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| Quelle: Suhrkamp |
Taiwan in den 1940er Jahren, am Ende der japanischen Kolonialzeit. Während der Pazifische Krieg unaufhaltsam näher rückt, wächst die achtjährige Umeko behütet in einer Kleinstadt im Norden der Insel auf. Sie ist stolz auf ihr gutes Japanisch und himmelt ihren älteren Bruder an, den Star des örtlichen Baseballteams. Als die Armee jedoch am Ortsrand ein Lager für ausländische Kriegsgefangene einrichtet, gerät ihr Leben in einen Strudel aus Schuld und Verbrechen, der die Familie siebzig Jahre später immer noch gefangen hält.
Im letzen Jahr habe ich mich mit Taiwan beschäftigt, ein Land, dessen Demokratie weit oben im Demokratieindex steht und über das ich zuvor eher weniger wusste. Dieser Roman wurde mir von zwei Personen aus der Buchbubble empfohlen.
Ich bin gut in den Roman reingekommen und konnte mir alles gut vorstellen, dennoch merkt man sofort, dass es keine ganz einfache Lektüre wird. Der Roman deutet vieles an, bleibt vage und lässt den Lesenden seine eigenen Schlüsse ziehen, was das Leseerlebnis teilweise etwas diffus macht.
Erzählt wird der Roman auf zwei Zeitebenen, es werden allerdings fast nie Daten genannt. Ich wusste nur, wann etwas zeitlich spielt, wenn ein historisches Ereignis wie z.B. Pearl Harbor erwähnt wird. Darüber hinaus gibt es immer wieder unterschiedliche Perspektiven, wobei Umekos und Keijis Sichtweise am häufigsten vorkam und manche auch nur einmal.
Zur Verwirrung trägt bei, dass sich Namen von Personen sowie Orten im Roman teilweise ändern und auch gleichzeitig genutzt werden. Der Roman behandelt unheimlich viele Themen und gibt einen guten Überblick über die taiwanische Geschichte vom Ende der japanischen Kolonialzeit über die Militärdiktatur der KMT hin zur Demokratie. Identität, Diskriminierung, Unterdrückung, Propaganda und Sprache spielen im Gefüge der Geschichte eine wichtige Rolle.
Ich habe die Geschichte der Protagonisten gerne verfolgt, aber es ist für mich kein Buch zum Mitfiebern. Unterschiedliche Generationen treffen hier aufeinander, die unterschiedlich geprägt sind, die unterschiedlich mit den Ereignissen im Buch umgehen, die sich mal besser, mal schlechter an neue Gegebenheiten anpassen können und in diesem Buch eben auch scheitern. Alle sind eher tragische Figuren und die Ereignisse aus den vorherigen Jahrzehnten haben sogar Auswirkungen auf die Enkel und Urenkelgeneration.
Es ist ein Buch, das zum Nachdenken und Innehalten einlädt, das teilweise düster daherkommt, aber auch fröhliche Momente kennt, das mir die Geschichte eines Landes näher gebracht hat, mit dem ich mich bisher eher weniger beschäftigt habe. Manche Passagen, die ziemlich nahe an unserer heutigen Zeit spielen, haben in manche Ereignisse des Buches ein wenig Licht gebracht. Nichtsdestotrotz will ich das ein oder andere Sachbuch zu den Themen im Buch lesen und habe auch einen Buchtipp für eine taiwanische Fantasy-Buchreihe für mich mitgenommen.
Fazit: Ein empfehlenswerter historischer Roman, wenn man mehr über die taiwanische Geschichte erfahren möchte. Kein Buch, dass man mal eben wegliest, aber eines, das unglaublich viel Inhalt hat und viel zum Nachdenken gibt. Mir hat das Lesen dieser Geschichte am Ende viel mitgegeben.
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Verlag: Suhrkamp
Autor*in: Stephan Thome
Erscheinungsdatum: 23.11.2022
ISBN: 978-3-518-47283-5

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