Mittwoch, 6. Mai 2026

Rezension: „Mädchen, Frau, etc.“ von Bernardine Evaristo

„Mädchen, Frau, etc“ von Bernardine Evaristo
Quelle: Tropen
In „Mädchen, Frau, etc.“ von Bernardine Evaristo geht um die Geschichten schwarzer britischer Frauen über mehr als ein Jahrhundert verteilt. 2019 gewann das Buch den Booker Prize und wurde im Januar 2021 beim Tropen-Verlag auf deutsch veröffentlicht. 

Die Dramatikerin Amma steht kurz vor dem Durchbruch. In ihrer ersten Inszenierung am Londoner National Theatre setzt sie sich mit ihrer Identität als schwarze, lesbische Frau auseinander. Ihre gute Freundin Shirley hingegen ist nach jahrzehntelanger Arbeit an unterfinanzierten Londoner Schulen ausgebrannt. Carole hat Shirley, ihrer ehemaligen Lehrerin, viel zu verdanken, sie arbeitet inzwischen als erfolgreiche Investmentbankerin. Caroles Mutter Bummi will ebenfalls auf eigenen Füßen stehen und gründet eine Reinigungsfirma. Sie ist in Nigeria in armen Verhältnissen aufgewachsen und hat ihrer Tochter Carole aus guten Gründen einen englischen Vornamen gegeben. 
Auch wenn die Frauen, ihre Rollen und Lebensgeschichten in Bernardine Evaristos Mädchen, Frau etc. sehr unterschiedlich sind, ihre Entscheidungen, ihre Kämpfe, ihre Fragen stehen niemals nur für sich, sie alle erzählen von dem Wunsch, einen Platz in dieser Welt zu finden. 

Aufmerksam wurde ich auf das Buch durch eine instagram-Story. Das Buch wurde 2026 aus einer Schulbibliothek in Großbritannien verbannt und das hat mich zusammen mit dem Klappentext neugierig gemacht. 
Evaristo erzählt von 12 ganz unterschiedlichen Frauen, die meist schwarz sind oder zumindest schwarze Vorfahren haben. Das Buch ist in unterschiedliche Kapitel unterteilt, in denen jeweils 3 Frauen vorgestellt werden. In einem Kapitel hängen die Leben der Frauen zusammen, aber auch übergeordnet gibt es immer wieder eine Verbindung zwischen den Frauen. 
Mir gefiel dieses Buch mit Fortschreiten immer besser. Ich gebe zu anfangs war ich eher verhalten, ob es nun wirklich ein Buch für mich ist und ich kann es auch nicht so wirklich erklären. Es war von Anfang klar, dass dieses Buch wichtige Themen behandelt und das es lohnenswerte Perspektiven sein werden. 

Mittwoch, 15. April 2026

Rezension: „Tödliches Déjà-vu“ von René Anour

„Tödliches Déjà-vu“ von René Anour
Quelle: Heyne
Mit „Tödliches Déjà-vu“ von René Anour ist der dritte Teil der Provence-Krimi Reihe „Ein Fall für Commissaire Campanard“ erschienen. Diesmal sorgt ein Mord rund um das Thema Bienen für Aufsehen. Erschienen ist der Krimi im März 2026 bei Heyne. 

Die Provence, ein Land der Bienen: Doch Commissaire Louis Campanards Lavendelgarten wird kaum von ihnen besucht. Niemand kann das seltsame Verschwinden der Bienen erklären. Monique Gaillard, eine exzentrische Bioimkerin, kämpft um ihre Lieblinge. Immer wieder stört sie das öffentliche Leben in Grasse und ruft die Polizei hinaus auf ihren Hof um die Schuldigen anzuzeigen. Beweise für ihre Anschuldigung hat sie keine, aber Campanard ist sprachlos, wie harmonisch sie mit ihren Bienen umgeht. Ohne Schutzkleidung lässt sie die Insekten auf sich sitzen und bekommt keinen einzigen Stich ab. Bis sie kurz darauf tot aufgefunden wird. Zu Tode gestochen von ihren eigenen Bienen. Ein seltsamer Zufall, der Campanard misstrauisch macht. Denn schon vor Jahrzehnten gab es in der Region einen mysteriösen Unfall mit Bienen - und nun ein tödliches Déjà-Vu. 

Diesmal habe ich den Krimi im Urlaub gelesen, zwar nicht in der Provence, sondern noch etwas südlicher, aber Orangenbäume und andere lavendelfarbene Blüten und Pflanzen haben für das passende Leseambiente gesorgt. 
Der Einstieg ist gut gelungen und hat sofort neugierig gemacht. Neben der Aufklärung der Mordfälle habe ich auch das Team des Projet Obscur ins Herz geschlossen und erfahre gerne auch mehr über deren Vergangenheit. Vorstellen konnte ich mir alles wieder ganz wunderbar. 
Die Geschichte wird aus der Perspektive der Team-Mitglieder geschildert, so dass man bei allen wichtigen Entwicklungen in diesem Mordfall dran ist, aber relativ häufig sind diese auch zusammen an einem Ort. Der Fall beginnt zunächst recht ruhig und wird dann immer spannender. Thematisch geht es um Bienen und das Bienensterben in der Gegend, aber auch um Pflanzen und Pestizide mit denen diese behandelt werden. 

Mittwoch, 8. April 2026

Rezension: „Tage des Wandels“ von Ulrike Renk

„Tage des Wandels“ von Ulrike Renk
Quelle: Lübbe
„Tage des Wandels“ ist der zweite Teil der „Hof Kalmule“-Reihe von Ulrike Renk, in dem es um die Gegenreformation und den spanisch-niederländischen Krieg geht. Erschienen ist der historische Roman im März 2026 bei Lübbe. 

1568 beginnt mit der Schlacht von Heiligerlee der 80-jährige Krieg zwischen den Niederlanden und Spanien. Immer wieder dringen Truppen und Söldner in das Münsterland ein, plündern und brandschatzen. Dort wachsen die Zwillinge Eva und Adam auf. Durch die Besonderheit ihrer Geburt ist Adam, der zweite Zwilling, ein freier Mensch. Eva hingegen wächst als Eigenbehörige auf. Doch als der Krieg weiter wütet, beschließt der Vater, dass Eva und Adam ihren Status tauschen. So kann Adam als Eigenbehöriger den väterlichen Hof übernehmen und ist vor dem Dienst an der Waffe sicher. Eva ist frei. Sie nimmt einen neuen Weg, der ihr Glück und Unglück zugleich bringt ... 

