Mittwoch, 1. Juli 2026

Rezension: „Der Gesang des Falken“ von Lea Gerstenberger

„Der Gesang des Falken“ von Lea Gerstenberg
Quelle: Droemer-Knaur
„Der Gesang des Falken“ ist Lea Gerstenbergers Debütroman, in dem es ins Frankreich der Renaissance geht und die Jugendjahre, die Anne Boleyns Charakter geformt haben, beleuchtet werden. Erschienen ist der historische Roman im Juni 2026 Droemer Knaur. 

Paris, 1514. Der königliche Hof glänzt vor Pracht und Reichtum, doch hinter den Kulissen herrschen Missgunst und Intrigen. Marcelle, die Tochter des Großstallmeisters, verabscheut dieses Theater. Wirklich glücklich ist sie nur fernab des Hofes beim Zeichnen und mit ihrem einzigen Freund Jean, dem Sohn des Großfalkners. 
Als Marcelle von ihrem Vater gezwungen wird, sich als Hofdame der englischen Braut des Königs zu beweisen, wird ihr ein junges Mädchen zur Seite gestellt – Anne Boleyn. Sie scheint alle höfischen Tugenden zu verkörpern: elegant, gebildet, unnahbar. Deshalb darf sie auch in Frankreich bleiben, als ein neuer König den Thron besteigt. Doch Marcelle blickt bald hinter die Fassade der Engländerin und entdeckt in Anne eine Verbündete, deren Scharfsinn und verborgener Freiheitsdrang ihr imponieren. Kann ihre Freundschaft den beiden helfen, sich zwischen höfischen Intrigen und großen Träumen zu behaupten und ihren eigenen Weg zu finden? 

Als ich von Leas historischem Roman erfahren habe, war direkt klar, dass ich diesen sofort nach Erscheinen lesen muss. Ich folge ihr schon lange auf instagram und mag insbesondere den Adventskalender mit historischem Wissen in jedem Jahr. 
Mit dem Einstieg in dem Roman erfährt man bereits einiges über das spätere Schicksal von Anne Boleyn. Insgesamt wird ein eher wohlwollendes Bild von ihr erschaffen, was ich sehr mochte, ist sie als Henry VIII zweite Ehefrau doch eine eher umstrittene Figur. Auch sonst hatten die ersten Szenen in der Falknerei eine schöne Atmosphäre. Ich konnte mir alles sehr gut vorstellen und das blieb auch den gesamten Roman über so. 
Es wird ein Zetraum von wenigen Jahren abgedeckt, in denen Anne Boleyn am französischen Hof weilt und einige interessante historische Ereignisse miterleben wird, die sie für den Rest ihres Lebens prägen werden. Ich gebe zu, ich bin mit etwas falschen Erwartungen an den Roman herangegangen und so hatte ich erwartet, dass Anne Boleyn mehr im Mittelpunkt stehen wird. Das Nachwort klärt hierüber auf und hat mir so im Nachhinein noch einen etwas anderen Blickwinkel eröffnet. 
Neben den politischen Gegebenheiten jener Zeit und den kriegerischen Auseinandersetzungen, die man eher am Rande mitbekommt, sind es die Frauen und ihre eher beschränkten Möglichkeiten ihr eigenes Schicksal zu beeinflussen, die im Mittelpunkt stehen. Darüber hinaus habe ich einiges über die Beiz- und die Hetzjagd, französische Traditionen und über die Kunst erfahren. 
Spannende Persönlichkeiten schmücken das Personenverzeichnis und wer seit vielen Jahren historische Romane liest, kennt einige davon. Insbesondere Leonardo da Vinci ist mir sehr lebhaft in Erinnerung geblieben. Es gab Personen, bei denen mir zuerst gar nicht bewusst war, welche Funktion sie erfüllen, so dass ich mich einmal sogar mit einer kleinen Google-Recherche etwas gespoilert habe, was paradoxerweise für mich sogar zu mehr Spannung führte, weil ich wissen wollte, wie es zu dieser Entwicklung kam. 
Marcelle und Jean sind die beiden Protagonisten dieses Romanes, die geschickt in den historischen Hintergrund eingebaut wurden, um bei den entscheidenden Momenten dabei zu sein. Beiden bin ich gerne gefolgt. Ich mochte ihre Freundschaft sehr und dass sie sich in der Gegenwart des anderen ernst genommen und sicher fühlen. Dennoch wirkten beide teilweise auch sehr klischeehaft auf mich. Marcelle ist das Mädchen, das sticken nicht mag und lieber in der Falknerei beim Ausbilden der Falken hilft. Jean ist zu Beginn eher unsicher und ist dadurch gefundenes Fressen für Martin, den Sohn des Großjägermeisters. 
Auch wenn ich die Motivation hinter diesem Roman nach der Erklärung durch das Personenverzeichnis besser verstanden haben, blieb mir Anne Boleyn dennoch etwas zu blass. Ich habe viel darüber erfahren, was Anne Boleyn alles kann, dass sie sich im Mittelpunkt des Geschehens wohlfühlt und bereits in jungen Jahren einen gewissen Ehrgeiz entwickelte. Ich wäre ihre gerne etwas näher gekommen, denn auch die Freundschaft zwischen ihr und Marcelle habe ich eher als gegeben akzeptiert als wirklich gefühlt. 
Schön fand ich, dass es neben dem Personenverzeichnis, einem Nachwort und einer Danksagung noch Literaturempfehlungen gab. Seit wenigen Jahren lese ich auch gerne Sachbücher und ich habe dort sogar eine Autorin entdeckt, von der ich bereits ein sehr unterhaltsames Sachbuch gelesen habe. 

Fazit: Ein historischer Roman, der mich an den französichen Hof im 16. Jahrhundert entführt hat. Marcelle und Jean sind sympathische, wenn auch etwas klischeehafte, Träger dieser Geschichte, die zeigen möchte, wer und was Anne Boleyn geformt haben. Ein gutes Debüt mit Potenzial nach oben für zukünftige Romane, auf die ich sehr gespannt bin.

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Titel: Der Gesang des Falken
Verlag: Knaur TB
Autor*in: Lea Gernstenberger
Erscheinungsdatum: 01.06.2026
ISBN: 978-3-426-56430-1

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