Dienstag, 4. August 2026

Rezension: „Women of a Promiscous Nature“ von Donna Everheart

„Women of a Promiscous Nature“ von Donna Everheart
Quelle: Kensington
„Women of a Promiscous Nature“ von Donna Everheart ist ein historischer Roman, der die Inhaftierung junger Frauen aufgrund des als American Plan bekannten Regierungsprogramms thematisiert. Erschienen ist dieser im Januar 2026 bei Kensington. 

North Carolina, 1940er: Der sexuellen Freizügigkeit bezichtigt wird die junge Ruth Foster ungerechterweise inhaftiert und dazu gezwungen sich in der State Industrial Farm Colony for Women „medizinisch“ behandeln zu lassen. Alleinlebende unverheiratete Frauen stehen im Verdacht Soldaten mit sexuell übertragbare Krankheiten anzustecken. In der Einrichtung sollen sie lernen ein wichtiger und produktiver Teil der Gesellschaft zu werden. Dies geschieht überwiegend durch Arbeit und Strafen fürs Nichteinhalten bestimmter Regeln, die teils drakonisch sind. Überwacht wird das von der Einrichtungsleiterin Dorothy Baker, die wirklich davon überzeugt ist, den jungen Frauen zu helfen. Doch trotz ihrer Autorität und den drohenden Strafen wagen es einige aufzubegehren und für ihre Freiheit zu kämpfen. 

Dieser historische Roman beruht auf wahren Begebenheiten und verbindet den Chamberlain-Kahn-Act bekannt als American Plan mit den Reformschulen wie die State Industrial Farm Colony for Women. Ich habe den Klappentext gelesen und war sofort neugierig, denn davon hatte ich noch nie zuvor etwas gehört. 
Das Buch startet mit dramatischen Ereignissen, die einen Vorgeschmack auf die Ereignisse im Buch geben. Ich bin gut reingekommen und war neugierig darauf die Personen im Buch kennenzulernen. Darüber hinaus konnte ich mir alles gut vorstellen und hatte ein entsprechendes Kopfkino. 
Die einzelnen Kapitel sind in der dritten Person geschrieben, legen aber immer den Fokus auf eine bestimmte Perspektive und zeigen so die Gedanken und Beweggründe der einzelnen Personen auf. Diese unterschiedlichen Perspektiven haben dafür gesorgt, dass ich mir ein breites und differenziertes Bild über die State Industrial Farm Colony for Women machen konnte. Dabei wurde für mich aber auch eine Ambivalenz erzeugt, die ich sehr spannend fand und die zum Nachdenken einlädt. 

Dienstag, 14. Juli 2026

Rezension: „A Divine Fury“ von D. V. Bishop

„A Divine Fury“ von D. V. Bishop
Quelle: Macmillan UK
„A Divine Fury“ ist der vierte Band der Cesare Aldo-Reihe von D.V. Bishop. In diesem Band muss ein religiöser Serienkiller überführt werden. Erschienen ist der Historische Thriller im Januar 2025 bei Macmillan UK. 

Florenz, Herbst 1539: Nach seiner Zeit im Exil ist Cesare Aldo in die Stadt zurückgekehrt. Allerdings arbeitet er nun als Nachtwache und nicht mehr als Kommissar des gefürchtesten Strafgerichts. Als er einem Verdächtigen durch den Regen folgt, entdeckt er eine schreckliche Szene unter Michelangelos David-Statue. Leblose Augen blicken starr aus dem Gesicht eines Mannes, der wie ein Gekreuzigter platziert worden ist. Es ist eindeutig, dass hier religiöse Motive eine Rolle spielen. Als noch mehr Leichen auftauchen, glaubt Aldo, dass ein unheiliger Mörder die Bürger Florenz heimsucht. Beobachtend. Jagend. Wartend auf den perfekten Moment um erneut zuzuschlagen. 

Der vierte Band der Reihe und wieder ein Volltreffer. Ich mag sowohl Cesare Aldo als auch Carlo Strocchi, die sehr unterschiedlich sind und so jeder auf seine Weise zur Faszination dieser Reihe beitragen. 
Ich bin wie immer gut ins Buch hineingekommen. Die Leiche wird direkt im ersten Kapitel entdeckt und kurz danach taucht eine neue spannende Figur in dieser Reihe auf, von der ich hoffentlich in den Folgebänden noch einiges mitbekommen werde. Ich konnte mir alles gut vorstellen und habe das Kopfkino sehr genossen. Ich mag es sehr wie D. V. Bishop die Szenen zum Leben erweckt und dabei auch sehr viel zwischen die Zeilen packt. 

Mittwoch, 1. Juli 2026

Rezension: „Der Gesang des Falken“ von Lea Gerstenberger

„Der Gesang des Falken“ von Lea Gerstenberg
Quelle: Droemer-Knaur
„Der Gesang des Falken“ ist Lea Gerstenbergers Debütroman, in dem es ins Frankreich der Renaissance geht und die Jugendjahre, die Anne Boleyns Charakter geformt haben, beleuchtet werden. Erschienen ist der historische Roman im Juni 2026 Droemer Knaur. 

Paris, 1514. Der königliche Hof glänzt vor Pracht und Reichtum, doch hinter den Kulissen herrschen Missgunst und Intrigen. Marcelle, die Tochter des Großstallmeisters, verabscheut dieses Theater. Wirklich glücklich ist sie nur fernab des Hofes beim Zeichnen und mit ihrem einzigen Freund Jean, dem Sohn des Großfalkners. 
Als Marcelle von ihrem Vater gezwungen wird, sich als Hofdame der englischen Braut des Königs zu beweisen, wird ihr ein junges Mädchen zur Seite gestellt – Anne Boleyn. Sie scheint alle höfischen Tugenden zu verkörpern: elegant, gebildet, unnahbar. Deshalb darf sie auch in Frankreich bleiben, als ein neuer König den Thron besteigt. Doch Marcelle blickt bald hinter die Fassade der Engländerin und entdeckt in Anne eine Verbündete, deren Scharfsinn und verborgener Freiheitsdrang ihr imponieren. Kann ihre Freundschaft den beiden helfen, sich zwischen höfischen Intrigen und großen Träumen zu behaupten und ihren eigenen Weg zu finden? 