Gerade das Ende des ersten Bandes hat mich doch noch neugierig auf den weiteren Verlauf dieser Reihe gemacht, denn die Zeit in der die Reihe spielt, finde ich spannend und ich finde es richtig gut, dass hier die Bauern und einfachen Menschen in Dörfern und Städten im Mittelpunkt stehen. 
Ich bin gut in diesen zweiten Band reingekommen und konnte mir alles wieder wunderbar vorstellen. Einige bekannte Gesichter aus dem Vorgänger machen den Übergang zur neuen Hauptfigur einfacher und sorgen dafür, dass ich mich sofort wieder angekommen gefühlt habe. 
Nichtsdestotrotz ist einige Zeit vergangen und es wurde sogar eine Generation übersprungen, so dass Eva und Adam bereits die Enkelgeneration sind. Während es im vorherigen Roman u. a. um den neuen Glauben und die Wiedertäufer ging, geht es nun um die Gegenreformation und das Wiedererstarken des Katholizismus, aber auch wieder um Krieg und Söldner die infolge des spanisch-niederländischen Krieges die Gegend gefährden in der Eva und Adam leben. 

Mittwoch, 1. April 2026

Rezension: „Der Schrein der Könige“ von Sabine Weiß

„Der Schrein der Könige“ von Sabine Weiß
Quelle: Lübbe
Sabine Weiß hat mit „Der Schrein der Könige“ einen historischen Roman über die Entstehung des Dreikönigsschreines in Köln geschrieben. Erschienen ist dieser bei Bastei Lübbe im März 2026. 

Ein unschätzbar wertvoller Schatz und ein Kunstwerk, wie es die Welt noch nicht gesehen hat. Nach der Eroberung Mailands gelingt Reinald von Dassel, dem mächtigen Erzbischof von Köln, ein Coup: Er spürt die Gebeine der Heiligen Drei Könige auf und überzeugt Kaiser Barbarossa, dass er diese in sein Erzbistum mitnehmen darf. Jahre später ist Köln überlaufen von Pilgern, die sich von den Reliquien Heilung versprechen. Noch liegen die Gebeine in einer unscheinbaren Kiste. Doch längst ist den Mächtigen der herausragende Ruf des Verduner Goldschmieds Nicolaus zu Ohren gekommen. Er soll einen Schrein schaffen, der den wertvollen Reliquien und der Stadt, in der sie aufbewahrt werden, alle Ehre macht. Die Kölner Goldschmiede sind jedoch alles andere als begeistert, dass ein Fremder ihnen den lukrativen Auftrag vor der Nase wegschnappt ... 

Historische Romane von Sabine Weiß sind bei mir gesetzt, egal um welche Zeit und welchen Ort es geht. Der Prolog ist bereits spannend und hebt die Bedeutung der Gebeine der Heiligen Drei Könige hervor. Ich war sofort in der Geschichte drin und konnte mir alles wunderbar vorstellen. Der Schreibstil ist angenehm zu lesen und lässt die Seiten nur so dahinfliegen. Erzählt wird die Geschichte aus mehreren Perspektiven, so dass man einen ausführlichen Einblick in die Ereignisse rund um die Entstehung des Schreines erhält und viel über die Stadt Köln erfährt. 
Ein langer Zeitraum wird geschildert und viele unterschiedliche Themen werden behandelt. Die Goldschmiedekunst und das Voranschreiten der Arbeiten nehmen einen großen Teil des Buches ein, aber auch die politischen Themen jener Zeit werden mit eingebunden sowie die Besonderheiten als auch die Heiligen der Stadt Köln. Auf jeder Seite merkt man das hier viel Wissen und Recherche eingeflossen ist.

Mittwoch, 11. März 2026

Rezension: „Felix Blom - Der Schatten von Berlin“ von Alex Beer

„Felix Blom - Der Schatten von Berlin“ von Alex Beer
Quelle: Limes
„Felix Blom - Der Schatten von Berlin“ von Alex Beer ist der zweite Band der Reihe rund um den ehemaligen Meisterdieb und nun Privatdetektiv Felix Blom und seiner Geschäftspartnerin Mathilde Voss. Erschienen ist dieser im Oktober 2023 bei Limes. 

Berlin, 1879: Der ehemalige Gauner Felix Blom und seine Geschäftspartnerin Mathilde Voss stehen kurz vor dem Bankrott. Da kommt den beiden Detektiven ein lukrativer Auftrag sehr gelegen: Sie sollen herausfinden, wer in die Gruft eines kürzlich verstorbenen Archäologie-Professors eingedrungen ist. Der Sarg wurde aufgebrochen, jedoch nichts gestohlen. Kurz darauf wird ein Kleinganove brutal ermordet, und die Fälle scheinen miteinander verbunden zu sein. Die Spur führt ausgerechnet zu Bloms einstigem Mentor, dem gerissenen Gangsterboss Arthur Lugowski. Felix und Mathilde ahnen nicht, dass sie bald zwischen die Fronten rivalisierender Banden geraten und Blom den Fall nicht nur mit legalen Mitteln lösen kann … 

Ich liebe den Einstieg dieser Bücher. Auch diesmal wieder bildet ein echter Artikel aus einer Zeitung die Grundlage für diesen fiktiven Kriminalfall und ich finde diese Idee wirklich großartig. Sofort bin ich gespannt darauf, was Alex Beer sich auf Grund dieser kurzen Meldung für eine Geschichte ausgedacht hat und ob ich diese dennoch irgendwie glaubwürdig finde. 
Das Buch ist aus der Sicht unterschiedlicher Personen im Buch geschrieben, die einen umfangreichen Einblick in die Ereignisse ermöglichen. Manchmal wechseln die Perspektiven recht schnell und mir wurde erst hinterher richtig bewusst, dass sich die Person geändert hat. Viele Personen werden benannt, außer der Mörder, der erst zum Ende hin wirklich eindeutig wird, zumindest für mich. 
Es wurde viele Details zum Berlin in der Kaiserzeit eingewoben. Dazu gehören, wie die Menschen unterschiedlicher Schichten gelebt haben, welche Personen durch die Polizei verfolgt wurden oder auch Etablissements, in denen die Menschen ihre Zeit verbracht haben. Ich habe hierbei einige neue Begriffe kennen gelernt und die Zeit wurde für mich zum Leben erweckt. 

