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| Quelle: Rowohlt |
Lüneburg um 1300. Die junge Agnes leidet unter den Machtspielen ihres Vaters, des Fürsten Otto, der entschlossen ist, seine Tochter an einen Adeligen zu verheiraten. Doch Agnes' Liebe gilt der Wissenschaft: Begeistert studiert sie Werke der Naturkunde und Geografie. Sie erstellt Skizzen für eine eigene Darstellung der Welt, eine Karte, in die ihr gesamtes Wissen einfließen soll.
Bei ihrer Recherche begegnet sie dem jungen Krämer Liudger, der ihre Leidenschaft teilt und in den sie sich verliebt. Sie plant, mit ihm davonzulaufen, den Standeszwängen zu entfliehen und endlich etwas von der Welt zu sehen, als ihr Vater hinter die Affäre kommt und sie zur Buße für den Rest ihrer Tage ins Heidekloster Ebstorf schickt.
Agnes ist verzweifelt, bis sie den großen Wissensschatz des Klosters entdeckt: die Bibliothek. Während ihr Traum zu reisen in unerreichbare Ferne rückt, wächst die Entschlossenheit, ihre Karte fertigzustellen. Ein prunkvolles Dokument, das die Welt als großes Ganzes abbildet – eine Karte, die in die Geschichte eingehen könnte. Wenn es Agnes gelingt, sie zu vollenden ...
Auf diesen Roman bin ich tatsächlich erst kurz vor seinem Erscheinen durch einen Newsletter und Posts des Autors aufmerksam geworden, war aber sofort neugierig, da es um eine Karte geht und wie sich die Menschen im Mittelalter die Welt vorgestellt haben.
Im Prolog habe ich dann auch direkt die wissbegierige Agnes kennengelernt, die die gesamte Welt erkunden möchte und sich auf der Burg ihres Vaters eher eingeengt fühlt. Ich bin direkt gut ins Buch reingekommen und konnte mir die Ereignisse und die Umgebung gut vorstellen.
Der Roman ist in 3 Teile unterteilt, die das Vorankommen der mappa mundi beschreiben. Im ersten Teil geht es um die Idee, im zweiten Teil um die Anfänge der Entstehung der Karte und der dritte Teil handelt von den Intensivierung und Fertigstellung der Karte. Unterschiedliche Perspektiven machen den Roman abwechslungsreich, bisweilen aber auch ein wenig schwer zu verfolgen, denn der Roman springt auch in der Zeit hin und her.
Die Ebstorfer Weltkarte ist eine besondere Karte und nicht mit den geographischen Karten von heute zu vergleichen. Betrachter der Karte werden feststellen, dass diese Karte durchs Betrachten viel zu erzählen hat und dieser Grundgedanke ist auch in dieses Buch eingeflossen. Es ist viel Wissen über die unterschiedlichen Regionen eingeflossen, die auf der Karte dargestellt werden. Hierbei spielt auch historisches und religiöses Wissen eine Rolle. Unterschiedlichste Schriften und Personen leisten einen Beitrag zur Vervollständigung dieses Karte. Ich finde das eine ganz wunderbare Idee.
Agnes als Protagonisten mochte ich leider nicht so sehr. Sie ist mir ein wenig zu rebellisch, ein wenig zu viel, ich bin anders als andere Mädchen. Seltsamerweise bekommt sie dann im Kloster trotz der strengen Tagesabfolge sehr viele Freiheiten und wird für ihre Frechheiten dann auch noch belohnt. Das erscheint mir noch immer nicht so wirklich schlüssig. Nimmt man das als gegeben hin, mag ich dennoch ihren Wissensdurst und das sie die Arbeit an dieser Karte erfüllt.
Liudger ist ein netter Kerl, aber eher Beiwerk. Die Liebesgeschichte zwischen Agnes und ihm habe ich so gar nicht gefühlt. Er steht für das Wissen über das Leben der Fahrenden und der Juden und hat durch seine Arbeit als Buckelkrämer, die Möglichkeit in verschiedene Teile des Reiches zu kommen.
So sind dann auch die weiteren Nebenfiguren gestaltet, die meist dazu dienen, Wissen dazu beizutragen, das auf der Karte verewigt werden soll. Die Geschichte rund um Mechthild und Theodora, die in hohen Positionen im Kloster Ebstorf sind, fand ich dabei noch mit am spannendsten. Darüber hinaus mochte ich die Gespräche zwischen Bertram und Agnes ganz gerne.
Am Ende des Buches gibt es ein Nachwort, das zwischen Diktion und Wahrheit aufklärt, ein Quellenverzeichnis und ein Glossar. Die einzelnen Teile werden durch einen Ausschnitt aus der Ebstorfer Weltkarte abgetrennt. Diese Ausschnitte tragen dazu bei, dass man sich die Arbeit an der Karte besser vorstellen kann. Ich habe mir nebenbei die Karte auch mal im Internet angeschaut.
Fazit: Ein historischer Roman, der ein lebendiges Bild der möglichen Entstehung der Ebstorfer Weltkarte zeigt. Ich wurde im Großen und Ganzen gut unterhalten und viel Wissen ist in diesem Roman eingeflossen. Empfehlenswert für alle, die klassische historische Mittelalterromane mögen.
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Verlag: Rowohlt Taschenbuch
Autor*in: Hendrik Lambertus
Erscheinungsdatum: 15.05.2026
ISBN: 978-3-499-01687-5

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