Als ich von Leas historischem Roman erfahren habe, war direkt klar, dass ich diesen sofort nach Erscheinen lesen muss. Ich folge ihr schon lange auf instagram und mag insbesondere den Adventskalender mit historischem Wissen in jedem Jahr. 
Mit dem Einstieg in dem Roman erfährt man bereits einiges über das spätere Schicksal von Anne Boleyn. Insgesamt wird ein eher wohlwollendes Bild von ihr erschaffen, was ich sehr mochte, ist sie als Henry VIII zweite Ehefrau doch eine eher umstrittene Figur. Auch sonst hatten die ersten Szenen in der Falknerei eine schöne Atmosphäre. Ich konnte mir alles sehr gut vorstellen und das blieb auch den gesamten Roman über so. 
Es wird ein Zetraum von wenigen Jahren abgedeckt, in denen Anne Boleyn am französischen Hof weilt und einige interessante historische Ereignisse miterleben wird, die sie für den Rest ihres Lebens prägen werden. Ich gebe zu, ich bin mit etwas falschen Erwartungen an den Roman herangegangen und so hatte ich erwartet, dass Anne Boleyn mehr im Mittelpunkt stehen wird. Das Nachwort klärt hierüber auf und hat mir so im Nachhinein noch einen etwas anderen Blickwinkel eröffnet. 

Mittwoch, 10. Juni 2026

Rezension: „Der Thron der Lilie“ von Daniel Wolf

„Der Thron der Lilie“ von Daniel Wolf
Quelle: Goldmann
„Der Thron der Lilie“ von Daniel Wolf ist der zweite Band aus der Templer-Reihe, in der es um den Templer-Orden Ende des 13. Jahrhunderts, Frankreich und den jungen Ritter Constantin geht. Erschienen ist der Roman im Mai 2026 bei Goldmann. 

Frankreich 1297: Während der Papst und der französische König einen erbitterten Machtkampf austragen, werden der Ritter Constantin Fleury, die Goliardin Mélisande und der Templer Gérard d’Acre von den Schatten ihrer Vergangenheit eingeholt. Feinde Constantins entführen Mélisande und seine schwangere Frau Agnès. Für die beiden Frauen beginnt ein Kampf ums Überleben. Um sie zu retten, muss Constantin sich hoch verschulden. Sein Freund Gérard, der sich auf einer heiklen Mission für den Templerorden befindet, hilft ihm, das Lösegeld nach Flandern zu bringen. Die rebellische Grafschaft taumelt am Rande eines Krieges, der Kronvasall Constantin gilt den Aufständischen als Todfeind. Auf der gefahrvollen Reise wird Gérard zudem mit alten Sünden konfrontiert und droht, an seiner Schuld zu zerbrechen … 

Historische Romane von Daniel Wolf lese ich immer gerne und auch der Einstieg in diesen Roman war gut gewählt. Templer Gérard wird Zeuge des Beginn eines Zwistes zwischen dem Papst und dem französischen Lilienthron. Zusammen mit einem kurzen Abriss über den historischen Hintergrund wird eine gute Grundlage für den weiteren Verlauf der Geschichte geschaffen. 
Der Roman hat unterschiedliche Perspektiven und folgt den verschiedenen Handlungssträngen. Viele lieb gewonnene Charaktere, aber auch altbekannte Feinde, lassen viel Spannung aufkommen. Frankreich, Flandern, Zypern und Armenien sind die Handlungsorte, die zusätzlich für Abwechslung sorgen. Insbesondere Armenien hat mir gefallen, weil ich darüber noch nicht so viel gelesen habe. 

Mittwoch, 3. Juni 2026

Rezension: „Pflaumenregen“ von Stephan Thome

„Pflaumenregen“ von Stephan Thome
Quelle: Suhrkamp
„Pflaumenregen“ von Stephan Thome ist ein historischer Roman der eine Familientragödie vor historischem Hintergrund beschreibt und zum Nachdenken über Identität einlädt. Erschienen ist der Historische Roman im November 2022 bei Suhrkamp. 

Taiwan in den 1940er Jahren, am Ende der japanischen Kolonialzeit. Während der Pazifische Krieg unaufhaltsam näher rückt, wächst die achtjährige Umeko behütet in einer Kleinstadt im Norden der Insel auf. Sie ist stolz auf ihr gutes Japanisch und himmelt ihren älteren Bruder an, den Star des örtlichen Baseballteams. Als die Armee jedoch am Ortsrand ein Lager für ausländische Kriegsgefangene einrichtet, gerät ihr Leben in einen Strudel aus Schuld und Verbrechen, der die Familie siebzig Jahre später immer noch gefangen hält. 

Im letzen Jahr habe ich mich mit Taiwan beschäftigt, ein Land, dessen Demokratie weit oben im Demokratieindex steht und über das ich zuvor eher weniger wusste. Dieser Roman wurde mir von zwei Personen aus der Buchbubble empfohlen. 
Ich bin gut in den Roman reingekommen und konnte mir alles gut vorstellen, dennoch merkt man sofort, dass es keine ganz einfache Lektüre wird. Der Roman deutet vieles an, bleibt vage und lässt den Lesenden seine eigenen Schlüsse ziehen, was das Leseerlebnis teilweise etwas diffus macht. 
Erzählt wird der Roman auf zwei Zeitebenen, es werden allerdings fast nie Daten genannt. Ich wusste nur, wann etwas zeitlich spielt, wenn ein historisches Ereignis wie z.B. Pearl Harbor erwähnt wird. Darüber hinaus gibt es immer wieder unterschiedliche Perspektiven, wobei Umekos und Keijis Sichtweise am häufigsten vorkam und manche auch nur einmal. 

Mittwoch, 27. Mai 2026

Rezension: „Das Rad der Welt“ von Hendrik Lambertus

„Das Rad der Welt“ von Hendrik Lambertus
Quelle: Rowohlt
„Das Rad der Welt“ ist ein historischer Roman von Hendrik Lambertus, in dem es um die Ebstorfer Weltkarte und seine mögliche Entstehung geht. Erschienen ist der Roman im Mai 2026 bei rowohlt. 