Mittwoch, 4. März 2026

Rezension: „Black Butterflies“ von Priscilla Morris

„Black Butterflies“ von Priscilla Morris
Quelle: Penguin Random House
In „Black Butterflies“ erzählt Priscilla Morris anhand einer fiktionalisierten Geschichte aus dem ersten Jahr der Belagerung Sarajevo in den 90er Jahren. Erschienen ist der Roman im Juli 2025 bei Vintage von Penguin Random House. 

Sarajevo, Frühling 1992: Jede Nacht werden von nationalistischen Banden Barrikaden aufgestellt, die die Stadt in ethnische Enklaven unterteilt. Jeden Morgen werden diese von den Menschen, die dort leben, wieder niedergerissen - unabhängig davon ob sie serbisch, muslimisch oder kroatisch sind. 
Als Gewalt ausbricht schickt Zora, eine Künstlerin und Lehrerin, ihren Ehemann und ihre Mutter in die Sicherheit nach England, nichtsahnend das dies eine Trennung über einen längeren Zeitraum wird. Als die Stadt schließlich belagert und von der Außenwelt abgeschnitten wird, fliegt schwarze Asche über die Dächer der Stadt und doch finden Zora und die Freunde und Menschen, die mit ihr in der Stadt eingeschlossen sind, immer wieder Wege sich gegenseitig aufzubauen und neue Kraft zu schenken. 

Nachdem mir das Buch über den Bürgerkrieg in Sri Lanka, dass den Women‘s Prize for Fiction gewonnen hat, so gut gefallen hat, habe ich dort nach weiteren Büchern geschaut, die mich interessieren könnten. In diesem Buch geht es um den Beginn des Bosnienkrieges und es fängt erstmal recht harmlos an mit Barrikaden in Sarajevo, die niemand so wirklich ernst nimmt. Zora, die Hauptperson dieses Buches, ist bereits Mitte 50 und damit deutlich älter als in vielen anderen Büchern, die ich sonst so lese. Das hat mir sehr gefallen. Zora ist verheiratet, hat mit ihrem Mann ein Kind großgezogen, ist bereits Großmutter. Sie steht mitten im Leben, kann sich auf ihre Kunst und ihre Arbeit as Lehrerin konzentrieren und sie muss nun während einer Belagerung überleben und das ohne ihre Familie. 

Mittwoch, 18. Februar 2026

Rezension: „Die Stadt der Auserwählten“ von Michael Römling

„Die Stadt der Auserwählten“ von Michael Römling
Quelle: Rowohlt
In „Die Stadt der Auserwählten“ erzählt Michael Römling von der Zeit der Wiedertäufer in Münster im 16. Jahrhundert. Erschienen ist der Historische Roman im August 2025 bei Rowohlt.

1534: Die Bewegung der Täufer wächst von Tag zu Tag. Die religiöse Gemeinschaft, die Freiheit verspricht, zieht viele an. Maria, die Schwester des Kaisers, erteilt ihrem Leibwächter einen brisanten Auftrag: Jakob soll Ernestine aufspüren, ein Mädchen aus adeliger Familie, das sich der Bewegung angeschlossen hat. Jakob folgt ihr nach Münster, wo die Täufer das Jüngste Gericht erwarten. Er kommt bei einem Schmied unter, einem Mitglied der Gemeinde. Während Täuferanführer Matthys eine Schreckensherrschaft errichtet und der Bischof die Stadt belagert, verliebt sich Jakob in Katharina, die Schwester des Schmieds. Als er erfährt, wer Ernestine wirklich ist, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Kann er sie retten, bevor die neuen Herrscher der Stadt von ihrer Identität erfahren? Und kann Katharina den verblendeten Bruder zur Umkehr bewegen, bevor in der Stadt ein Blutbad angerichtet wird? 

Das Buch war bereits auf meinem Radar und wurde mir zusätzlich während des Lesens eines anderen Historischen Romans empfohlen. Das Interesse an der Geschichte der Wiedertäufer war geweckt und Michael Römling ist mir bereits mit seiner Tankred-Reihe ein Begriff. 
Der Roman beginnt direkt mit einer spannenden Szene, die einen direkt neugierig macht, wie es zu dieser kommen konnte. Anschließend werden die Protagonisten und Schauplätze vorgestellt. Ich konnte mir alles gut vorstellen und war dadurch schnell in der Geschichte drin. 
Erzählt wird diese aus mehreren Perspektiven, die einen guten Einblick in unterschiedliche Themen bieten, die sich hier auf unheilvolle Weise miteinander vermischen. Es gibt Einblicke in die politische Lage des 16. Jahrhunderts, die durch die zunächst unterschiedlichen Handlungsorte nicht nur auf Münster begrenzt ist. Die Entwicklung der Täuferbewegung wird nachgezeichnet und wie diese Gruppierung ihre Anziehungskraft in Münster entfalten konnte. Die Verschwörungserzählungen, die dabei erzählt werden, sind teilweise sehr abenteuerlich. Und es geht darum, wer die Herrschaft in Münster hat: der Bischof oder der Stadtrat und die Gilden. 

Mittwoch, 11. Februar 2026

Rezension: „Ritual of Fire“ von D.V. Bishop

„Ritual of Fire“- D. V. Bishop
Quelle: Pan Macmillan
„Ritual of Fire“ von D. V. Bishop ist der 3. Band der Cesare Aldo-Reihe, in dem es um eine Mordserie an den Faniciulli von Girolamo Savonarola geht. Erschienen ist der historische Thriller im August 2023 bei Macmillan UK. 

Florenz, Sommer 1538: Auf einem Rundgang finden die Nachtwächter die brennende und erhängte Leiche eines reichen Händlers. Die Umstände sind besonders: 40 Jahre zuvor wurde der Mönch Girolamo Savonarola auf die gleiche Weise und am selben Ort getötet. Bedeutet dieser neue Tötung, dass der rachsüchtige Geist Savonarolas zurückgekehrt ist oder steckt etwas anderes dahinter? Cesare Aldo hat seine Vermutungen, doch dieser ist mittlerweile im Florenzer Umland auf Verbrecherjagd und überlässt daher Carlo Strocchi die Ermittlungen. Als ein weiterer, viel öffentlicherer Mord geschieht, ist die Angst groß und so fliehen die, die es sich leisten können, aufs Land. Doch auch dort kann es gefährlich werden. 

