Campanards Lavendelgarten wird kaum von ihnen besucht. Niemand kann das seltsame Verschwinden der Bienen erklären. Monique Gaillard, eine exzentrische Bioimkerin, kämpft um ihre Lieblinge. Immer wieder stört sie das öffentliche Leben in Grasse und ruft die Polizei hinaus auf ihren Hof um die Schuldigen anzuzeigen. Beweise für ihre Anschuldigung hat sie keine, aber Campanard ist sprachlos, wie harmonisch sie mit ihren Bienen umgeht. Ohne Schutzkleidung lässt sie die Insekten auf sich sitzen und bekommt keinen einzigen Stich ab. Bis sie kurz darauf tot aufgefunden wird. Zu Tode gestochen von ihren eigenen Bienen. Ein seltsamer Zufall, der Campanard misstrauisch macht. Denn schon vor Jahrzehnten gab es in der Region einen mysteriösen Unfall mit Bienen - und nun ein tödliches Déjà-Vu. 

Diesmal habe ich den Krimi im Urlaub gelesen, zwar nicht in der Provence, sondern noch etwas südlicher, aber Orangenbäume und andere lavendelfarbene Blüten und Pflanzen haben für das passende Leseambiente gesorgt. 
Der Einstieg ist gut gelungen und hat sofort neugierig gemacht. Neben der Aufklärung der Mordfälle habe ich auch das Team des Projet Obscur ins Herz geschlossen und erfahre gerne auch mehr über deren Vergangenheit. Vorstellen konnte ich mir alles wieder ganz wunderbar. 
Die Geschichte wird aus der Perspektive der Team-Mitglieder geschildert, so dass man bei allen wichtigen Entwicklungen in diesem Mordfall dran ist, aber relativ häufig sind diese auch zusammen an einem Ort. Der Fall beginnt zunächst recht ruhig und wird dann immer spannender. Thematisch geht es um Bienen und das Bienensterben in der Gegend, aber auch um Pflanzen und Pestizide mit denen diese behandelt werden. 

Mittwoch, 4. März 2026

Rezension: „Black Butterflies“ von Priscilla Morris

„Black Butterflies“ von Priscilla Morris
Quelle: Penguin Random House
In „Black Butterflies“ erzählt Priscilla Morris anhand einer fiktionalisierten Geschichte aus dem ersten Jahr der Belagerung Sarajevo in den 90er Jahren. Erschienen ist der Roman im Juli 2025 bei Vintage von Penguin Random House. 

Sarajevo, Frühling 1992: Jede Nacht werden von nationalistischen Banden Barrikaden aufgestellt, die die Stadt in ethnische Enklaven unterteilt. Jeden Morgen werden diese von den Menschen, die dort leben, wieder niedergerissen - unabhängig davon ob sie serbisch, muslimisch oder kroatisch sind. 
Als Gewalt ausbricht schickt Zora, eine Künstlerin und Lehrerin, ihren Ehemann und ihre Mutter in die Sicherheit nach England, nichtsahnend das dies eine Trennung über einen längeren Zeitraum wird. Als die Stadt schließlich belagert und von der Außenwelt abgeschnitten wird, fliegt schwarze Asche über die Dächer der Stadt und doch finden Zora und die Freunde und Menschen, die mit ihr in der Stadt eingeschlossen sind, immer wieder Wege sich gegenseitig aufzubauen und neue Kraft zu schenken. 

Nachdem mir das Buch über den Bürgerkrieg in Sri Lanka, dass den Women‘s Prize for Fiction gewonnen hat, so gut gefallen hat, habe ich dort nach weiteren Büchern geschaut, die mich interessieren könnten. In diesem Buch geht es um den Beginn des Bosnienkrieges und es fängt erstmal recht harmlos an mit Barrikaden in Sarajevo, die niemand so wirklich ernst nimmt. Zora, die Hauptperson dieses Buches, ist bereits Mitte 50 und damit deutlich älter als in vielen anderen Büchern, die ich sonst so lese. Das hat mir sehr gefallen. Zora ist verheiratet, hat mit ihrem Mann ein Kind großgezogen, ist bereits Großmutter. Sie steht mitten im Leben, kann sich auf ihre Kunst und ihre Arbeit as Lehrerin konzentrieren und sie muss nun während einer Belagerung überleben und das ohne ihre Familie. 

Mittwoch, 11. Februar 2026

Rezension: „Ritual of Fire“ von D.V. Bishop

„Ritual of Fire“- D. V. Bishop
Quelle: Pan Macmillan
„Ritual of Fire“ von D. V. Bishop ist der 3. Band der Cesare Aldo-Reihe, in dem es um eine Mordserie an den Faniciulli von Girolamo Savonarola geht. Erschienen ist der historische Thriller im August 2023 bei Macmillan UK. 

Florenz, Sommer 1538: Auf einem Rundgang finden die Nachtwächter die brennende und erhängte Leiche eines reichen Händlers. Die Umstände sind besonders: 40 Jahre zuvor wurde der Mönch Girolamo Savonarola auf die gleiche Weise und am selben Ort getötet. Bedeutet dieser neue Tötung, dass der rachsüchtige Geist Savonarolas zurückgekehrt ist oder steckt etwas anderes dahinter? Cesare Aldo hat seine Vermutungen, doch dieser ist mittlerweile im Florenzer Umland auf Verbrecherjagd und überlässt daher Carlo Strocchi die Ermittlungen. Als ein weiterer, viel öffentlicherer Mord geschieht, ist die Angst groß und so fliehen die, die es sich leisten können, aufs Land. Doch auch dort kann es gefährlich werden. 

