Samstag, 2. September 2017

Rezension: "Die Räuberbraut" von Astrid Fritz

Astrid Fritz - Die Räuberbraut
Quelle: Wunderlich/Rowohlt
Mit „Die Räuberbraut“ entführt uns Astrid Fritz in die Welt des berühmt-berüchtigten Schinderhannes, der um die Jahrhundertwende die Gegend im Hunsrück unsicher gemacht hat. Erschienen ist der Roman im Juli 2017 bei Wunderlich.

1800, Nahe Weyerbach: Juliana Blasius zieht als Bänkelsängerin zusammen mit ihrem Vater und ihrer Schwester durch die Gegend, als sie den Räuberhauptmann Johannes Durchdenwald kennenlernt. Schnell verliebt sie sich in ihn und schließt sich ihm und seiner Räuberbande an. Fortan führt sie ein unstetes Leben, dass sie an viele unterschiedlich Orte entlang des Rheins führt. Was als großes Abenteuer und Spaß beginnt, hat aber auch recht schnell seine Schattenseiten.

Mit „Die Räuberbraut“ ist Astrid Fritz ein interessanter Roman über den berühmtesten Räuberhauptmann seiner Zeit gelungen. Eindringlich schildert die Autorin die verschiedenen Aspekte des Lebens als die Frau an seiner Seite. Anfangs ist alles noch sehr unbekümmert und fröhlich, mit der Zeit schleichen sich aber auch immer mehr kritische Töne ein. Ich finde, dieser Wandel wurde gut eingefangen.
Der Schreibstil ist gut zu lesen, hat mich aber erst mit der Zeit mehr gepackt. Gerade zu Beginn wirkte das Ganze auf mich wie ein deutscher Heimatfilm, weil auch die wörtliche Rede an die verschiedenen Dialekte und Begriffe der Zeit angepasst ist. Wir lernen auch viele Begriffe aus dem Rotwelsch, die Sprache der Räuber, kennen. So ungewohnt und komödienhaft ich die Sprache des Buches zunächst auch empfand, so macht sie das Buch auch deutlich authentischer. Im weiteren Verlauf ist dies immer mehr in den Hintergrund gerückt und letztendlich fand ich es passend und stimmig. Auf jeden Fall ist dies auch ein guter Indikator für die sicher teils aufwendige Recherchearbeit der Autorin.
Mit der Zeit habe ich auch immer mit den Personen im Buch mitgefühlt. Anfangs war mir das Ganze viel zu kitschig und zu sehr von der rosaroten Brille Julianas geprägt und ich muss ehrlich gestehen, dass ich sogar ein wenig enttäuscht war von dem Buch. Je mehr die Geschichte jedoch voranschritt und sich immer mehr kritische Töne eingeschlichen haben, umso mehr konnte mich das Schicksal von Juliana und ihrem Johannes mitnehmen. Ich habe ihre Sorgen geteilt, konnte nachvollziehen, warum sie ihren Hannes so lange verklärt hat und war traurig über ihr Schicksal.
Auf der anderen Seite darf man natürlich nicht vergessen, dass das hier eine Geschichte ist über einen Räuber und Verbrecher und der Frau an seiner Seite ist. Wir werden in diesem Buch Zeuge eines neuen Rechtssystems. Napoleon Bonaparte hat dem linksrheinischen Gebiet seine Werte Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit gebracht, während das rechtsrheinische deutsch blieb. Dabei legt der Fokus aber eindeutig auf der einfachen Bevölkerung und den Menschen, die diese neuen Gesetze ausführen. Napoleon spielt in diesem Buch keine größere Rolle.
Insgesamt ist dies ein Roman, der erst durch Fortschreiten der Geschichte an Kraft gewinnt. In einem ausführlichen Nachwort legt Astrid Fritz dar, was zu den beiden Personen Johannes Bückler und Juliana Blasius bekannt ist. An die historischen Fakten wurde sich gehalten. Für mich immer ein großer Pluspunkt bei einem historischen Roman. Die Quellenlage war sicher besser als bei einem Mittelalterroman, aber auch hier steckt sicher viel Arbeit dahinter alle Informationen zu sammeln und zu einer spannenden Geschichte zu vereinen.
Neben dem Nachwort wird der Roman auch noch durch ein umfangreiches Glossar abgerundet. Kartenmaterial gab es im ebook keines und auch auf ein Personenverzeichnis wurde verzichtet. Was allerdings verschmerzbar ist, da die Anzahl der Personen überschaubar ist.

Fazit: Hier wurde ein interessanter historischer Roman über einen berühmten und berüchtigten Räuberhauptmann geschaffen, der für mich persönlich erst mit der Zeit überzeugen konnte. Gerade auch durch die Sprache wurde das 19. Jahrhundert zum Leben erweckt. Wer gerne eine historischen Roman lesen möchte, der die einfache Bevölkerung in den Fokus rückt, ist bei Astrid Fritz wunderbar aufgehoben. 3,5 Sterne gibt es hierfür von mir.

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