Nach Band 3 kann ich sagen, die Cesare Aldo-Reihe ist eine sichere Bank. Es ging direkt spannend los und ich habe mich sofort wieder wohl gefühlt mit den Charakteren Aldo, Strocchi und Tomasia. Egal, ob es Florenz oder das Umland ist, ich konnte mir alles gut vorstellen und bin abgetaucht in dieser Geschichte trotz eher weniger Zeit zum Lesen. 
Die Geschichte wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt, die alle ihre Berechtigung haben und den Ereignissen mehr Tiefe oder manchmal auch eine Prise Humor verleihen. Ich habe viel über Florenz, das Umland und seine Regierung erfahren und ich habe Einblicke in die Sichtweisen der Charaktere übereinander bekommen. 
Dieses Buch klärt nicht nur eine Mordserie auf, sondern behandelt dabei auch andere wichtige Themen. Zwischenmenschliche Konflikte spielen eine Rolle sowie die eigenen Vorstellung bezüglich Moral und Gerechtigkeit. Dabei gibt das Buch keine Meinung vor, sondern schafft es geschickt zum Nachdenken anzuregen. 

Mittwoch, 28. Januar 2026

Rezension: „Am Fluss der Zeiten“ von Ulrike Renk

„Am Fluss der Zeiten“ von Ulrike Renk
Quelle: Lübbe
„Am Fluss der Zeiten“ von Ulrike Renk ist der Auftaktband einer Trilogie, in der es um den Hof Kalmule und das bäuerliche Leben im 16. und 17. Jahrhundert vor dem Hintergrund des spanisch-niederländischen und Dreißigjährigen Krieges geht. Erschienen ist dieser Historische Roman im September 2024 bei Lübbe. 

(Ich würde empfehlen den Klappentext nicht zu lesen, aber der Vollständigkeit füge ich diesen hier ein.) 
1551: Elze wächst mit ihren Geschwistern als Eigenbehörige auf dem großen Hof Kalmule auf.Die harte Arbeit auf den Feldern ist ihr Alltag. Doch ihr Leben wandelt sich von Grund auf, als sie ihre Familie verlassen muss und ihren Pflichtdienst als Küchenmagd in der Stadt Münster antritt. Eines Tages wird sie jedoch mit einer Magd der Herren von Oer getauscht und muss künftig auf der Wasserburg Kakesbeck leben, auf der ein Fluch liegt. Dort trifft sie auch Jacob wieder. Aber um den Müllerssohn ranken sich geheimnisvolle Gerüchte. Soll sie diesen Glauben schenken? Und wird Elze nun Teil der alten Prophezeiung werden, um den Fluch der Familie von Oer zu brechen? 

Eine Gesamtdarstellung des Dreißigjährigen Krieges habe ich abgebrochen, weil mich die Beschreibungen der einzelnen Schlachten ermüdet haben, an der Zeit bin ich dennoch weiterhin interessiert, wollte aber lieber in Romanform etwas dazu lesen. Wie der Zufall es so wollte bin ich dann bei dem Auftaktband dieser Reihe gelandet, der mir schon häufiger empfohlen worden ist. 
Ich bin ganz gut in den Roman hineingekommen und fand es spannend mal einen Historischen Romanen zu lesen, der die Perspektive der Bauern einnimmt und ihr Leben beschreibt. Dadurch entsteht ein komplett anderer Fokus. Dieser Perspektivwechsel hat mir gut gefallen, hatte aber auch seine Schwächen. 
Das Zusammenleben auf einem Bauernhof, die zu erledigenden Arbeiten und der Zusammenhalt in der bäuerlichen Gemeinschaft werden sehr ausführlich beschrieben. Darüber hinaus gibt es auch einiges zu rechtlichen Aspekten des Standes. Das fand ich durchaus spannend, aber irgendwie hat sich die Geschichte dadurch auch gezogen und hatte lange Zeit für mich kein wirkliches Ziel. 

Mittwoch, 14. Januar 2026

Rezension: „The Lion Women of Tehran“ von Marjan Kamali

„The Lion Women of Tehran“ von Marjan Kamali
Quelle: Simon & Schuster UK
„The Lion Women of Tehran“ von Marjan Kamali ist ein Roman über Freundschaft, Verrat und Versöhnung und verfolgt die Geschichte Teherans und Irans über drei Jahrzehnte. Erschienen ist der Roman im November 2024 bei Simon & Schuster. 

Tehran, 1950er: Ellie zieht gemeinsam mit ihrer Mutter in ein neues Viertel als ihr Vater stirbt. Dort fühlt sie sich zunächst sehr einsam, denn ihre Mutter trauert dem alten Leben im Reichtum sehr nach. Doch dies ändert sich als sie in die Schule kommt und an ihrem ersten Tag Homa kennenlernt. Beide werden schnell beste Freunde, spielen zusammen, lernen kochen und besuchen den Bazar. Ihre Wege trennen sich zunächst als Ellies Mutter erneut heiratet und sie wieder zur Elite der Gesellschaft gehört. Doch Homa schafft es durch ihren Ehrgeiz und ihre Intelligenz an die Eliteschule, zu der auch Ellie geht. Beide nehmen ihre Freundschaft wieder auf, doch es stellt sich heraus, dass sie sehr unterschiedliche Ziele für ihre Zukunft haben. Als die politischen Unruhen im Iran immer stärker werden, hat ein Verrat enorme Konsequenzen und wird zu einer harten Belastungsprobe für diese Freundschaft. 

Dieses Buch habe ich auf Grund der aktuellen Nachrichten aus dem Iran nochmal angefangen und diesmal war es der richtige Zeitpunkt. Ich bin durch die ersten Seiten geflogen und habe mich an der Freundschaft der beiden 7jährigen Mädchen erfreut, die gemeinsam zur Schule gehen. 
Zu Beginn wird der Roman aus Elahehs (Ellies) Sicht beschrieben. Im Verlaufe des Buches kommt Homas Sichtweise hinzu. Die Freundschaft der beiden Mädchen steht im Vordergrund, dennoch habe ich einiges über das Leben und die Veränderungen in Teheran und Iran erfahren. Dadurch ist es auch ein politisches Buch, aber ich finde eines, dem man gut folgen kann und das nicht zu sehr ins Detail geht. Dennoch spielen die Konsilidierung der Macht des Shahs, die Islamische Revolution und Proteste in diesem Buch eine Rolle. 
Während des Lesens hätte ich mir manchmal mehr Input zu den politischen Ereignissen gewünscht, aber am Ende muss ich doch sagen, hat es genauso gepasst, wie die Geschichte erzählt wurde. Mich hat dieses Buch sehr berührt, dadurch, das eben diese zwischenmenschliche Beziehung im Vordergrund steht. Ich denke, das ist etwas, mit dem sich auch mehr Menschen identifizieren können. 