Nach Band 3 kann ich sagen, die Cesare Aldo-Reihe ist eine sichere Bank. Es ging direkt spannend los und ich habe mich sofort wieder wohl gefühlt mit den Charakteren Aldo, Strocchi und Tomasia. Egal, ob es Florenz oder das Umland ist, ich konnte mir alles gut vorstellen und bin abgetaucht in dieser Geschichte trotz eher weniger Zeit zum Lesen. 
Die Geschichte wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt, die alle ihre Berechtigung haben und den Ereignissen mehr Tiefe oder manchmal auch eine Prise Humor verleihen. Ich habe viel über Florenz, das Umland und seine Regierung erfahren und ich habe Einblicke in die Sichtweisen der Charaktere übereinander bekommen. 
Dieses Buch klärt nicht nur eine Mordserie auf, sondern behandelt dabei auch andere wichtige Themen. Zwischenmenschliche Konflikte spielen eine Rolle sowie die eigenen Vorstellung bezüglich Moral und Gerechtigkeit. Dabei gibt das Buch keine Meinung vor, sondern schafft es geschickt zum Nachdenken anzuregen. 

Mittwoch, 14. Januar 2026

Rezension: „The Lion Women of Tehran“ von Marjan Kamali

„The Lion Women of Tehran“ von Marjan Kamali
Quelle: Simon & Schuster UK
„The Lion Women of Tehran“ von Marjan Kamali ist ein Roman über Freundschaft, Verrat und Versöhnung und verfolgt die Geschichte Teherans und Irans über drei Jahrzehnte. Erschienen ist der Roman im November 2024 bei Simon & Schuster. 

Tehran, 1950er: Ellie zieht gemeinsam mit ihrer Mutter in ein neues Viertel als ihr Vater stirbt. Dort fühlt sie sich zunächst sehr einsam, denn ihre Mutter trauert dem alten Leben im Reichtum sehr nach. Doch dies ändert sich als sie in die Schule kommt und an ihrem ersten Tag Homa kennenlernt. Beide werden schnell beste Freunde, spielen zusammen, lernen kochen und besuchen den Bazar. Ihre Wege trennen sich zunächst als Ellies Mutter erneut heiratet und sie wieder zur Elite der Gesellschaft gehört. Doch Homa schafft es durch ihren Ehrgeiz und ihre Intelligenz an die Eliteschule, zu der auch Ellie geht. Beide nehmen ihre Freundschaft wieder auf, doch es stellt sich heraus, dass sie sehr unterschiedliche Ziele für ihre Zukunft haben. Als die politischen Unruhen im Iran immer stärker werden, hat ein Verrat enorme Konsequenzen und wird zu einer harten Belastungsprobe für diese Freundschaft. 

Dieses Buch habe ich auf Grund der aktuellen Nachrichten aus dem Iran nochmal angefangen und diesmal war es der richtige Zeitpunkt. Ich bin durch die ersten Seiten geflogen und habe mich an der Freundschaft der beiden 7jährigen Mädchen erfreut, die gemeinsam zur Schule gehen. 
Zu Beginn wird der Roman aus Elahehs (Ellies) Sicht beschrieben. Im Verlaufe des Buches kommt Homas Sichtweise hinzu. Die Freundschaft der beiden Mädchen steht im Vordergrund, dennoch habe ich einiges über das Leben und die Veränderungen in Teheran und Iran erfahren. Dadurch ist es auch ein politisches Buch, aber ich finde eines, dem man gut folgen kann und das nicht zu sehr ins Detail geht. Dennoch spielen die Konsilidierung der Macht des Shahs, die Islamische Revolution und Proteste in diesem Buch eine Rolle. 
Während des Lesens hätte ich mir manchmal mehr Input zu den politischen Ereignissen gewünscht, aber am Ende muss ich doch sagen, hat es genauso gepasst, wie die Geschichte erzählt wurde. Mich hat dieses Buch sehr berührt, dadurch, das eben diese zwischenmenschliche Beziehung im Vordergrund steht. Ich denke, das ist etwas, mit dem sich auch mehr Menschen identifizieren können. 

Mittwoch, 26. November 2025

Rezension: „Fräulein Gold - Der Preis der Freiheit“ von Anne Stern

„Fräulein Gold - Der Preis der Freiheit“ von Anne Stern
Quelle: Rowohlt
„Fräulein Gold - Der Preis der Freiheit“ von Anne Stern ist mittlerweile der 8. Band der Reihe. Diesmal geht es um das Frauengefängnis in der Barnimstraße und ein Mord, der dort aufgeklärt werden soll. Erschienen ist der Roman im November 2025. 

