Samstag, 13. April 2019

Rezension: „Wie Gräser im Wind“ von Ella Zeiss

Ella Zeiss - wie Gräser im Wind
Quelle: amazon publishing
Ella Zeiss erzählt in „Die Gräser im Wind“ die Geschichte zweier russlanddeutscher Familien in der Sowjetunion, die zwischen den beiden Weltkriegen zwangsumgesiedelt werden. Dieser Roman ist 2018 bereits im Selfpublishing erschienen und wurde von amazon publishing bei Tinte und Feder im März 2019 neu aufgelegt. Es handelt sich um den 1. Teil der „Tage des Sturms“-Dilogie.

Krim, 1930: Wilhelm Scholz und seine Familie leben ein bescheidenes Leben. Doch der Frieden wird gestört. Ausgelöst durch die Oktoberrevolution 1918 treibt das Sowjetregime die Enteignung der Bauern gnadenlos voran. Jeder, der seinen Besitz nicht freiwillig an das Sowjetregime übergeben will, wird verhaftet und zwangsumgesiedelt. So auch Familie Scholz, die in einer Nacht- und Nebelaktion in den eisigen Norden des Landes verfrachtet wird. Fortan lebt die Familie auf engstem Raum mit nur dem nötigsten zum Überleben zusammen und Wilhelm Scholz fällt Bäume in der Wildnis.
Der Lehrer Samuel Pfeiffer entkommt nur knapp einem ähnlichen Schicksal und flieht selber. Doch als deutscher Lehrer muss er überall im Sowjetregime aufpassen und so bleibt es nicht nur bei einer Flucht…

Dieses Buch habe ich an einem Wochenende weginhaliert und ich finde das alleine sagt schon viel über das Buch. Für mich ist die Geschichte der Russlanddeutschen allerdings auch von persönlichem Interesse, denn ich habe Russlanddeutsche in meinem Familien- und Bekanntenkreis.
In diesem Roman erzählt die Autorin die Geschichte ihrer Großeltern und zeigt dabei exemplarisch auf, was vielen Russlanddeutschen während des Sowjetregimes im Zeitraum von 1930 bis 1941 widerfahren ist. Die Geschichte zieht einen schnell in ihren Bann und ist dabei gut und flüssig zu lesen. Man muss sich allerdings auf sehr viel Leid einstellen. Zwischendurch musste ich immer wieder eine Pause machen, um das sacken zu lassen und es hat mich sehr beeindruckt wie beide Familien mit ihrem Schicksal umgegangen sind und immer wieder positive Momente gefunden haben.
Natürlich hat man von der Oktoberrevolution 1918, Lenin und Stalin gehört oder man hat auch von den gefürchteten Arbeitslager in Sibirien gehört, aber über die Geschichte der Russlanddeutschen hört man eher wenig bis gar nichts. Für mich hat dieses Buch daher eine große Wissenslücke gefüllt und der Wunsch der Autorin hiermit Aufklärungsarbeit zu leisten ist ihr vollkommen gelungen.
Mit den beiden Familien habe ich zu jedem Zeitpunkt im Buch mitgefiebert, ich habe mir gewünscht, dass ihnen Gutes widerfährt, war entsetzt und traurig, wenn der nächste Schicksalsschlag kam. Dieses Buch hat so viel in mir ausgelöst, dass ich gar nicht richtig in Worte fassen kann und was ohne zu spoilern auch sehr schwierig ist.
Dass die Autorin sich sehr intensiv mit der Vergangenheit ihrer Familie auseinandergesetzt hat, merkt man dem Buch in jeder Zeile an. Man erlebt die Geschehnisse aus der Sicht von Russlanddeutschen und diese ist daher auch nicht als neutral zu betrachten. Zu den Hintergründen gibt es auf amazon ein Interview mit der Autorin. Für zukünftige Ausgaben, würde ich mir wünschen, dass dieses direkt im Buch oder ebook enthalten ist.

Fazit: Ein historischer Roman, der einen sofort in seinen Bann zieht und tief berührt. Die Autorin erzählt das Schicksal der Russlanddeutschen im Sowjetregime auf sehr authentische Weise und beleuchtet so einen für viele eher unbekannten Teil der Geschichte. Empfehlenswert für alle, die authentische Familiengeschichten mögen und sich für die Geschichte der Russlanddeutschen interessieren.

Weitere Meinungen zum Buch findet ihr hier:
Martinas Buchwelten
Leseblick
Schreiblust - Leselust 

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Titel: Wie Gräser im Wind
Verlag: Tinte und Feder
Autor: Ella Zeiss
Reihe: Tage des Sturms 1
Erscheinungsdatum: 26.03.2019
ISBN: 978-2919808670

Vielen Dank an netgalley und den Verlag für die Bereitsstellung des Rezensionsexemplars.