Sonntag, 11. Dezember 2016

Eleonore von Aquitanien erzählt ihre bewegende Lebensgeschichte

Sabine Weigand - Ich, Eleonore, Königin zweier Reiche
Quelle: FISCHER Krüger
„Ich, Eleonore, Königin zweier Reiche“ von Sabine Weigand ist ein historischer Roman, in dem Eleonore ihrer Enkelin Blanche ihre Lebensgeschichte erzählt. Das Buch ist im August 2015 im FISCHER Krüger-Verlag erschienen und kommt im Januar 2017 als Taschenbuch in die Läden.

Spanien, 1200: Eleonore von Aquitanien macht sich auf dem Weg zu ihrer Tochter Leonor, um eine Enkelin abzuholen, die den König von Frankreich heiraten soll. Auch sie heiratete einst im Jahr 1137 den französischen König und wurde so Königin von Frankreich. Doch die Ehe stand unter keinem guten Stern und so wagte sie das Ungeheuerliche und lies sich scheiden. Im Reich so und so als liederliches und machtgieriges Weib verschrien, heiratet sie erneut. Diesmal Henry Plantagenet, den englischen Thronfolger. Sie wird Königin von England, regiert mit und befindet sich auf dem Höhepunkt ihrer Macht. Doch Henry betrügt sie und so nimmt das Schicksal seinen Lauf.

Mir hat dieser Roman von Sabine Weigand gut gefallen. Anfangs war ich sogar sehr begeistert, da der Erzählstil toll ist und ich auch die Idee sehr mag, dass Eleonore selber ihre Geschichte erzählt. Mit der Zeit hat sich durch diese Konstruktion aber für mich auch eine gewisse Langeweile eingestellt. Eleonore von Aquitanien hatte ein sehr bewegtes Leben und hat wirklich viele interessante Sachen erlebt, aber mir fehlte doch ein wenig die Spannung manchmal. Dieses Buch würde ich am ehesten als eine historische Biografie bezeichnen, die auf zwei Zeitebenen spielt.
Man erfährt sehr viel über Eleonores Leben und auch kleine Abstecher in die Gedankenwelt ihrer Gatten sind immer wieder eingestreut. Der Roman wurde hervorragend recherchiert. Immer wieder streut die Autorin echte Dokumente, wie Briefe oder Auszüge aus Chroniken,  als Zeugen der Zeit ein. Das macht den ganzen Roman authentischer.
Auch pikante Themen werden nicht ausgespart. Gerade bei Dingen, die nicht überliefert sein können, hat die Autorin sehr viel Mut bewiesen, wie ich finde.
Der Kontrast zwischen der jungen und alten Eleonore wurde wunderbar eingefangen. Als alte Frau erzählt sie ihrer Enkelin ihre Geschichte und man merkt ihr ihre Erfahrung und Weisheit deutlich an, die sie im Laufe ihres Lebens gesammelt hat. Auf der anderen Seite wird aber auch die Unerfahrenheit und Naivität der jungen Eleonore wunderbar festgehalten. Man spürt die Liebe zu ihrer Heimat, ihre Sturheit, ihre Durchsetzungskraft, ihren Machthunger, die Liebe zu ihren Kindern und vieles mehr.
Zusätzlich konnte ich auch viele interessante kleine Informationen aus dem Buch für mich rausziehen, z.B. wie der Name Plantagenet entstand.
Ungewöhnlich für einen historischen Roman ist das Präsens als Zeitform. Beim ersten Roman, den ich von Sabine Weigand gelesen habe, kam ich damit nicht so gut klar.  Diesmal fiel mir das schon wesentlich leichter und ich hatte das Gefühl noch näher am Geschehen dran zu sein. Eine Umgewöhnung ist es dennoch, da die meisten historischen Romane, die ich gelesen habe, im Präteritum geschrieben sind..
Abgerundet wird der Roman durch ein Personenverzeichnis und ein Glossar sowie ein sehr ausführliches Nachwort, das Fiktion und Wahrheit trennt und nochmals die ausführliche und gute Recherche unterstreicht. Der Roman ist wirklich sehr genau an den historischen Überlieferungen dran und orientiert sich an der aktuellen historischen Deutung über Eleonore von Aquitanien. Es wurde nur ganz wenig hinzuerfunden.

Fazit: Ein toller historischer Roman über eine herausragende Frau des Mittelalters, die sich nicht den Konventionen ihrer Zeit beugen wollte. Klasse recherchiert und ganz nah an den historischen Fakten! 4 Sterne

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