Berlin, 1932: Hulda Gold hat eine neue Wirkungsstätte als Hebamme gefunden. Im berüchtigten Frauengefängnis Barnimstraße versorgt sie inhaftierte Schwangere und entwickelt einen guten Draht zu den oftmals verzweifelten Frauen. Als innerhalb der Gefängnismauern eine junge Insassin völlig unerwartet stirbt, kann Hulda nicht untätig bleiben. Bald kommen Zweifel wegen der Todesursache auf, und der Verdacht fällt auf Anna Marwitz, die bereits wegen Mordes verurteilt ist. Doch Hulda kann nicht glauben, dass diese verschüchterte Frau, die kurz vor der Entbindung ihres ersten Kindes steht, wirklich eine mehrfache Mörderin sein soll. Mit der Aufklärung des Falls wird ausgerechnet Irma Siegel betraut. Hulda und die Kriminalkommissarin kennen sich von früher, und sie gingen nicht als Freundinnen auseinander. Aber während sich die politischen Kräfte in Deutschland immer mehr radikalisieren, müssen sie nun gemeinsam gegen das Unrecht kämpfen – für die Zukunft aller Frauen und auch die ihrer eigenen Familien. 

Mittlerweile ist das Jahr 1932 erreicht und ich hatte ehrlich gesagt erwartet, dass mich dieser Band emotional zerstören wird. Emotional war es teilweise, aber tatsächlich doch nicht so heftig wie erwartet. 
Die Welt von Hulda Gold ist zu einem Teil meines Lebens geworden und so brauch ich wirklich nicht lange, um ins Geschehen reinzukommen. Ich bin immer neugierig darauf, um welches Thema es im neuen Band geht und ich bin gespannt, was sich verändert hat. Dabei versteht es Anne Stern viele Informationen in einem Kapitel unterzubringen. Ihre Stärke alltägliche Situationen mit Botschaften zwischen den Zeilen zu verbinden, bewundere ich immer wieder sehr. Die positiven wie negativen Begebenheiten liegen hierbei oft beieinander und bringen mich beim Lesen auch immer wieder zum Innehalten. 

Mittwoch, 19. November 2025

Rezension: „The Darkest Sin“ von D. V. Bishop

„The Darkest Sin“ von D. V. Bishop
Quelle: Pan Macmillan
„The Darkest Sin“ von D. V. Bishop ist der zweite Teil der Cesare Aldo-Reihe und spielt im Florenz der Renaissance-Zeit. Ein Mord in einem Kloster soll aufgeklärt werden. Erschienen ist der historische Krimi im März 2022 bei Pan Macmillan. 

Florenz, Frühjahr 1537: Cesare Aldo geht einem Bericht nach, demzufolge sich jemand Zugang zu einem Konvent verschafft haben soll. Dort angekommen stößt er auf eine angespannte Stimmung aus Geheimnissen und Rivalitäten. Als dann auch noch eine nackte männliche Leiche gefunden wird, ist das Chaos perfekt, denn alles deutet darauf hin, dass eine der Nonnen einen Mord begangen hat. 
Gleichzeitig ist Carlo Strocchi zu Besuch bei seiner Familie und stößt dort auf eine Leiche, die vor einiger Zeit aus dem Arno gezogen worden ist. Es handelt sich dabei um einen Kollegen, der schon seit Monaten verschwunden ist. Dieser war nicht sonderlich beliebt und bei den Ermittlungen stellt sich raus, dass dieser viele Feinde hatte. 
Als sich Aldo und Strocchi der Auflösung ihrer Fälle nähern, müssen sie feststellen, dass sich die Identifizierung der Täter trügerischer gestaltet als sie je erwartet hätten. 

Nachdem mich der erste Band überzeugen konnte, musste ich die Reihe natürlich weiter Lesen. Es ging also zurück nach Florenz und diesmal ins Umland und ein Konvent. Das Buch startet direkt spannend mit einem Bericht zum Fund der Leiche, der ein lebhaftes Bild vorm inneren Auge entstehen und die Frage aufkommen lässt, was dort genau passiert ist. Danach wird es erstmal etwas ruhiger, weil dann die Ereignisse von Anfang an aufgerollt werden und in diesem Zuge auch Carlo Strocchi wiederbegegnet. 
Beide haben in diesem Roman getrennt laufende Fälle zu bearbeiten, begegnen sich im Laufe der Ereignisse aber immer mal wieder. Beide Fälle sind interessant, es gibt persönliche Ebenen und ich liebe die Dilemmata, die entstehen. Diese sind nicht nur im Buch, sondern auch ich wurde dazu eingeladen, mich und meine Moral zu hinterfragen. Es gab viel Ermittlungsarbeit sowie Befragungen, tolle Dialoge und manchmal war ich überrascht, was Cesare Aldo alles einfädeln konnte. 

Mittwoch, 29. Oktober 2025

Rezension: „Letzter Tanz auf Sankt Pauli“ von Claudius Crönert

Quelle: Gmeiner
„Letzter Tanz auf Sankt Pauli“ ist ein historischer Krimi von Claudius Crönert, in dem um einen Mordfall geht, in den anscheinend die SS verwickelt ist. Erschienen ist der Roman im Juli 2021 bei Gmeiner. 

Hamburg, 1941: In der Nähe der Sankt Pauli-Brennerei wird ein Toter gefunden. Kriminalkommissar Krell soll ermitteln. Als klar wird, dass die SS in den Mord involviert ist, bekommt er die Anweisung seine Ermittlungen einzustellen. Doch mittlerweile lässt ihm der Fall keine Ruhe mehr. Als kurze Zeit später seine Tochter bei einem Swing-Abend gesichtet wird, muss er sich entscheiden. Diese hatte die Musik erst vor kurzem für sich entdeckt als ein neuer Mitschüler in ihre Klasse kam. Ist Hannes Krell seine Familie oder seine Integrität wichtiger? 