Lüneburg um 1300. Die junge Agnes leidet unter den Machtspielen ihres Vaters, des Fürsten Otto, der entschlossen ist, seine Tochter an einen Adeligen zu verheiraten. Doch Agnes' Liebe gilt der Wissenschaft: Begeistert studiert sie Werke der Naturkunde und Geografie. Sie erstellt Skizzen für eine eigene Darstellung der Welt, eine Karte, in die ihr gesamtes Wissen einfließen soll. 
Bei ihrer Recherche begegnet sie dem jungen Krämer Liudger, der ihre Leidenschaft teilt und in den sie sich verliebt. Sie plant, mit ihm davonzulaufen, den Standeszwängen zu entfliehen und endlich etwas von der Welt zu sehen, als ihr Vater hinter die Affäre kommt und sie zur Buße für den Rest ihrer Tage ins Heidekloster Ebstorf schickt. 
Agnes ist verzweifelt, bis sie den großen Wissensschatz des Klosters entdeckt: die Bibliothek. Während ihr Traum zu reisen in unerreichbare Ferne rückt, wächst die Entschlossenheit, ihre Karte fertigzustellen. Ein prunkvolles Dokument, das die Welt als großes Ganzes abbildet – eine Karte, die in die Geschichte eingehen könnte. Wenn es Agnes gelingt, sie zu vollenden ... 

Auf diesen Roman bin ich tatsächlich erst kurz vor seinem Erscheinen durch einen Newsletter und Posts des Autors aufmerksam geworden, war aber sofort neugierig, da es um eine Karte geht und wie sich die Menschen im Mittelalter die Welt vorgestellt haben. 
Im Prolog habe ich dann auch direkt die wissbegierige Agnes kennengelernt, die die gesamte Welt erkunden möchte und sich auf der Burg ihres Vaters eher eingeengt fühlt. Ich bin direkt gut ins Buch reingekommen und konnte mir die Ereignisse und die Umgebung gut vorstellen. 
Der Roman ist in 3 Teile unterteilt, die das Vorankommen der mappa mundi beschreiben. Im ersten Teil geht es um die Idee, im zweiten Teil um die Anfänge der Entstehung der Karte und der dritte Teil handelt von den Intensivierung und Fertigstellung der Karte. Unterschiedliche Perspektiven machen den Roman abwechslungsreich, bisweilen aber auch ein wenig schwer zu verfolgen, denn der Roman springt auch in der Zeit hin und her. 

Mittwoch, 13. Mai 2026

Rezension: „Mord in der Wiener Werkstätte“ von Beate Maly

„Mord in der Wiener Werkstätte“ von Beate Maly
Quelle: emons
„Mord in der Wiener Werkstätte“ von Beate Maly ist der Auftaktband einer neuen historischen Krimi-Reihe rund um Liliane Feigl und den Kommissar Max von Krause. Erschienen ist dieser im März 2024 bei emons. 

Wien, 1906: Die junge Fälscherin Lili wird bei einem Diebstahl erwischt. Um einer Strafe zu entgehen, verspricht sie Kommissar Max von Krause, sich eine ordentliche Arbeit zu suchen. Durch Zufall ergattert sie eine Aushilfsstelle in der legendären Wiener Werkstätte und ist begeistert vom Ideenreichtum der dort arbeitenden Frauen. Doch die kreative Idylle trügt: Eines Morgens findet Lili eine der Künstlerinnen erschlagen auf. Ihr Sinn für Gerechtigkeit ist geweckt, und während der fesche von Krause gleich mehrere Fälle zu lösen hat, nimmt Lili die Ermittlungen selbst in die Hand... 

Beate Maly hat im letzten Jahr den bronzenen Homer für „Mord im böhmischen Prater“ erhalten und ist mit dem zweiten Band dieser Reihe auch in diesem Jahr wieder nominiert. Das hat mich neugierig gemacht und gerade bei Krimi-Reihen bin ich eher late to the party, aber mittlerweile kann ich doch auch sagen, dass mir auch dieses Genre ganz gut gefällt. 
Ich bin gut ins Buch reingekommen und habe mich umgehend nach Wien versetzt gefühlt. Das Buch spielt zur Zeit der k.u.k. Monarchie, die ihre glänzendsten Zeiten allerdings schon hinter sich hat und in der die Unterschiede zwischen Arm und Reich gravierend sind. 
Mit gerade einmal 256 Seiten ist es ein für mich sehr kurzer Roman und ein Krimi der dementsprechend nicht unnötig in die Länge gezogen wird. Die Handlung schreitet schnell voran und dennoch gibt es auch kleinere Nebengeschichten, die einem die Protagonisten dieser Reihe näher bringen. Ich hätte mir tatsächlich sogar ein paar mehr Seiten gewünscht. Ermittlungsarbeit ist in diesem Roman etwas kurz gekommen und die Auflösung des Falles wird durch einen unglücklichen Umstand beschleunigt. 

Mittwoch, 6. Mai 2026

Rezension: „Mädchen, Frau, etc.“ von Bernardine Evaristo

„Mädchen, Frau, etc“ von Bernardine Evaristo
Quelle: Tropen
In „Mädchen, Frau, etc.“ von Bernardine Evaristo geht um die Geschichten schwarzer britischer Frauen über mehr als ein Jahrhundert verteilt. 2019 gewann das Buch den Booker Prize und wurde im Januar 2021 beim Tropen-Verlag auf deutsch veröffentlicht. 

Die Dramatikerin Amma steht kurz vor dem Durchbruch. In ihrer ersten Inszenierung am Londoner National Theatre setzt sie sich mit ihrer Identität als schwarze, lesbische Frau auseinander. Ihre gute Freundin Shirley hingegen ist nach jahrzehntelanger Arbeit an unterfinanzierten Londoner Schulen ausgebrannt. Carole hat Shirley, ihrer ehemaligen Lehrerin, viel zu verdanken, sie arbeitet inzwischen als erfolgreiche Investmentbankerin. Caroles Mutter Bummi will ebenfalls auf eigenen Füßen stehen und gründet eine Reinigungsfirma. Sie ist in Nigeria in armen Verhältnissen aufgewachsen und hat ihrer Tochter Carole aus guten Gründen einen englischen Vornamen gegeben. 
Auch wenn die Frauen, ihre Rollen und Lebensgeschichten in Bernardine Evaristos Mädchen, Frau etc. sehr unterschiedlich sind, ihre Entscheidungen, ihre Kämpfe, ihre Fragen stehen niemals nur für sich, sie alle erzählen von dem Wunsch, einen Platz in dieser Welt zu finden. 