Mittwoch, 7. Januar 2026

Rezension: „Die weiße Nacht“ von Anne Stern

„Die weiße Nacht“ von Anne Stern
Quelle: Piper
„Die weiße Nacht - Der erste Fall für Lou & König“ von Anne Stern ist der Auftaktband zu einer neuen Krimi-Reihe, die in der Nachkriegszeit angesiedelt ist und in der Kriminalkommissar Alfred König und Lou Faber ermitteln. Erschienen ist der Historische Krimi im Januar 2026 bei Piper. 

Kriminalkommissar Alfred König bekommt es im Hungerwinter 1946/47 mit einer Frauenleiche im Schnee zu tun. Die junge Fotografin Lou Faber hat die Tote in den Ruinen gefunden und trägt mit ihren Fotos unfreiwillig zur Ermittlung bei. Während Heiligabend näherrückt, lassen Lou die gefalteten Hände der Toten nicht los. Mit ihrer Intuition hilft sie König und ahnt bald, dass hinter seinem Schweigen ein Geheimnis steckt, das sie verbindet. Der Fund weiterer Leichen setzt die Ermittler unter Zeitdruck und weist in eine neue Richtung, zurück in die finstere Vergangenheit. 

Hier konnte ich nur schwer widerstehen und wollte sofort einsteigen. Ihre Fräulein Gold-Reihe gefällt mir so gut und wenn jemand die Zwischentöne einer Zeit einfangen kann, dann ist es Anne Stern. 
Diese Reihe fängt tatsächlich mit dem Fund einer Leiche an und doch ist da direkt so viel mehr. Der Ort Berlin ist geblieben, doch der zweite Weltkrieg ist beendet und das zweite Weihnachtsfest in Frieden steht bevor. Ich fühlte mich direkt in die Zeit versetzt und konnte mir alles bildlich vorstellen. 
Mehrere Perspektiven wechseln sich ab und gewähren Einblick in den Alltag der Menschen im Hungerwinter 1946/1947. Die Versorgung der Menschen mit Nahrungsmitteln ist schwierig, überall in Berlin gibt es Ruinen, es ist nicht leicht Arbeit zu finden, die Polizei muss neu aufgebaut werden und der Schwarzmarkt blüht. All dies fängt Anne Stern wunderbar ein und zeigt auch die Ambivalenzen auf, die diese Zeit prägen. 

Montag, 22. Dezember 2025

Jahresrückblick 2025

 

Jahresrückblick 2025

Wieder neigt sich ein Jahr dem Ende zu und es wird Zeit auf das Lesejahr zurückzublicken. Auch 2025 war ich auf einigen tollen Lesungen und Buchmessen. Das Lesungsjahr 2025 startete mit einer Ladies Crime Night bei mir vor Ort und endlich war Sabine Weiß mit dabei, die ich am Tag darauf allerdings direkt wieder bei einem Book & Breakfast im Klassik Altstadt Hotel besucht habe. So ein Frühstück zusammen mit einer Lesung gibt noch mal eine ganz andere intimere Atmosphäre für eine Lesung. Das kann ich euch nur empfehlen. Im März stand dann die Leipziger Buchmesse auf dem Programm. Dort habe ich wieder viele von euch getroffen und hatte eine wunderbare Zeit. Mein witzigster Schnappschuss ist wahrscheinlich neben Claudia Roth entstanden, die zu dem Zeitpunkt noch Kulturstaatsministerin war. Im Sommer war ich dann zu einigen Lsungen in Lübeck und Hamburg unterwegs, z.B. in einer Kneipe bei Tresenlesen oder im Stadtpark mit einem tollen Stück Kuchen. Meine Highlights im Herbst und Winter waren dann die 4. Book Oldesloe in Bad Oldesloe mit einem vielfältigen Programm und „Weihnachten bei den Buddenbrooks“ im Klassik Altstadt Hotel, dass mich so richtig in Weihnachtsstimmung gebracht hat. Bevor wir uns nun endlich den Zahlen widmen, möchte ich euch wunderbare Tage im Kreise eurer Familie und Freunde und einen guten Rutsch ins neues Jahr wünschen.


Erstmal ein paar Zahlen für die Statistik

 

60 Bücher habe ich im Jahr 2025 gelesen. Insgesamt komme ich auf 25.925 Seiten und 2.160 Seiten im Schnitt pro Monat. Meine Durschschnittsbewertung liegt bei 3.6 Sternen. Dies Jahr habe ich wieder mehr gelesen.
Meine gelesenen Bücher haben sich wie folgt auf die einzelnen Genre verteilt: Sachbücher mit 30 Büchern sind in diesem Jahr der Spitzenreiter, was daran liegen mag, dass ich zu einem Roman immer ein Sachbuch parallel lese und ich habe noch so viele spannende Sachbücher auf meinem SUB, die ich lesen möchte. Darauf folgen Historische Romane mit 14 Büchern, was mein nach wie vor hohes Interesse an historischen Themen zeigt, denn auch bei den Sachbüchern geht es meist um historische oder politische Themen. Darüber hinaus habe ich 7x Romane, 5x Fantasy, 3x Science-Fiction und 2x Krimi gelesen. 

Mittwoch, 26. November 2025

Rezension: „Fräulein Gold - Der Preis der Freiheit“ von Anne Stern

„Fräulein Gold - Der Preis der Freiheit“ von Anne Stern
Quelle: Rowohlt
„Fräulein Gold - Der Preis der Freiheit“ von Anne Stern ist mittlerweile der 8. Band der Reihe. Diesmal geht es um das Frauengefängnis in der Barnimstraße und ein Mord, der dort aufgeklärt werden soll. Erschienen ist der Roman im November 2025. 