Ein Krimi, der mich neugierig gemacht hat, weil er während des zweiten Weltkrieges und in Hamburg spielt. Ich wohne in der Nähe und die bekannten Orte haben dafür gesorgt, dass ich mich direkt etwas verbundener mit dem Buch gefühlt habe. 
Der Einstieg in diesen Krimi ist gut gelungen. Der Leichenfund in der Nacht gibt dem Buch ein düstere Atmosphäre, bevor ich dann in den darauffolgenden Kapiteln Hannes Krell und seine Tochter sowie die Schule besser kennengelernt habe. Ich konnte mir vieles gut vorstellen und war schnell in der Geschichte drin. 
Die Handlung ist zweigeteilt, findet im Verlauf aber immer mehr zueinander. Ich fand es faszinierend diese Zeit aus der Sicht eines deutschen Kriminalkommissars und seiner Familie kennenzulernen. Es sind sehr viele Informationen über St. Pauli und die Reeperbahn und das Umland eingeflossen. Ich habe viel über die Zustände in den Behörden erfahren oder die Propaganda, denen Schüler*innen ausgesetzt waren. Teilweise lief es mir bei den Begrüßungsformeln oder den Beschreibungen eines BDM-Nachmittags eiskalt den Rücken runter. Es wird aber auch beschrieben, was trotz all der Indoktrination und Verbote teilweise trotzdem noch möglich war. 

Mittwoch, 1. Oktober 2025

Rezension: „Meine Familie, die AfD und ich“ von Leonie Plaar

„Meine Familie, die AfD und ich“ von Leonie Plaar
Quelle: Goldmann
In „Meine Familie, die AfD und ich - Wie Rechtsextremismus uns entzweit - und wie wir dagegenhalten“ erzählt Leonie Plaar von der Entfremdung von ihrer Familie und gibt Tipps, wie wir besser mit dem Thema und Diskussionen umgehen können. Erschienen ist das Sachbuch im September 2025 bei Goldmann.

Leonie ist queer, politische Aktivsitin, Historikerin - und Tochter eines AfD-Mitglieds. Tatsächlich wählen fast alle ihre nahen Verwandten die Alternative für Deutschland. Bis sie die Reißleine zog und den Kontakt abbrach, hat sie deren Radikalisierungsprozess also hautnah miterlebt. Sie hatte einen Platz in der ersten Reihe bei Gesprächen zwischen AfDler*innen, die dachten, sie wären unter sich. Über Jahre hat sie zugehört, analysiert, mitdiskutiert. Vor allem aber muss sie erleben, wie es sich anfühlt, wenn der eigene Vater Teil einer Bewegung wird, die sich gegen alle Werte richtet, die Leonie verkörpert. 

In diesem Falle habe ich den Klappentext übernommen, weil der dieses Buch wirklich gut beschreibt. Der Einstieg in die Sachbuchbestenliste auf Platz 9 zeigt, dass dieses Thema aktuell und relevant ist und viele Menschen in diesem Land umtreibt. Ich habe einige ihrer Aufklärungsvideos gesehen und fand diese gut gemacht und so war ich neugierig auf ihre persönliche Geschichte. 
Leonie Plaar erzählt ihre persönliche Geschichte und erzählt von den Diskussionen zu vielen unterschiedlichen Themen, wie z.B. Meinungsfreiheit, Rassismus, Queerfeindlichkeit, Rechtsextremismus. Sie verbindet das Persönliche mit den dazugehörigen Fakten und zeigt ihre Erfahrungen und welche Strategien erfolgreicher waren und welche nicht. 

Mittwoch, 23. Juli 2025

Rezension: „Die Frauen jenseits des Flusses“ von Kristin Hannah

„Die Frauen jenseits des Flusses“ von Kristin Hannah
Quelle: Aufbau
In „Die Frauen jenseits des Flusses“ erzählt Kristin Hannah von den Frauen, die als Krankenschwestern während des Vietnam-Krieges gedient haben. Erschienen ist der Roman im September 2024 im Aufbau Verlag. 

Ein Satz ist es, der das Leben von Frances McGrath entscheidend verändern soll: Auch Frauen können Helden sein. Als ihr Bruder in den Krieg nach Vietnam zieht, beschließt sie ihm zu folgen. Nicht als Soldatin, sondern als Krankenschwester. Nicht ahnend worauf sie sich einlässt, wird sie mit den Gräueln des Krieges konfrontiert und wächst über sich hinaus. Vietnam wird sie für immer verändern und sie auch nach ihrer Rückkehr vor einige Herausforderungen stellen. 

Zu diesem Buch bin ich über ein Empfehlungsvideo gekommen, dass mich zuvor auch schon neugierig auf Brotherless Night gemacht hat. Der Vietnamkrieg war mir vorher schon ein Begriff, aber ich habe mich bisher nie genauer damit beschäftigt. 
Es ist das zweite Buch, das ich von Kristin Hannah lese und ich gebe zu, ich war sehr froh, dass es nicht auf zwei Zeitebenen spielt. Der Einstieg ist gut gelungen und hat mich schnell in die Geschichte gezogen. Der Schreibstil ist gut und flüssig zu lesen und ich konnte mir die Ereignisse gut vorstellen. 