Aufmerksam wurde ich auf das Buch durch eine instagram-Story. Das Buch wurde 2026 aus einer Schulbibliothek in Großbritannien verbannt und das hat mich zusammen mit dem Klappentext neugierig gemacht. 
Evaristo erzählt von 12 ganz unterschiedlichen Frauen, die meist schwarz sind oder zumindest schwarze Vorfahren haben. Das Buch ist in unterschiedliche Kapitel unterteilt, in denen jeweils 3 Frauen vorgestellt werden. In einem Kapitel hängen die Leben der Frauen zusammen, aber auch übergeordnet gibt es immer wieder eine Verbindung zwischen den Frauen. 
Mir gefiel dieses Buch mit Fortschreiten immer besser. Ich gebe zu anfangs war ich eher verhalten, ob es nun wirklich ein Buch für mich ist und ich kann es auch nicht so wirklich erklären. Es war von Anfang klar, dass dieses Buch wichtige Themen behandelt und das es lohnenswerte Perspektiven sein werden. 

Mittwoch, 15. April 2026

Rezension: „Tödliches Déjà-vu“ von René Anour

„Tödliches Déjà-vu“ von René Anour
Quelle: Heyne
Mit „Tödliches Déjà-vu“ von René Anour ist der dritte Teil der Provence-Krimi Reihe „Ein Fall für Commissaire Campanard“ erschienen. Diesmal sorgt ein Mord rund um das Thema Bienen für Aufsehen. Erschienen ist der Krimi im März 2026 bei Heyne. 

Die Provence, ein Land der Bienen: Doch Commissaire Louis Campanards Lavendelgarten wird kaum von ihnen besucht. Niemand kann das seltsame Verschwinden der Bienen erklären. Monique Gaillard, eine exzentrische Bioimkerin, kämpft um ihre Lieblinge. Immer wieder stört sie das öffentliche Leben in Grasse und ruft die Polizei hinaus auf ihren Hof um die Schuldigen anzuzeigen. Beweise für ihre Anschuldigung hat sie keine, aber Campanard ist sprachlos, wie harmonisch sie mit ihren Bienen umgeht. Ohne Schutzkleidung lässt sie die Insekten auf sich sitzen und bekommt keinen einzigen Stich ab. Bis sie kurz darauf tot aufgefunden wird. Zu Tode gestochen von ihren eigenen Bienen. Ein seltsamer Zufall, der Campanard misstrauisch macht. Denn schon vor Jahrzehnten gab es in der Region einen mysteriösen Unfall mit Bienen - und nun ein tödliches Déjà-Vu. 

Diesmal habe ich den Krimi im Urlaub gelesen, zwar nicht in der Provence, sondern noch etwas südlicher, aber Orangenbäume und andere lavendelfarbene Blüten und Pflanzen haben für das passende Leseambiente gesorgt. 
Der Einstieg ist gut gelungen und hat sofort neugierig gemacht. Neben der Aufklärung der Mordfälle habe ich auch das Team des Projet Obscur ins Herz geschlossen und erfahre gerne auch mehr über deren Vergangenheit. Vorstellen konnte ich mir alles wieder ganz wunderbar. 
Die Geschichte wird aus der Perspektive der Team-Mitglieder geschildert, so dass man bei allen wichtigen Entwicklungen in diesem Mordfall dran ist, aber relativ häufig sind diese auch zusammen an einem Ort. Der Fall beginnt zunächst recht ruhig und wird dann immer spannender. Thematisch geht es um Bienen und das Bienensterben in der Gegend, aber auch um Pflanzen und Pestizide mit denen diese behandelt werden. 

Mittwoch, 8. April 2026

Rezension: „Tage des Wandels“ von Ulrike Renk

„Tage des Wandels“ von Ulrike Renk
Quelle: Lübbe
„Tage des Wandels“ ist der zweite Teil der „Hof Kalmule“-Reihe von Ulrike Renk, in dem es um die Gegenreformation und den spanisch-niederländischen Krieg geht. Erschienen ist der historische Roman im März 2026 bei Lübbe. 

1568 beginnt mit der Schlacht von Heiligerlee der 80-jährige Krieg zwischen den Niederlanden und Spanien. Immer wieder dringen Truppen und Söldner in das Münsterland ein, plündern und brandschatzen. Dort wachsen die Zwillinge Eva und Adam auf. Durch die Besonderheit ihrer Geburt ist Adam, der zweite Zwilling, ein freier Mensch. Eva hingegen wächst als Eigenbehörige auf. Doch als der Krieg weiter wütet, beschließt der Vater, dass Eva und Adam ihren Status tauschen. So kann Adam als Eigenbehöriger den väterlichen Hof übernehmen und ist vor dem Dienst an der Waffe sicher. Eva ist frei. Sie nimmt einen neuen Weg, der ihr Glück und Unglück zugleich bringt ... 

Gerade das Ende des ersten Bandes hat mich doch noch neugierig auf den weiteren Verlauf dieser Reihe gemacht, denn die Zeit in der die Reihe spielt, finde ich spannend und ich finde es richtig gut, dass hier die Bauern und einfachen Menschen in Dörfern und Städten im Mittelpunkt stehen. 
Ich bin gut in diesen zweiten Band reingekommen und konnte mir alles wieder wunderbar vorstellen. Einige bekannte Gesichter aus dem Vorgänger machen den Übergang zur neuen Hauptfigur einfacher und sorgen dafür, dass ich mich sofort wieder angekommen gefühlt habe. 
Nichtsdestotrotz ist einige Zeit vergangen und es wurde sogar eine Generation übersprungen, so dass Eva und Adam bereits die Enkelgeneration sind. Während es im vorherigen Roman u. a. um den neuen Glauben und die Wiedertäufer ging, geht es nun um die Gegenreformation und das Wiedererstarken des Katholizismus, aber auch wieder um Krieg und Söldner die infolge des spanisch-niederländischen Krieges die Gegend gefährden in der Eva und Adam leben. 

Mittwoch, 1. April 2026

Rezension: „Der Schrein der Könige“ von Sabine Weiß

„Der Schrein der Könige“ von Sabine Weiß
Quelle: Lübbe
Sabine Weiß hat mit „Der Schrein der Könige“ einen historischen Roman über die Entstehung des Dreikönigsschreines in Köln geschrieben. Erschienen ist dieser bei Bastei Lübbe im März 2026. 