Berlin, 1932: Hulda Gold hat eine neue Wirkungsstätte als Hebamme gefunden. Im berüchtigten Frauengefängnis Barnimstraße versorgt sie inhaftierte Schwangere und entwickelt einen guten Draht zu den oftmals verzweifelten Frauen. Als innerhalb der Gefängnismauern eine junge Insassin völlig unerwartet stirbt, kann Hulda nicht untätig bleiben. Bald kommen Zweifel wegen der Todesursache auf, und der Verdacht fällt auf Anna Marwitz, die bereits wegen Mordes verurteilt ist. Doch Hulda kann nicht glauben, dass diese verschüchterte Frau, die kurz vor der Entbindung ihres ersten Kindes steht, wirklich eine mehrfache Mörderin sein soll. Mit der Aufklärung des Falls wird ausgerechnet Irma Siegel betraut. Hulda und die Kriminalkommissarin kennen sich von früher, und sie gingen nicht als Freundinnen auseinander. Aber während sich die politischen Kräfte in Deutschland immer mehr radikalisieren, müssen sie nun gemeinsam gegen das Unrecht kämpfen – für die Zukunft aller Frauen und auch die ihrer eigenen Familien. 

Mittlerweile ist das Jahr 1932 erreicht und ich hatte ehrlich gesagt erwartet, dass mich dieser Band emotional zerstören wird. Emotional war es teilweise, aber tatsächlich doch nicht so heftig wie erwartet. 
Die Welt von Hulda Gold ist zu einem Teil meines Lebens geworden und so brauch ich wirklich nicht lange, um ins Geschehen reinzukommen. Ich bin immer neugierig darauf, um welches Thema es im neuen Band geht und ich bin gespannt, was sich verändert hat. Dabei versteht es Anne Stern viele Informationen in einem Kapitel unterzubringen. Ihre Stärke alltägliche Situationen mit Botschaften zwischen den Zeilen zu verbinden, bewundere ich immer wieder sehr. Die positiven wie negativen Begebenheiten liegen hierbei oft beieinander und bringen mich beim Lesen auch immer wieder zum Innehalten. 

Mittwoch, 19. November 2025

Rezension: „The Darkest Sin“ von D. V. Bishop

„The Darkest Sin“ von D. V. Bishop
Quelle: Pan Macmillan
„The Darkest Sin“ von D. V. Bishop ist der zweite Teil der Cesare Aldo-Reihe und spielt im Florenz der Renaissance-Zeit. Ein Mord in einem Kloster soll aufgeklärt werden. Erschienen ist der historische Krimi im März 2022 bei Pan Macmillan. 

Florenz, Frühjahr 1537: Cesare Aldo geht einem Bericht nach, demzufolge sich jemand Zugang zu einem Konvent verschafft haben soll. Dort angekommen stößt er auf eine angespannte Stimmung aus Geheimnissen und Rivalitäten. Als dann auch noch eine nackte männliche Leiche gefunden wird, ist das Chaos perfekt, denn alles deutet darauf hin, dass eine der Nonnen einen Mord begangen hat. 
Gleichzeitig ist Carlo Strocchi zu Besuch bei seiner Familie und stößt dort auf eine Leiche, die vor einiger Zeit aus dem Arno gezogen worden ist. Es handelt sich dabei um einen Kollegen, der schon seit Monaten verschwunden ist. Dieser war nicht sonderlich beliebt und bei den Ermittlungen stellt sich raus, dass dieser viele Feinde hatte. 
Als sich Aldo und Strocchi der Auflösung ihrer Fälle nähern, müssen sie feststellen, dass sich die Identifizierung der Täter trügerischer gestaltet als sie je erwartet hätten. 

Nachdem mich der erste Band überzeugen konnte, musste ich die Reihe natürlich weiter Lesen. Es ging also zurück nach Florenz und diesmal ins Umland und ein Konvent. Das Buch startet direkt spannend mit einem Bericht zum Fund der Leiche, der ein lebhaftes Bild vorm inneren Auge entstehen und die Frage aufkommen lässt, was dort genau passiert ist. Danach wird es erstmal etwas ruhiger, weil dann die Ereignisse von Anfang an aufgerollt werden und in diesem Zuge auch Carlo Strocchi wiederbegegnet. 
Beide haben in diesem Roman getrennt laufende Fälle zu bearbeiten, begegnen sich im Laufe der Ereignisse aber immer mal wieder. Beide Fälle sind interessant, es gibt persönliche Ebenen und ich liebe die Dilemmata, die entstehen. Diese sind nicht nur im Buch, sondern auch ich wurde dazu eingeladen, mich und meine Moral zu hinterfragen. Es gab viel Ermittlungsarbeit sowie Befragungen, tolle Dialoge und manchmal war ich überrascht, was Cesare Aldo alles einfädeln konnte. 

Mittwoch, 12. November 2025

Rezension: „Die Chemie des Verbrechens: Die Fährte“ von Sabine Weiß

„Die Chemie des Verbrechens: Die Fährte“ von Sabine Weiß
Quelle: Lübbe
Mit „Die Chemie des Verbrechens: Die Fährte“ startet Sabine Weiß eine neue Krimi-Reihe rund um die Strafverteidigerin und DNA-Forensikerin May Barven. Erschienen ist dieses Buch im Oktober 2025 bei Bastei Lübbe. 

Klappentext: Jedes Mal, wenn das Telefon klingelt, hofft May auf einen Klienten. Die junge Mutter hat sich vor Kurzem als Strafverteidigerin selbstständig gemacht, doch bisher ist es ihr nur gelungen, kleinere Mandate zu erringen, weshalb ihr das Wasser bis zum Hals steht. Da geht der Fall des Unternehmers Rickleffs durch die Medien: Er hat sein Genom in eine Herkunftsdatenbank eingespeist, um für sein Reiseunternehmen zu werben; nun wird ihm vorgeworfen, vor Jahren ein Mädchen ermordet zu haben. Keiner stellt den DNA-Abgleich infrage. May aber weiß aus ihrer Erfahrung als ausgebildete DNA-Forensikerin: DNA-Spuren gelten zwar als Goldstandard der Kriminalermittlung, sind aber keineswegs so eindeutig, wie alle meinen ... 

Ich gebe zu, wenn der nächste Roman von Sabine Weiß kein historischer Roman ist, bin ich immer etwas traurig, nichtsdestotrotz klang dieser Krimi interessant, weil dieser mit DNA-Spuren eine wissenschaftliche Komponente hat. 
Dieser Krimi startet mit einer Rückblende ins Jahr 2007 und hat mich neugierig gemacht, was die Ereignisse aus diesem Kapitel mit dem Mordfall zu tun haben, der im Klappentext angedeutet wird. Ein spannender Start also, der danach erstmal in ruhigere Gefilde wechselt, damit ich die Protagonisten dieser Reihe kennenlernen konnte. 
Das ist zum einen May Barven, Strafverteiderin und DNA-Forensikerin, und zum anderen Tarek Loman, ein Privatdetektiv, die bei diesem Fall zur Zusammenarbeit gezwungen sind. Allerdings sind diese beiden nicht dazu engagiert, den Mörder zu finden, sondern eben dazu da, den Beschuldigten zu entlasten. Ich finde, das ist eine andere Prämisse, die einem auch bewusst sein sollte und die dem Buch auch eine andere Dynamik geben. 