Mittwoch, 2. Juli 2025

Rezension: „City of Vengeance“ von D. V. Bishop

City of Vengeance von D. V. Bishop
Quelle: Pan Macmillan
„City of Vengeance“ von D. V. Bishop ist der erste Teil einer historischen Thriller-Reihe rund um Cesare Aldo, einen Beamten der Otto di Guardia e Balia im Florenz der Renaissance, der den Mord an einem Geldverleiher aufklären soll. Erschienen ist dieser im Januar 2022 bei Pan Books einem Imprint von Pan Macmillan. 

Florenz, 1536: Ein Geldverleiher wird tot in seinem Haus ausgefunden. Cesare Aldo, ein ehemaliger Soldat und nun Teil der Otto di Guardia e Balia, wird mit dem Fall betraut. Bis Epiphanie in 4 Tagen muss Aldo den Mörder gefunden haben. Während seiner Ermittlungen stößt er auf ein Komplott gegen Alessandro de Medici, dem Herrscher von Florenz. Sollte dieser fallen, bringt dies die Stadt in große Gefahr. Gleichzeitig ist er den Bedrohungen durch einen rivalisierenden Offizier ausgesetzt. Dieser hat ein Geheimnis erfahren, dass Aldo in ernsthafte Gefahr bringen kann. Wird er es schaffen die Verschwörung gegen den Herzog von Florenz zu stoppen oder werden ihn seine privaten Geheimnisse zuerst einholen? 

Auf diese Reihe bin ich durch histolicious aufmerksam geworden. Wenn sie begeistert ist, dann lohnt sich ein genauerer Blick, ob mich das Buch auch interessieren könnte. Erst recht, wenn auch geschichteingeschichten die Reihe mochte. 
Es war für mich ein vorsichtiges Herantasten und die ersten ca. 20 Prozent wusste ich nicht so recht, ob es mir gefällt oder nicht. Als ich dann aber drin war, gefiel mir dieses Buch von Seite zu Seite besser. Es sind italienische Begriffe eingebaut, die nicht wirklich erklärt werden, aber sich aus dem Kontext gut ergeben. Es hat meinen Lesefluss anfangs etwas gestört, aber das verging schnell. Das Florenz der Renaissance-Zeit konnte ich mir wunderbar vorstellen und der Roman hatte eine tolle historische Atmosphäre. 
Das Buch ist aus unterschiedlichen Perspektiven geschrieben, so dass ich einen umfangreichen Einblick in die Ereignisse bekommen habe. Darüber hinaus wird nicht nur an einem Fall ermittelt, sondern es gibt noch ein parallelen Handlungsstrang mit einem weiteren Mord. Die Perspektiven werden teilweise sehr schnell gewechselt und an Stellen, wo man eigentlich gerne wissen würde, wie es weiter geht. Das hatte eine gewisse Sogwirkung und das ich schnell weiterlesen wollte. 

Mittwoch, 18. Juni 2025

Rezension: „Brotherless Night“ von V. V. Ganeshananthan

Brotherless Night von V. V. Ganeschananthan
Quelle: Penguin Random House
„Brotherless Night“ von V. V. Ganeshananthan ist ein Roman über den sri lankischen Bürgerkrieg und die Menschen, die diesen durchleben. 2024 hat dieser den Women‘s Prize for Fiction gewonnen. Erschienen ist dieser im Januar 2023 bei Penguin Random House. Unter dem Titel „Der brennende Garten“ wird das Buch im Oktober 2025 auf deutsch erscheinen. 

Jaffna, 1981: Die 16-jährige Tamilin Sashi wünscht sich nichts mehr als eines Tages Ärztin zu werden, doch der Bürgerkrieg, der kurz darauf ausbricht, zwingt ihr Leben in andere Bahnen. Unterdrückung und Gewalt nehmen zu. Eine Bewegung formt sich, die für die Freiheit und Unabhängigkeit der Tamilen kämpft, dabei aber auch zu Gewalt als Mittel greift. Zwei ihrer Brüder schließen sich dieser an. Die folgenden Jahre werden Sashi und ihre Familie sowie Freunde unwiderruflich prägen. In all diesem Chaos muss sie ihren Weg finden und sich entscheiden, wofür es sich zu kämpfen lohnt und was sie bereit ist, dafür zu geben. 

Ich wusste das Bürgerkrieg nicht das fröhlichste Thema für ein Buch ist, dass es allerdings so intensiv wird, hätte ich dennoch nicht erwartet. Ich war neugierig, weil es ein Konflikt ist, über den ich gar nichts weiß und dieser mich an einen Ort führt, über den ich mich bisher nicht informiert habe. 
Bereits der erste Satz ist heftig und sorgte dafür, dass ich neugierig bin wie es zu dieser Aussage kommt. Das Buch ist in der Ich-Perspektive und aus Sashis Sicht geschrieben. Ich war ganz nah an ihren Erlebnissen, Gedanken und Gefühlen dran und das war in diesem Fall genau richtig. Es gibt unterschiedliche Teile, die jeweils einen Abschnitt mit eigener Thematik behandeln und so den Verlauf dieses Konfliktes sichtbar machen. 