Ein unschätzbar wertvoller Schatz und ein Kunstwerk, wie es die Welt noch nicht gesehen hat. Nach der Eroberung Mailands gelingt Reinald von Dassel, dem mächtigen Erzbischof von Köln, ein Coup: Er spürt die Gebeine der Heiligen Drei Könige auf und überzeugt Kaiser Barbarossa, dass er diese in sein Erzbistum mitnehmen darf. Jahre später ist Köln überlaufen von Pilgern, die sich von den Reliquien Heilung versprechen. Noch liegen die Gebeine in einer unscheinbaren Kiste. Doch längst ist den Mächtigen der herausragende Ruf des Verduner Goldschmieds Nicolaus zu Ohren gekommen. Er soll einen Schrein schaffen, der den wertvollen Reliquien und der Stadt, in der sie aufbewahrt werden, alle Ehre macht. Die Kölner Goldschmiede sind jedoch alles andere als begeistert, dass ein Fremder ihnen den lukrativen Auftrag vor der Nase wegschnappt ... 

Historische Romane von Sabine Weiß sind bei mir gesetzt, egal um welche Zeit und welchen Ort es geht. Der Prolog ist bereits spannend und hebt die Bedeutung der Gebeine der Heiligen Drei Könige hervor. Ich war sofort in der Geschichte drin und konnte mir alles wunderbar vorstellen. Der Schreibstil ist angenehm zu lesen und lässt die Seiten nur so dahinfliegen. Erzählt wird die Geschichte aus mehreren Perspektiven, so dass man einen ausführlichen Einblick in die Ereignisse rund um die Entstehung des Schreines erhält und viel über die Stadt Köln erfährt. 
Ein langer Zeitraum wird geschildert und viele unterschiedliche Themen werden behandelt. Die Goldschmiedekunst und das Voranschreiten der Arbeiten nehmen einen großen Teil des Buches ein, aber auch die politischen Themen jener Zeit werden mit eingebunden sowie die Besonderheiten als auch die Heiligen der Stadt Köln. Auf jeder Seite merkt man das hier viel Wissen und Recherche eingeflossen ist.

Mittwoch, 11. März 2026

Rezension: „Felix Blom - Der Schatten von Berlin“ von Alex Beer

„Felix Blom - Der Schatten von Berlin“ von Alex Beer
Quelle: Limes
„Felix Blom - Der Schatten von Berlin“ von Alex Beer ist der zweite Band der Reihe rund um den ehemaligen Meisterdieb und nun Privatdetektiv Felix Blom und seiner Geschäftspartnerin Mathilde Voss. Erschienen ist dieser im Oktober 2023 bei Limes. 

Berlin, 1879: Der ehemalige Gauner Felix Blom und seine Geschäftspartnerin Mathilde Voss stehen kurz vor dem Bankrott. Da kommt den beiden Detektiven ein lukrativer Auftrag sehr gelegen: Sie sollen herausfinden, wer in die Gruft eines kürzlich verstorbenen Archäologie-Professors eingedrungen ist. Der Sarg wurde aufgebrochen, jedoch nichts gestohlen. Kurz darauf wird ein Kleinganove brutal ermordet, und die Fälle scheinen miteinander verbunden zu sein. Die Spur führt ausgerechnet zu Bloms einstigem Mentor, dem gerissenen Gangsterboss Arthur Lugowski. Felix und Mathilde ahnen nicht, dass sie bald zwischen die Fronten rivalisierender Banden geraten und Blom den Fall nicht nur mit legalen Mitteln lösen kann … 

Ich liebe den Einstieg dieser Bücher. Auch diesmal wieder bildet ein echter Artikel aus einer Zeitung die Grundlage für diesen fiktiven Kriminalfall und ich finde diese Idee wirklich großartig. Sofort bin ich gespannt darauf, was Alex Beer sich auf Grund dieser kurzen Meldung für eine Geschichte ausgedacht hat und ob ich diese dennoch irgendwie glaubwürdig finde. 
Das Buch ist aus der Sicht unterschiedlicher Personen im Buch geschrieben, die einen umfangreichen Einblick in die Ereignisse ermöglichen. Manchmal wechseln die Perspektiven recht schnell und mir wurde erst hinterher richtig bewusst, dass sich die Person geändert hat. Viele Personen werden benannt, außer der Mörder, der erst zum Ende hin wirklich eindeutig wird, zumindest für mich. 
Es wurde viele Details zum Berlin in der Kaiserzeit eingewoben. Dazu gehören, wie die Menschen unterschiedlicher Schichten gelebt haben, welche Personen durch die Polizei verfolgt wurden oder auch Etablissements, in denen die Menschen ihre Zeit verbracht haben. Ich habe hierbei einige neue Begriffe kennen gelernt und die Zeit wurde für mich zum Leben erweckt. 

Mittwoch, 4. März 2026

Rezension: „Black Butterflies“ von Priscilla Morris

„Black Butterflies“ von Priscilla Morris
Quelle: Penguin Random House
In „Black Butterflies“ erzählt Priscilla Morris anhand einer fiktionalisierten Geschichte aus dem ersten Jahr der Belagerung Sarajevo in den 90er Jahren. Erschienen ist der Roman im Juli 2025 bei Vintage von Penguin Random House. 

Sarajevo, Frühling 1992: Jede Nacht werden von nationalistischen Banden Barrikaden aufgestellt, die die Stadt in ethnische Enklaven unterteilt. Jeden Morgen werden diese von den Menschen, die dort leben, wieder niedergerissen - unabhängig davon ob sie serbisch, muslimisch oder kroatisch sind. 
Als Gewalt ausbricht schickt Zora, eine Künstlerin und Lehrerin, ihren Ehemann und ihre Mutter in die Sicherheit nach England, nichtsahnend das dies eine Trennung über einen längeren Zeitraum wird. Als die Stadt schließlich belagert und von der Außenwelt abgeschnitten wird, fliegt schwarze Asche über die Dächer der Stadt und doch finden Zora und die Freunde und Menschen, die mit ihr in der Stadt eingeschlossen sind, immer wieder Wege sich gegenseitig aufzubauen und neue Kraft zu schenken. 