Mittwoch, 29. Oktober 2025

Rezension: „Letzter Tanz auf Sankt Pauli“ von Claudius Crönert

Quelle: Gmeiner
„Letzter Tanz auf Sankt Pauli“ ist ein historischer Krimi von Claudius Crönert, in dem um einen Mordfall geht, in den anscheinend die SS verwickelt ist. Erschienen ist der Roman im Juli 2021 bei Gmeiner. 

Hamburg, 1941: In der Nähe der Sankt Pauli-Brennerei wird ein Toter gefunden. Kriminalkommissar Krell soll ermitteln. Als klar wird, dass die SS in den Mord involviert ist, bekommt er die Anweisung seine Ermittlungen einzustellen. Doch mittlerweile lässt ihm der Fall keine Ruhe mehr. Als kurze Zeit später seine Tochter bei einem Swing-Abend gesichtet wird, muss er sich entscheiden. Diese hatte die Musik erst vor kurzem für sich entdeckt als ein neuer Mitschüler in ihre Klasse kam. Ist Hannes Krell seine Familie oder seine Integrität wichtiger? 

Ein Krimi, der mich neugierig gemacht hat, weil er während des zweiten Weltkrieges und in Hamburg spielt. Ich wohne in der Nähe und die bekannten Orte haben dafür gesorgt, dass ich mich direkt etwas verbundener mit dem Buch gefühlt habe. 
Der Einstieg in diesen Krimi ist gut gelungen. Der Leichenfund in der Nacht gibt dem Buch ein düstere Atmosphäre, bevor ich dann in den darauffolgenden Kapiteln Hannes Krell und seine Tochter sowie die Schule besser kennengelernt habe. Ich konnte mir vieles gut vorstellen und war schnell in der Geschichte drin. 
Die Handlung ist zweigeteilt, findet im Verlauf aber immer mehr zueinander. Ich fand es faszinierend diese Zeit aus der Sicht eines deutschen Kriminalkommissars und seiner Familie kennenzulernen. Es sind sehr viele Informationen über St. Pauli und die Reeperbahn und das Umland eingeflossen. Ich habe viel über die Zustände in den Behörden erfahren oder die Propaganda, denen Schüler*innen ausgesetzt waren. Teilweise lief es mir bei den Begrüßungsformeln oder den Beschreibungen eines BDM-Nachmittags eiskalt den Rücken runter. Es wird aber auch beschrieben, was trotz all der Indoktrination und Verbote teilweise trotzdem noch möglich war. 

Mittwoch, 22. Oktober 2025

Rezension: „Cirle of Days“ von Ken Follett

Quelle: Quercus
„Circle of Days“ ist der neue Roman von Ken Follett, in dem es um das Leben vor 4500 Jahren und den Bau von Stonehenge geht. Erschienen ist der Roman im September 2025 bei Quercus. Auf deutsch ist der Roman bei Bastei Lübbe unter dem Titel „Stonehenge - Die Kathedrale der Zeit“. 

Große Ebene 2500 v. Chr.: Viehhirten, Ackerbauern und Waldbewohner bewohnen die Große Ebene. Die Sommersonnenwende zeigt den Beginn eines neuen Jahres an, an dem alle zusammen kommen. Auch der junge Seft, ein Feuersteinhauer, ist auf dem Weg zum Monument und dem Ritual. Er hat sich in Neen, eine junge Frau im Dorf der Hirten verliebt und außerdem möchte er Handel mit seinen Steinen treiben. Neens Familie nimmt Seft in ihrer Mitte auf und bewahrt ihn so vor der Rückkehr zu seinem brutalen Vater und seinen Brüdern. 
Joia ist Neens Schwester. Ihre Klugheit ebnet ihr einen Weg zu den Priesterinnen, die sich um das Monument und seine Rituale kümmert. Sie hat eine Vision: Das Monument soll aus Steinen neu erbaut werden. Doch nicht jeder ist von dieser Idee begeistert und so kommt es zu Spannungen, die ,verstärkt durch eine langanhaltende Dürre, zu eskalieren drohen. 

Ken Follett ist ein Autor, den ich schon seit meiner Schulzeit lese und den ich gerne empfehle, wenn man anfangen möchte, Bücher auf englisch zu lesen. Der Autor benutzt eine einfache und klare Sprache, die seine Romane zugänglich für jeden machen und das ist auch diesmal wieder der Fall. 
Obwohl die Geschichte vor 4500 Jahren spielt, bin ich wunderbar in diese Geschichte reingekommen. Die Sommersonnenwende, die alle Menschen der Großen Ebene zusammenbringt, ist ein guter Ausgangspunkt. Für mich eine eher ungewöhnliche Zeit und so habe ich alle Informationen aufgesogen. 
Und Informationen gibt es viele in diesem Buch. Gerade zu Beginn, wenn man die Welt der Jungsteinzeit kennenlernt, liest es sich fast wie ein Sachbuch in Romanform. Es gibt drei große Gruppen, die die große Ebene bewohnen und jede dieser Gruppen hat ihre eigenen Regeln und Formen des Zusammenlebens. Dieses Buch ist dadurch sehr divers. Sex vor der Ehe, Swingerparties zu Mittsommer, gleichgeschlechtliche Liebe, aber auch das patriachale Modell, in dem die Frau dem Mann gehört, sind hier vertreten. Es gibt Gemeinschaften, die sesshaft sind oder nomadisch leben, die viel arbeiten oder wenig, die freigiebig teilen oder misstrauisch gegenüber Fremden sind. Ich war erstaunt darüber, wie viel Wissen auch vor so langer Zeit schon vorhanden war. 

Mittwoch, 8. Oktober 2025

Rezension: „Stille Nacht“ von Titus Müller

„Stille Nacht“ von Titus Müller
Quelle: Heyne
„Stille Nacht“ von Titus Müller ist eine Erzählung rund um die Entstehungsgeschichte des Weihnachtsliedes „Stille Nacht, Heilige Nacht“. Eine Neuausgabe ist im September 2025 bei Heyne erschienen. 