Mittwoch, 22. Januar 2025

Rezension: „The Temptation of Elizabeth Tudor“ von Elizabeth Norton

The Temptation of Elizabeth Tudor von Elizabeth Norton
Quelle: Head of Zeus
„The Temptation of Elizabeth Tudor“ von Elizabeth Norton ist ein Sachbuch zum Skandal rund um Elizabeth Tudor und Thomas Seymour. Erschienen ist das Buch im November 2015 bei Head of Zeus. 

England, 1547: Henry VIII ist tot und seine Tochter Elizabeth lebt im Haushalt von Katherine Parr und ihrem Ehemann Thomas Seymour. Er beginnt offen mit Elizabeth Tudor zu flirten, was letzendlich dazu führt, dass Katherine Elizabeth fortschickt. Doch kurz darauf stirbt sie im Kindbett und er wird wegen Verrates verhaftet. Ein Skandal bricht los, der nicht nur ihn in Gefahr bringen soll. Elizabeth Tudor wird verhört und viele Gerüchte zu ihrer Beziehung zu Thomas Seymour sind im Umlauf. War sie noch Jungfrau als sie den Haushalt Katherine Parrs verlassen hat? War sie womöglich schwanger und hat heimlich ein Kind zur Welt gebracht. Sie überlebt den Skandal im Gegensatz zu Thomas Seymour und die Virgin Queen, als die sie später in die Geschichte eingehen soll, wird geboren. 

Die Ereignisse rund um Elizabth Tudor und Thomas Seymour haben mich nach dem Roman von Alison Weir nicht losgelassen und ich wollte mehr dazu wissen und so habe ich mich auf die Suche nach Büchern zu diesem Thema begeben und bin fündig geworden. 
Elizabeth Norton hat einen gut lesbaren Schreibstil und auch mit dem Englisch im Buch bin ich gut zurecht gekommen. Es wurde schnell klar, dass dieses Sachbuch einen großen Anteil daran hat, wie Alison Weir die Ereignisse in ihrer Six Tudor Queens-Reihe geschildert hat. Nichtsdestotrotz sind hier natürlich noch viel mehr Informationen enthalten und das Sachbuch geht auch über die Ereignisse im 6. Band hinaus. 

Mittwoch, 15. Januar 2025

Rezension: „Six Tudor Queens - Katherine Parr - The Sixth Wife“ von Alison Weir

Six Tudor Queens - Katherine Parr von Alison Weir
Quelle: Headline
„Katherine Parr - Ths Sixth Wife“ von Alison Weir ist der 6. und letzte Teil der „Six Tudor Queens“-Reihe, in der es um die Ehefrauen Henry VIII geht. Erschienen ist der Roman im Mai 2021 bei Headline Review. 

Katherine Parr war die letzte Ehefrau des alternden Henry VIII. Bereits zwei mal zuvor verheiratet, wollte sie nun aus Liebe heiraten. Doch es sollte anders kommen. Der König von England verliebt sich in sie und die Avancen eines Königs kann man nicht ausschlagen. Als Königin sorgt sie für die Aussöhnung zwischen ihm und seinen Töchtern und auch in Fragen des Glaubens versucht sie ihn zu beeinflussen. Letzteres ist ein gefährliches Spiel mit starken Gegnern und so muss Katherine versuchen, nicht dasselbe Schicksal zu erleiden, wie so manche ihrer Vorgängerinnen. Divorced, beheaded, died, divorced, beheaded,… 

Im Jahr 2020 habe ich diese Reihe begonnen und Ende 2024 habe ich den letzten Band dieser 6-teiligen Reihe gelesen. Alle Ehefrauen Henry VIII habe ich kennengelernt und erfahren, wie diese ihn möglicherweise wahrgenommen haben und wie zugetan sie ihm als Ehemann waren. 
Es war eine spannende Reise und auch in diesen finalen Band bin ich gut reingekommen. Dieser startet in der Kindheit Katherine Parrs, zu einer Zeit als Henry VIII noch mit seiner ersten Ehefrau verheiratet war, und ende mit ihrem Tod. Ich konnte mir die Ereignisse und Schauplätze des Romanes gut vorstellen und hatte beim Lesen ein lebendiges Kopfkino. 
Diese Reihe ist aus der Sicht der jeweiligen Königin verfasst und so bekommen wir auch nur die Ereignisse mit, von denen die jeweilige Königin wusste. Ich habe also bereits zum sechsten Mal die gleiche Geschichte gelesen und doch war jede Geschichte für sich einzigartig. Ich fand es immer spannend zu erfahren, was wusste die jeweilige Königin über ihre Vorgängerinnen und kannte sie diese womöglich persönlich oder auch wann haben sie den König kennengelernt und wie hat ihr Kennenlernen die Sicht auf Henry VIII verändert. 

Samstag, 21. Dezember 2024

Rezension: „Das Kabinett der Wachsmalerin“ von Sabine Weiß

"Das Kabinett der Wachsmalerin" von Sabine Weiß
Quelle: dotbooks
„Das Kabinett der Wachsmalerin“ von Sabine Weiß ist das zweite Buch über das Leben von Madame Tussauds und ihrem Wachsfigurenkabinett. Erschienen ist der Roman erstmals 2009. Ich habe die Ebook-Neuauflage von dot books aus dem Jahr 2016 gelesen.