Nachdem mir das Buch über den Bürgerkrieg in Sri Lanka, dass den Women‘s Prize for Fiction gewonnen hat, so gut gefallen hat, habe ich dort nach weiteren Büchern geschaut, die mich interessieren könnten. In diesem Buch geht es um den Beginn des Bosnienkrieges und es fängt erstmal recht harmlos an mit Barrikaden in Sarajevo, die niemand so wirklich ernst nimmt. Zora, die Hauptperson dieses Buches, ist bereits Mitte 50 und damit deutlich älter als in vielen anderen Büchern, die ich sonst so lese. Das hat mir sehr gefallen. Zora ist verheiratet, hat mit ihrem Mann ein Kind großgezogen, ist bereits Großmutter. Sie steht mitten im Leben, kann sich auf ihre Kunst und ihre Arbeit as Lehrerin konzentrieren und sie muss nun während einer Belagerung überleben und das ohne ihre Familie. 

Mittwoch, 18. Februar 2026

Rezension: „Die Stadt der Auserwählten“ von Michael Römling

„Die Stadt der Auserwählten“ von Michael Römling
Quelle: Rowohlt
In „Die Stadt der Auserwählten“ erzählt Michael Römling von der Zeit der Wiedertäufer in Münster im 16. Jahrhundert. Erschienen ist der Historische Roman im August 2025 bei Rowohlt.

1534: Die Bewegung der Täufer wächst von Tag zu Tag. Die religiöse Gemeinschaft, die Freiheit verspricht, zieht viele an. Maria, die Schwester des Kaisers, erteilt ihrem Leibwächter einen brisanten Auftrag: Jakob soll Ernestine aufspüren, ein Mädchen aus adeliger Familie, das sich der Bewegung angeschlossen hat. Jakob folgt ihr nach Münster, wo die Täufer das Jüngste Gericht erwarten. Er kommt bei einem Schmied unter, einem Mitglied der Gemeinde. Während Täuferanführer Matthys eine Schreckensherrschaft errichtet und der Bischof die Stadt belagert, verliebt sich Jakob in Katharina, die Schwester des Schmieds. Als er erfährt, wer Ernestine wirklich ist, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Kann er sie retten, bevor die neuen Herrscher der Stadt von ihrer Identität erfahren? Und kann Katharina den verblendeten Bruder zur Umkehr bewegen, bevor in der Stadt ein Blutbad angerichtet wird? 

Das Buch war bereits auf meinem Radar und wurde mir zusätzlich während des Lesens eines anderen Historischen Romans empfohlen. Das Interesse an der Geschichte der Wiedertäufer war geweckt und Michael Römling ist mir bereits mit seiner Tankred-Reihe ein Begriff. 
Der Roman beginnt direkt mit einer spannenden Szene, die einen direkt neugierig macht, wie es zu dieser kommen konnte. Anschließend werden die Protagonisten und Schauplätze vorgestellt. Ich konnte mir alles gut vorstellen und war dadurch schnell in der Geschichte drin. 
Erzählt wird diese aus mehreren Perspektiven, die einen guten Einblick in unterschiedliche Themen bieten, die sich hier auf unheilvolle Weise miteinander vermischen. Es gibt Einblicke in die politische Lage des 16. Jahrhunderts, die durch die zunächst unterschiedlichen Handlungsorte nicht nur auf Münster begrenzt ist. Die Entwicklung der Täuferbewegung wird nachgezeichnet und wie diese Gruppierung ihre Anziehungskraft in Münster entfalten konnte. Die Verschwörungserzählungen, die dabei erzählt werden, sind teilweise sehr abenteuerlich. Und es geht darum, wer die Herrschaft in Münster hat: der Bischof oder der Stadtrat und die Gilden. 

Mittwoch, 11. Februar 2026

Rezension: „Ritual of Fire“ von D.V. Bishop

„Ritual of Fire“- D. V. Bishop
Quelle: Pan Macmillan
„Ritual of Fire“ von D. V. Bishop ist der 3. Band der Cesare Aldo-Reihe, in dem es um eine Mordserie an den Faniciulli von Girolamo Savonarola geht. Erschienen ist der historische Thriller im August 2023 bei Macmillan UK. 

Florenz, Sommer 1538: Auf einem Rundgang finden die Nachtwächter die brennende und erhängte Leiche eines reichen Händlers. Die Umstände sind besonders: 40 Jahre zuvor wurde der Mönch Girolamo Savonarola auf die gleiche Weise und am selben Ort getötet. Bedeutet dieser neue Tötung, dass der rachsüchtige Geist Savonarolas zurückgekehrt ist oder steckt etwas anderes dahinter? Cesare Aldo hat seine Vermutungen, doch dieser ist mittlerweile im Florenzer Umland auf Verbrecherjagd und überlässt daher Carlo Strocchi die Ermittlungen. Als ein weiterer, viel öffentlicherer Mord geschieht, ist die Angst groß und so fliehen die, die es sich leisten können, aufs Land. Doch auch dort kann es gefährlich werden. 

Nach Band 3 kann ich sagen, die Cesare Aldo-Reihe ist eine sichere Bank. Es ging direkt spannend los und ich habe mich sofort wieder wohl gefühlt mit den Charakteren Aldo, Strocchi und Tomasia. Egal, ob es Florenz oder das Umland ist, ich konnte mir alles gut vorstellen und bin abgetaucht in dieser Geschichte trotz eher weniger Zeit zum Lesen. 
Die Geschichte wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt, die alle ihre Berechtigung haben und den Ereignissen mehr Tiefe oder manchmal auch eine Prise Humor verleihen. Ich habe viel über Florenz, das Umland und seine Regierung erfahren und ich habe Einblicke in die Sichtweisen der Charaktere übereinander bekommen. 
Dieses Buch klärt nicht nur eine Mordserie auf, sondern behandelt dabei auch andere wichtige Themen. Zwischenmenschliche Konflikte spielen eine Rolle sowie die eigenen Vorstellung bezüglich Moral und Gerechtigkeit. Dabei gibt das Buch keine Meinung vor, sondern schafft es geschickt zum Nachdenken anzuregen. 

Mittwoch, 28. Januar 2026

Rezension: „Am Fluss der Zeiten“ von Ulrike Renk

„Am Fluss der Zeiten“ von Ulrike Renk
Quelle: Lübbe
„Am Fluss der Zeiten“ von Ulrike Renk ist der Auftaktband einer Trilogie, in der es um den Hof Kalmule und das bäuerliche Leben im 16. und 17. Jahrhundert vor dem Hintergrund des spanisch-niederländischen und Dreißigjährigen Krieges geht. Erschienen ist dieser Historische Roman im September 2024 bei Lübbe. 

