Samstag, 9. Januar 2021

Rezension: „Krone der Welt“ von Sabine Weiß

Quelle: Lübbe
„Krone der Welt“ ist der neue historische Roman aus der Feder von Sabine Weiß. An der Seite von Vincent, Betje und Ruben erleben wir die Entwicklung Amsterdams ab Ende des 16. Jahrhunderts für ca. 30 Jahre mit. Erschienen ist der Roman bei Lübbe im Dezember 2020. 

Amsterdam, Ende des 16. Jahrhunderts: Amsterdam ist bereits jetzt eine wichtiger Handelsplatz, der durch den Glaubenskonflikt in den folgenden Jahrzehnten noch zunehmen soll. Die drei Geschwister Vincent, Betje und Ruben sind nach dem Ende der Belagerung Antwerpens hierhin geflohen und wollen sich ein neues Leben aufbauen. Vincent interessiert sich für die Baukunst und möchte unbedingt Architekt werden. Den ungestümen Ruben zieht es hinaus aufs Meer und Betje findet ihre Bestimmung in der Küche und im Ausprobieren von neuen Rezepten. Es ist eine Zeit vieler Umbrüche, in der die drei Kinder aufwachsen. Spanien und England kämpfen um die Vormacht auf dem Meer, Kaufleute gewinnen immer mehr an Bedeutung und die Auslegung des eigenen Glaubens sorgt für viel Konfliktpotenzial. 

„Krone der Welt“ ist ein Buch, auf das ich mich in diesem Jahr sehr gefreut habe. Ich habe schon historische Romane gelesen, wo am Rande mal Brügge oder auch Amsterdam vorgekommen sind, aber noch keinen bei dem Amsterdam und die Niederlande im Mittelpunkt stehen. 
Sabine Weiß Schreibstil hat mir wie immer gut gefallen. Amsterdam und seine Grachten werden vor dem inneren Auge zum Leben erweckt. Ihre Beschreibungen sind atmosphärisch und ich liebe es in diesen Bildern der Orte und Landschaften zu versinken. Geschickt wurden einige niederländische Anreden und Begriffe eingebaut, die in der Zeit üblich waren und dem Roman Authentizität verleihen. 
Für mich war es kein Roman, bei dem kontinuierlich Spannung aufgebaut wurde, sondern ein Roman mit vielfältigen spannenden Themen. Die Entwicklung der Stadt Amsterdam und Architektur nehmen einen wichtigen Platz im Gefüge ein. Wir erfahren aber auch etwas über den Glaubenskonflikt jener Zeit, dem Kampf um die Beherrschung der Meere, dem immer wichtigeren Stellenwert der Kaufleute und des Handels und die schwierige politische Lage, in der sich die Niederlande in jener Zeit befanden. 
Leider hatte ich teilweise das Gefühl, dass sich diese vielen Themen nicht in der richtigen Balance befunden haben. Teilweise war ich richtig gut im Buch drin und konnte es kaum aus der Hand legen, dann gibt es kleinere Abschnitte, in denen die Geschichte abgehackt war und ich teilweise ein wenig verwirrt zurückgelassen wurde. Es wirkt so, als ob das Thema noch schnell mit untergebracht werden sollte, um auch wirklich jeden Aspekt jener Zeit abzudecken. Ich finde das sehr schade, denn man merkt auf jeder Seite die Begeisterung für Amsterdam und wie viel Zeit die Autorin in die Recherche investiert hat. Für meinen Geschmack hätte das Buch noch dicker sein können. Ich hätte diese Themen gerne ausführlicher ausgearbeitet gehabt und ich glaube das hätte den Roman insgesamt runder gemacht. 
Der Glaubenskonflikt war mir beispielsweise nicht greifbar genug. Es wird schon gesagt, was die Unterschiede sind und worum sich gestritten wird, aber ich wäre gerne dennoch näher am Alltag der unterschiedlichen christlichen Glaubensrichtungen dabei gewesen. Gut gelungen hingegen ist, dass keine Glaubensrichtung als die einzig wahre dargestellt wurde und es auf allen Seiten sowie gute als auch böse Menschen gab. 
Mit den Personen im Buch habe ich mitgefiebert und die Geschwister erfüllen ihre Rolle als Sympathieträger wunderbar. Vincent und seine Entwicklung war mir allerdings zu sehr im Fokus. Betje und Ruben sind beides spannende Charaktere. Bei Vincent wird vieles ausführlich beschrieben, während die anderen Geschwister nur kurze Kapitel zwischendurch bekommen. Ich wäre gerne noch mehr beim harten Seefahrerleben von Ruben dabei gewesen oder hätte manche Szene von Betje gerne noch ausführlicher gelesen. 
Die Bösewichte in diesem Roman sind sehr hassenswert, gerade Lazarus ist teilweise etwas überzeichnet in dieser Hinsicht. Es gibt aber auch Menschen, die sehr von ihrem christlichen Fanatismus sowie einer gewissen Profitgier geprägt sind. Andere wiederum waren Gefangene ihrer Angst und dem Unvermögen sich aus unkomfortablen Situationen aus eigener Kraft zu befreien. 
Das Buch ist mit einigem an Zusatzmaterial ausgestattet. So gibt es in den Buchklappen eine Karte der Niederlande und von Amsterdam um 1600, ein Personenverzeichnis, ein Glossar und ein kurzes Nachwort. Auf der Homepage der Autorin findet ihr weiteres Infomaterial zum Buch, dass einige wichtige Themen des Buches ausführlicher beleuchtet. 

Fazit: Ein solider historischer Roman über Amsterdam um 1600 und eine Zeit voller Umbrüche, der durch seine Vielfalt an Themen im Gesamtbild etwas unrund wirkt. Die Autorin glänzt durch tolle Beschreibungen der Schauplätze und einer Begeisterung für Amsterdam, die man auf jeder Seite merkt. Empfehlenswert für alle, die gerne historische Romane abseits der üblichen Schauplätze und Königshäuser lesen.
 
Weitere Meinungen zum Buch findet ihr hier:

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Titel: Krone der Welt
Verlag: Lübbe
Autor: Sabine Weiß
Erscheinungsdatum: 21.12.2020
ISBN: 978-3-404-18307-4 
 
Vielen Dank an den Verlag und die lesejury für das Rezensionsexemplar und die tolle Leserunde.

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