England, 1802: Marie Tussaud begibt sich nach England, um dort ihre Wachsfiguren auszustellen und auf Tournee zu gehen. Eigentlich wollte sie danach mit viel Geld nach Frankreich zurückkehren, doch der Krieg zwischen Frankreich und England zwingt sie dazu zu bleiben. Auf sich allein gestellt muss sie sich in England, Schottland und Irland als Geschäftsfrau behaupten. Nur ihr Sohn begleitet sie, doch dieser ist anfangs noch im Kindesalter und kann nur wenig unterstützen. Viele Jahre gehen ins Land, in denen Marie Tussauds immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt wird und so erleben wir an ihrer Seite, wie sich ihre Ausstellung und die Welt verändert.

Im März habe ich den ersten Teil dieser Reihe gelesen. Dieser spielte in Frankreich und hatte, neben dem Wachssalon in Paris, in großen Teilen auch die französische Revolution als Thema. Dieser zweite Band spielt nun überwiegend in England und Schottland und wir erleben als Nebenschauplatz die Veränderungen durch die industrielle Revolution mit.
Ich bin wunderbar in die Geschichte reingekommen und konnte mir die Ereignisse in London sowie die Stadt wunderbar vorstellen. Immer wieder sind auch Informationen aus dem Vorgängerband mit eingewoben, so dass man diesen Roman auch alleinstehend lesen könnte. Insgesamt wirkte es für mich diesmal kontinuierlicher erzählt. Erst zum Ende des Buches hin, gibt es Zeitsprünge und mehrere Jahre die nur noch auf wenigen Seiten erzählt werden.
Sehr gefallen hat mir, dass man quasi in Begleitung von Marie und ihrem Wachssalon, die Veränderungen in dieser Zeit mitbekommt. Sie und ihre Figuren sind der Mittelpunkt und dennoch bekommt man mit, was sich in dieser Zeit politisch und technisch verändert. Zwischen 1802 und 1850 ist das einiges was da zusammenkommt. Ihre Ausstellung muss sich dementsprechend auch verändern und immer wieder etwas Neues bieten.

Samstag, 7. Dezember 2024

Rezension: „Fräulein Gold - Nacht über der Havel“ von Anne Stern

Fräulein Gold - Nacht über der Havel von Anne Stern
Quelle: Rowohlt
„Fräulein Gold - Nacht über der Havel“ von Anne Stern ist der siebte Band der „Fräulein Gold“-Reihe. Diesmal gibt es sogar einen echten Mordfall, der Hulda nicht mehr loslässt, weil eine Zeugin beharrlich schweigt. Erschienen ist der Roman im November 2024 bei Rowohlt. 

Berlin, 1930: Hulda arbeitet noch immer in der Mütterberatungsstelle, wo sie beratend den Müttern und Frauen zur Seite steht. Die anhaltende Wirtschaftskrise macht sich immer deutlicher bemerkbar und die politische Stabilität ist in Gefahr. Im Dunstkreis einer Schwangeren, die sie betreut, stößt sie auf ein junges Mädchen, das in Schweirigkeiten zu sein scheint. Jutta war Teil einer Jugendgruppe, doch nach der letzten Party, wird ihr Schwarm und Anführer der Truppe, tot am Ufer der Havel aufgefunden. Hulda spürt sofort, dass sie etwas verheimlicht und das mehr hinter der Geschichte steckt als zunächst angenommen. 

Ich habe es tatsächlich geschafft, auf den aktuellsten Stand bei dieser Reihe zu kommen, die ich erst im letzten Jahr begonnen habe zu lesen, die mich dafür aber umso deutlicher in ihren Bann gezogen hat, insbesondere weil diese es schafft, die Weimarer Republik zum Leben zu erwecken und die für mich trotz zu lösendem Mordfall, dennoch eher ein historischer Roman als historischer Krimi ist. 
Ich bin wie immer gut in die Geschichte reingekommen und habe mich sehr gefreut alte Bekannte wiederzutreffen. Das Berlin der mittlerweile 30er Jahre konnte ich mir sehr gut vorstellen und der Nollendorfplatz fühlt sich schon fast wie ein zu Hause an. 
Der Aufbau folgt dem bewährten Prinzip. Ich habe viel über die Gegebenheiten und politischen Umstände in Berlin im Jahr 1930 erfahren und lerne anhand der unterschiedlichen Personen im Buch, wie diese damit umgehen. Auch der Mordfall nimmt diese veränderten Umstände auf und beleuchtet in diesem Fall die Jugendorganisationen und das Erstarken der Hitlerjugend. Es wird immer deutlicher, dass die Braunhemden immer mehr an Fahrtwasser in der Gesellschaft gewinnen. 

Samstag, 26. Oktober 2024

Rezension: „Fräulein Gold - Die Lichter der Stadt“ von Anne Stern

Quelle: Rowohlt
„Fräulein Gold - Die Lichter der Stadt“ von Anne Stern ist der mittlerweile 6. Teil der „Fräulein Gold“-Reihe. Im Jahr 1929 muss Hulda Gold eine Einbruchserie in ihrem Heimatkiez am Nollendorfplatz aufklären. Erschienen ist der Historische Krimi im September 2023 bei Rowohlt Polaris. 