(Ich würde empfehlen den Klappentext nicht zu lesen, aber der Vollständigkeit füge ich diesen hier ein.) 
1551: Elze wächst mit ihren Geschwistern als Eigenbehörige auf dem großen Hof Kalmule auf.Die harte Arbeit auf den Feldern ist ihr Alltag. Doch ihr Leben wandelt sich von Grund auf, als sie ihre Familie verlassen muss und ihren Pflichtdienst als Küchenmagd in der Stadt Münster antritt. Eines Tages wird sie jedoch mit einer Magd der Herren von Oer getauscht und muss künftig auf der Wasserburg Kakesbeck leben, auf der ein Fluch liegt. Dort trifft sie auch Jacob wieder. Aber um den Müllerssohn ranken sich geheimnisvolle Gerüchte. Soll sie diesen Glauben schenken? Und wird Elze nun Teil der alten Prophezeiung werden, um den Fluch der Familie von Oer zu brechen? 

Eine Gesamtdarstellung des Dreißigjährigen Krieges habe ich abgebrochen, weil mich die Beschreibungen der einzelnen Schlachten ermüdet haben, an der Zeit bin ich dennoch weiterhin interessiert, wollte aber lieber in Romanform etwas dazu lesen. Wie der Zufall es so wollte bin ich dann bei dem Auftaktband dieser Reihe gelandet, der mir schon häufiger empfohlen worden ist. 
Ich bin ganz gut in den Roman hineingekommen und fand es spannend mal einen Historischen Romanen zu lesen, der die Perspektive der Bauern einnimmt und ihr Leben beschreibt. Dadurch entsteht ein komplett anderer Fokus. Dieser Perspektivwechsel hat mir gut gefallen, hatte aber auch seine Schwächen. 
Das Zusammenleben auf einem Bauernhof, die zu erledigenden Arbeiten und der Zusammenhalt in der bäuerlichen Gemeinschaft werden sehr ausführlich beschrieben. Darüber hinaus gibt es auch einiges zu rechtlichen Aspekten des Standes. Das fand ich durchaus spannend, aber irgendwie hat sich die Geschichte dadurch auch gezogen und hatte lange Zeit für mich kein wirkliches Ziel. 

Mittwoch, 14. Januar 2026

Rezension: „The Lion Women of Tehran“ von Marjan Kamali

„The Lion Women of Tehran“ von Marjan Kamali
Quelle: Simon & Schuster UK
„The Lion Women of Tehran“ von Marjan Kamali ist ein Roman über Freundschaft, Verrat und Versöhnung und verfolgt die Geschichte Teherans und Irans über drei Jahrzehnte. Erschienen ist der Roman im November 2024 bei Simon & Schuster. 

Tehran, 1950er: Ellie zieht gemeinsam mit ihrer Mutter in ein neues Viertel als ihr Vater stirbt. Dort fühlt sie sich zunächst sehr einsam, denn ihre Mutter trauert dem alten Leben im Reichtum sehr nach. Doch dies ändert sich als sie in die Schule kommt und an ihrem ersten Tag Homa kennenlernt. Beide werden schnell beste Freunde, spielen zusammen, lernen kochen und besuchen den Bazar. Ihre Wege trennen sich zunächst als Ellies Mutter erneut heiratet und sie wieder zur Elite der Gesellschaft gehört. Doch Homa schafft es durch ihren Ehrgeiz und ihre Intelligenz an die Eliteschule, zu der auch Ellie geht. Beide nehmen ihre Freundschaft wieder auf, doch es stellt sich heraus, dass sie sehr unterschiedliche Ziele für ihre Zukunft haben. Als die politischen Unruhen im Iran immer stärker werden, hat ein Verrat enorme Konsequenzen und wird zu einer harten Belastungsprobe für diese Freundschaft. 

Dieses Buch habe ich auf Grund der aktuellen Nachrichten aus dem Iran nochmal angefangen und diesmal war es der richtige Zeitpunkt. Ich bin durch die ersten Seiten geflogen und habe mich an der Freundschaft der beiden 7jährigen Mädchen erfreut, die gemeinsam zur Schule gehen. 
Zu Beginn wird der Roman aus Elahehs (Ellies) Sicht beschrieben. Im Verlaufe des Buches kommt Homas Sichtweise hinzu. Die Freundschaft der beiden Mädchen steht im Vordergrund, dennoch habe ich einiges über das Leben und die Veränderungen in Teheran und Iran erfahren. Dadurch ist es auch ein politisches Buch, aber ich finde eines, dem man gut folgen kann und das nicht zu sehr ins Detail geht. Dennoch spielen die Konsilidierung der Macht des Shahs, die Islamische Revolution und Proteste in diesem Buch eine Rolle. 
Während des Lesens hätte ich mir manchmal mehr Input zu den politischen Ereignissen gewünscht, aber am Ende muss ich doch sagen, hat es genauso gepasst, wie die Geschichte erzählt wurde. Mich hat dieses Buch sehr berührt, dadurch, das eben diese zwischenmenschliche Beziehung im Vordergrund steht. Ich denke, das ist etwas, mit dem sich auch mehr Menschen identifizieren können. 

Mittwoch, 7. Januar 2026

Rezension: „Die weiße Nacht“ von Anne Stern

„Die weiße Nacht“ von Anne Stern
Quelle: Piper
„Die weiße Nacht - Der erste Fall für Lou & König“ von Anne Stern ist der Auftaktband zu einer neuen Krimi-Reihe, die in der Nachkriegszeit angesiedelt ist und in der Kriminalkommissar Alfred König und Lou Faber ermitteln. Erschienen ist der Historische Krimi im Januar 2026 bei Piper. 

Kriminalkommissar Alfred König bekommt es im Hungerwinter 1946/47 mit einer Frauenleiche im Schnee zu tun. Die junge Fotografin Lou Faber hat die Tote in den Ruinen gefunden und trägt mit ihren Fotos unfreiwillig zur Ermittlung bei. Während Heiligabend näherrückt, lassen Lou die gefalteten Hände der Toten nicht los. Mit ihrer Intuition hilft sie König und ahnt bald, dass hinter seinem Schweigen ein Geheimnis steckt, das sie verbindet. Der Fund weiterer Leichen setzt die Ermittler unter Zeitdruck und weist in eine neue Richtung, zurück in die finstere Vergangenheit. 