Eines der berühmtesten und erfolgreichsten Weihnachtslieder wurde an Heiligabend 1818 zum ersten Mal gespielt. Titus Müller erzählt in diesem knapp 160 Seiten langen Buch von der Entstehungsgeschichte dieses Liedes und dem Leben rund um Salzburg und Österreichisch Laufen. 

Die schöne Aufmachung dieses Buches hat mich sehr angesprochen und ich war neugierig darauf, welche Geschichte der Autor zu diesem Lied erzählen wird. Ich habe tatsächlich sogar mein Gesangbuch aus meiner Konfirmandenzeit herausgesucht, um zu schauen, ob auch dort die Namen Joseph Mohr sowie Franz Xaver Gruber auftauchen. 
Die Geschichte fängt mit der Suche Joseph Mohrs nach seinem Großvater an. Ich bin gut reingekommen und die Landschaft mit den Bergen im Hintergrund sowie der eher schwer zugängliche Großvater haben mich ein bisschen an Heidi erinnert. 
Ich habe Joseph Mohr begleitet auf der Suche seiner Vergangenheit, seinem Ankommen in einer neuer Gemeinde und bei der Entstehung dieses weltberühmten Weihnachtsliedes. Dabei war ich tatsächlich überrascht wie viel auch vom täglichen Leben dieser Zeit geschildert wurde und zwar nicht aus der Sicht der Mächtigen dieses Landes, sondern aus der Sicht des einfachen Volkes. 

Mittwoch, 1. Oktober 2025

Rezension: „Meine Familie, die AfD und ich“ von Leonie Plaar

„Meine Familie, die AfD und ich“ von Leonie Plaar
Quelle: Goldmann
In „Meine Familie, die AfD und ich - Wie Rechtsextremismus uns entzweit - und wie wir dagegenhalten“ erzählt Leonie Plaar von der Entfremdung von ihrer Familie und gibt Tipps, wie wir besser mit dem Thema und Diskussionen umgehen können. Erschienen ist das Sachbuch im September 2025 bei Goldmann.

Leonie ist queer, politische Aktivsitin, Historikerin - und Tochter eines AfD-Mitglieds. Tatsächlich wählen fast alle ihre nahen Verwandten die Alternative für Deutschland. Bis sie die Reißleine zog und den Kontakt abbrach, hat sie deren Radikalisierungsprozess also hautnah miterlebt. Sie hatte einen Platz in der ersten Reihe bei Gesprächen zwischen AfDler*innen, die dachten, sie wären unter sich. Über Jahre hat sie zugehört, analysiert, mitdiskutiert. Vor allem aber muss sie erleben, wie es sich anfühlt, wenn der eigene Vater Teil einer Bewegung wird, die sich gegen alle Werte richtet, die Leonie verkörpert. 

In diesem Falle habe ich den Klappentext übernommen, weil der dieses Buch wirklich gut beschreibt. Der Einstieg in die Sachbuchbestenliste auf Platz 9 zeigt, dass dieses Thema aktuell und relevant ist und viele Menschen in diesem Land umtreibt. Ich habe einige ihrer Aufklärungsvideos gesehen und fand diese gut gemacht und so war ich neugierig auf ihre persönliche Geschichte. 
Leonie Plaar erzählt ihre persönliche Geschichte und erzählt von den Diskussionen zu vielen unterschiedlichen Themen, wie z.B. Meinungsfreiheit, Rassismus, Queerfeindlichkeit, Rechtsextremismus. Sie verbindet das Persönliche mit den dazugehörigen Fakten und zeigt ihre Erfahrungen und welche Strategien erfolgreicher waren und welche nicht. 

Mittwoch, 24. September 2025

Rezension: „Tankred - Hammer und Kreuz“ von Michael Römling

„Tankred - Hammer und Kreuz“ von Michael Römling
Quelle: Rowohlt
„Tankred - Hammer und Kreuz“ von Michael Römling ist der zweite historische Abenteuerroman aus der „Tankred“-Reihe. Es geht um den ehemaligen Bibliothekar und Mönch Tankred, der um sein Erbe kämpft und dabei in den Dunstkreis der Mächtigen gerät und gegen die Dänen kämpft. Erschienen ist das Buch im Februar 2023 bei Rowohlt. 

Juli 882: Tankred ist weiterhin dazu entschlossen, um sein Erbe zu kämpfen und seine Stiefmutter samt Halbbruder zu Fall zu bringen. Hierfür benötigt er mächtige Verbündete, die im Gegenzug auch etwas von ihm verlangen: Im Namen des Kaisers beteiligt er sich Kampfzug gegen die Dänen, die sich in Asselt verschanzt haben. Mit klugen Ideen wird Tankred bald zu einer wichtigen Größe, was nicht jedem gefällt. Als es zu Kampfhandlungen kommt, sieht er sich nicht nur durch alte Widersacher auf dänischer Seite bedroht, sondern auch durch Intrigen aus dem eigenen Lager bedroht. 

Und nun habe ich mich tatsächlich doch dazu entschieden, einen weiteren Band dieser Reihe zu lesen und mit den klareren Vorstellungen, was mir diese Reihe zu bieten hat, würde ich sagen, bin ich diesmal sogar besser reingekommen als beim letzten Mal. 
Es gibt viele Parallelen zum ersten Band, wie z.B. die Ich-Perspektive und der relativ kurze Zeitraum, in dem das Buch spielt. Auch diesmal hatte ich nicht das Gefühl, dass mir irgendein Teil der Geschichte fehlt und Tankreds Perspektive ausreichend ist, um die Geschichte zu erzählen. Ich konnte mir alles gut vorstellen und bin den Ereignissen gerne gefolgt. 
Es war interessant für mich, dieses Buch direkt nach einem dicken Historienschmöker zu lesen, der sich über mehrere Jahrzehnte erstreckt. Hier wird ein Ereignis aus der Geschichte herausgenommen und mit der fiktiven Geschichte rund um Tankred verwoben. Diese Erzählweise erlaubt einen viel detaillierteren Blick beispielsweise auf eine Belagerung und man bekommt einen ganz anderen Bezug zum Zeitraum, in dem sich alles ereignet. So konnte Tankred hier auch mal für Tage wegreiten, um andere Angelegenheiten zu klären.