Berlin, 1929: In einer Mütterberatungsstelle in Schöneberg hat Hulda Gold eine neue Arbeitsstelle gefunden, die es ihr ermöglicht ihr Wissen als Hebamme einzubringen und gleichzeitig mit seinen geregelten Arbeitszeiten dafür sorgt, dass Hulda sich um ihre kleine Tochter Meta kümmern kann. Als sie dort eine junge Schauspielerin betreut, kommt sie mit der Welt der Künstlerinnen und Bühnenstars in Verbindung. Ein neues Theater am Nollendorfplatz wurde eröffnet und die beginnende Weltwirtschaftskrise macht den Start alles andere als leicht. Doch dann kommt es auch noch zu einer mysteriösen Einbruchsserie, die auch vor Freunden Huldas nicht Halt macht. Huldas Spürsinn ist geweckt. Sie beginnt zu ermitteln und stößt auf Verhältnisse, die all ihre Mut erfordern und ihren Gerechtigkeitssinn vor eine große Herausforderung stellen. 

Band 7 erscheint in Kürze und ich habe es geschafft bis dahin alle vorherigen Bände zu lesen. Ich bin recht spät in diese Reihe eingestiegen, wurde dann aber umso mehr in diese Reihe hineingezogen. 
Da es noch nicht lange her ist, dass ich Band 5 gelesen habe, war ich sofort wieder im Geschehen drin. Die Verhältnisse Hulda Golds haben sich abermals drastisch verändert und nun ist sie eine alleinerziehende, ledige Mutter in der Weimarer Republik. Für mich ist es immer wieder faszinierend, wie sie die Herausforderungen meistert, die ihr das Leben stellt und gleichzeitig fühlt sich dennoch vieles wie nach Hause kommen an, da sie einige Personen auf ihrem gesamten Weg begleiten. 
Das Konzept hat sich bewährt und bleibt auch in diesem 6. Band gleich. Hulda und ihr Leben stehen im Mittelpunkt und der Fall, den Hulda zu lösen hat, läuft eher mit. Es wird als historische Krimi-Reihe beworben, für mich fühlt es sich allerdings mehr wie ein historischer Roman an, der die Weimarer Republik zum Leben erweckt. 

Samstag, 14. September 2024

Rezension: „The Lost Daugters of Ukraine“ von Erin Litteken

The Lost Daughters of Ukraine von Erin Litteken
Quelle: Boldwood
„The Lost Daughters of Ukraine“ von Erin Litteken erzählt von der wechselvollen Geschichte der Ukraine während des zweiten Weltkrieges und was Familien in dieser Zeit widerfahren ist, hierbei kommen auch Personen aus dem Roman „The Memory Keeper of Kyiv/Denk ich an Kiew“ vor. Erschienen ist der Roman auf englisch bei boldwood books im April 2023 und unter dem Titel „ Wären wir Vögel am Himmel“ auf deutsch bei Lübbe. 

Ukraine, Sommer 1941: Die Leben von Halya, Liliya und Vika werden sich aufs engste miteinander verbinden. Schon während des Holodomor hat jede von ihnen geliebte Menschen verloren, doch während sich die Front zwischen den Sowjets und der Wehrmacht immer wieder verschiebt, wird ihre Kraft und Durchhaltevermögen erneut auf eine harte Probe gestellt. Vika hat ihre Familie schon einmal zurückgelassen und steht nun erneut vor der Entscheidung, ob es besser ist in Wolhynien zu bleiben oder nach Westen zu fliehen. Liliya hat Familie und Freunde an unterschiedliche Parteien in diesem Krieg verloren. Als sie als Zwangsarbeiterin nach Deutschland verschleppt wird, muss sie sich entscheiden, ob es sich weiterhin lohnt für dieses Leben zu kämpfen. Trotz der Versuche ihrer Mutter Katya, wird Halya letztendlich doch nach Deutschland verschleppt. Auf sich allein gestellt, muss sie versuchen, diesen Krieg zu überleben. 

Da mich „The Memory Keeper of Kyiv“ mit kleineren Abstrichen überzeugen konnte, wollte ich natürlich auch dieses Buch lesen und ich kann sagen, dass ich mittlerweile, die Liebesgeschichte aus dem vorherigen Band zu schätzen weiß. War es mir manchmal ein wenig zu kitschig, so hat es doch für kleine Verschnaufpausen bei den schrecklichen Ereignissen gesorgt. 
Ich musste bei den Personen ein wenig überlegen, ob ich diese schon aus dem Vorgänger kenne, bin aber an sich sofort in der Geschichte drin gewesen. Obwohl hier unterschiedliche Szenen aneinandergereiht werden, schafft es die Autorin immer wieder kraftvolle Bilder zu finden, die mich als Leserin in seinen Bann gezogen haben. 
Ich habe schon einige Sachbücher zum zweiten Weltkrieg oder auch der Geschichte der Ukraine gelesen. Die Ereignisse in diesem Roman haben mich daher weniger überrascht, aber ich merke sehr deutlich, dass diese Sachbücher mir dabei geholfen haben, die Konflikte in diesem Roman besser zu verstehen. Der Roman ist thematisch sehr breit aufgestellt. Es geht um die Besatzung der Ukraine durch Nazi-Deutschland, die Hilfspolizisten, die den Nazis geholfen haben, den Kampf um die Unabhängigkeit der Ukraine, ukrainischen Nationalismus, den Hass zwischen Pol*innen und Ukrainer*innen, die Verschleppung von Kindern als Zwangsarbeiter*innen nach Deutschland, die Bombennacht von Dresden und den Lagern für displaced persons in Deutschland.