Sonntag, 28. August 2016

Rezension: "Der Schwur des Normannen" von Ulf Schiewe


Ulf Schiewe - Der Schwur des Normanne
Quelle: Droemer-Knaur
Mit "Der Schwur des Normannen" entführt uns der Autor Ulf Schiewe nun schon zum dritten Mal in das Italien des 11. Jahrhunderts und die Welt der Familie Hauteville. Erschienen ist der Roman im Mai 2015 im Knaur-Verlag.

Süditalien, 1054: Gerlaine, die Geliebte von Gilbert, wurde von Sklavenjägern entführt. Die einzigen Hinweise auf ihren Aufenthaltsort sind ein Traum und die Aussagen der Überlebenden aus dem Dorf. Dennoch macht Gilbert sich gemeinsam mit zwei seiner Kameraden auf den Weg ins Reich der Sarazenen, nach Sizilien. Dort angekommen geraten sie direkt in große Gefahr und in die Machtkämpfe der Emire und Berberfürsten hinein.

Ich bin froh, dass ich mir die 5 Sterne für ein Buch von Ulf Schiewe noch aufbewahrt habe, denn diese Reihe wird von Buch zu Buch besser. Und das will schon was heißen, da es sich oftmals eher umgekehrt verhält. Ich kann gar nicht so genau sagen, woran es liegt. Vielleicht habe ich auch einfach nur ein wenig gebraucht, um mit dem Autor warm zu werden, aber spätestens jetzt bin ich hin und weg.
Der Schreibstil ist toll. Er ist gut und flüssig zu lesen und ich hatte ein richtiges Kopfkino beim Lesen. Zeitweise war es auch ein wenig wie Urlaub in Italien, wenn man die Beschreibungen der Umgebung auf sich wirken lassen hat. Den Ätna oder auch das Mezzogiorno hatte ich lebhaft vor Augen und auch die Hitze und Schwüle des Sommers war fast zu spüren.
Die Geschichte ist spannend, wenn auch diesmal weniger historisch. Mir ist so einige Male fast das Herz stehen geblieben und einige Wendungen konnten mich überraschen.
In diesem Teil hat sich der Autor auch mit ernsten Themen wie der Sklaverei beschäftigt. Es war allerdings ein ganz anderer Einblick als ich es sonst aus anderen Büchern kenne. Nicht nur die düsteren Seiten, die ein Leben als Sklave so mit sich bringt. Dies ist sicher auch der besonderen Kulturmischung Siziliens geschuldet: Unter maurischer Herrschaft lebten im 11. Jahrhundert Muslime, Christen und Griechen zusammen. Gerade dieses Aufeinandertreffen der unterschiedlichen Kulturen hat mich sehr in seinen Bann gezogen.
Mit den Protagonisten des Buches habe ich gerne mitgefiebert. Gerade der Zusammenhalt der lieb gewonnenen normannischen Truppe konnte mich wieder für sich einnehmen. Man begegnet aber auch vielen neue interessanten Persönlichkeiten, wie z.B. dem Zwerg Aristoteles oder auch der Domina Maymunah.
Der historische Hintergrund ist wieder klasse recherchiert und treffend dargestellt. Ich konnte total in der Welt des 11. Jahrhunderts abtauchen. Allerdings gibt es hier auch wieder einen kleinen autortypischen Wermutstropfen. Der Feldzug Rogers im Krieg der Berberfürsten wurde geschlagene 6 Jahre nach vorne verlegt. Da dieser allerdings eher eine untergeordnete Rolle in der Geschichte spielt und ansonsten ein sehr authentisches Bild dieser Zeit gezeigt wurde, ziehe ich dieses Mal keinen Stern dafür ab. Schade finde ich es dennoch ein wenig.

Fazit: 5 Sterne, eine unbedingte Leseempfehlung für diese tolle Reihe und ich freue mich schon auf Teil 4, der Anfang Dezember 2016 bereits erscheint.

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