Hier konnte ich nur schwer widerstehen und wollte sofort einsteigen. Ihre Fräulein Gold-Reihe gefällt mir so gut und wenn jemand die Zwischentöne einer Zeit einfangen kann, dann ist es Anne Stern. 
Diese Reihe fängt tatsächlich mit dem Fund einer Leiche an und doch ist da direkt so viel mehr. Der Ort Berlin ist geblieben, doch der zweite Weltkrieg ist beendet und das zweite Weihnachtsfest in Frieden steht bevor. Ich fühlte mich direkt in die Zeit versetzt und konnte mir alles bildlich vorstellen. 
Mehrere Perspektiven wechseln sich ab und gewähren Einblick in den Alltag der Menschen im Hungerwinter 1946/1947. Die Versorgung der Menschen mit Nahrungsmitteln ist schwierig, überall in Berlin gibt es Ruinen, es ist nicht leicht Arbeit zu finden, die Polizei muss neu aufgebaut werden und der Schwarzmarkt blüht. All dies fängt Anne Stern wunderbar ein und zeigt auch die Ambivalenzen auf, die diese Zeit prägen. 

Montag, 22. Dezember 2025

Jahresrückblick 2025

 

Jahresrückblick 2025

Wieder neigt sich ein Jahr dem Ende zu und es wird Zeit auf das Lesejahr zurückzublicken. Auch 2025 war ich auf einigen tollen Lesungen und Buchmessen. Das Lesungsjahr 2025 startete mit einer Ladies Crime Night bei mir vor Ort und endlich war Sabine Weiß mit dabei, die ich am Tag darauf allerdings direkt wieder bei einem Book & Breakfast im Klassik Altstadt Hotel besucht habe. So ein Frühstück zusammen mit einer Lesung gibt noch mal eine ganz andere intimere Atmosphäre für eine Lesung. Das kann ich euch nur empfehlen. Im März stand dann die Leipziger Buchmesse auf dem Programm. Dort habe ich wieder viele von euch getroffen und hatte eine wunderbare Zeit. Mein witzigster Schnappschuss ist wahrscheinlich neben Claudia Roth entstanden, die zu dem Zeitpunkt noch Kulturstaatsministerin war. Im Sommer war ich dann zu einigen Lsungen in Lübeck und Hamburg unterwegs, z.B. in einer Kneipe bei Tresenlesen oder im Stadtpark mit einem tollen Stück Kuchen. Meine Highlights im Herbst und Winter waren dann die 4. Book Oldesloe in Bad Oldesloe mit einem vielfältigen Programm und „Weihnachten bei den Buddenbrooks“ im Klassik Altstadt Hotel, dass mich so richtig in Weihnachtsstimmung gebracht hat. Bevor wir uns nun endlich den Zahlen widmen, möchte ich euch wunderbare Tage im Kreise eurer Familie und Freunde und einen guten Rutsch ins neues Jahr wünschen.


Erstmal ein paar Zahlen für die Statistik

 

60 Bücher habe ich im Jahr 2025 gelesen. Insgesamt komme ich auf 25.925 Seiten und 2.160 Seiten im Schnitt pro Monat. Meine Durschschnittsbewertung liegt bei 3.6 Sternen. Dies Jahr habe ich wieder mehr gelesen.
Meine gelesenen Bücher haben sich wie folgt auf die einzelnen Genre verteilt: Sachbücher mit 30 Büchern sind in diesem Jahr der Spitzenreiter, was daran liegen mag, dass ich zu einem Roman immer ein Sachbuch parallel lese und ich habe noch so viele spannende Sachbücher auf meinem SUB, die ich lesen möchte. Darauf folgen Historische Romane mit 14 Büchern, was mein nach wie vor hohes Interesse an historischen Themen zeigt, denn auch bei den Sachbüchern geht es meist um historische oder politische Themen. Darüber hinaus habe ich 7x Romane, 5x Fantasy, 3x Science-Fiction und 2x Krimi gelesen. 

Mittwoch, 26. November 2025

Rezension: „Fräulein Gold - Der Preis der Freiheit“ von Anne Stern

„Fräulein Gold - Der Preis der Freiheit“ von Anne Stern
Quelle: Rowohlt
„Fräulein Gold - Der Preis der Freiheit“ von Anne Stern ist mittlerweile der 8. Band der Reihe. Diesmal geht es um das Frauengefängnis in der Barnimstraße und ein Mord, der dort aufgeklärt werden soll. Erschienen ist der Roman im November 2025. 

Berlin, 1932: Hulda Gold hat eine neue Wirkungsstätte als Hebamme gefunden. Im berüchtigten Frauengefängnis Barnimstraße versorgt sie inhaftierte Schwangere und entwickelt einen guten Draht zu den oftmals verzweifelten Frauen. Als innerhalb der Gefängnismauern eine junge Insassin völlig unerwartet stirbt, kann Hulda nicht untätig bleiben. Bald kommen Zweifel wegen der Todesursache auf, und der Verdacht fällt auf Anna Marwitz, die bereits wegen Mordes verurteilt ist. Doch Hulda kann nicht glauben, dass diese verschüchterte Frau, die kurz vor der Entbindung ihres ersten Kindes steht, wirklich eine mehrfache Mörderin sein soll. Mit der Aufklärung des Falls wird ausgerechnet Irma Siegel betraut. Hulda und die Kriminalkommissarin kennen sich von früher, und sie gingen nicht als Freundinnen auseinander. Aber während sich die politischen Kräfte in Deutschland immer mehr radikalisieren, müssen sie nun gemeinsam gegen das Unrecht kämpfen – für die Zukunft aller Frauen und auch die ihrer eigenen Familien. 

Mittlerweile ist das Jahr 1932 erreicht und ich hatte ehrlich gesagt erwartet, dass mich dieser Band emotional zerstören wird. Emotional war es teilweise, aber tatsächlich doch nicht so heftig wie erwartet. 
Die Welt von Hulda Gold ist zu einem Teil meines Lebens geworden und so brauch ich wirklich nicht lange, um ins Geschehen reinzukommen. Ich bin immer neugierig darauf, um welches Thema es im neuen Band geht und ich bin gespannt, was sich verändert hat. Dabei versteht es Anne Stern viele Informationen in einem Kapitel unterzubringen. Ihre Stärke alltägliche Situationen mit Botschaften zwischen den Zeilen zu verbinden, bewundere ich immer wieder sehr. Die positiven wie negativen Begebenheiten liegen hierbei oft beieinander und bringen mich beim Lesen auch immer wieder zum Innehalten.