Samstag, 15. August 2020

Rezension: „Der dunkle Schwarm“ von Marie Graßhoff

Marie Graßhoff - Der dunkle Schwarm
Quelle: © Audible
„Der dunkle Schwarm“ von Marie Graßhoff ist ein Audible Original, dass im Juli 2020 bei Audible erschienen ist. Das Hörbuch ist als Serie mit 10 Stunden angelegt und erzählt die Geschichte von Atlas Dawson, die sich in fremde Gehirne hacken kann. 

Erde, 2100: Die Menschen können sich mit Hilfe eines Implantats in ihrem Gehirn miteinander zu sogenannten Hives verbinden. Die Technik gilt als sicher, doch plötzlich passiert ein Mord, der auf einen Schlag einen kompletten Hive auslöscht. Atlas Lawson alias Oracle bekommt den Auftrag dies aufzuklären. Sie führt ein Doppelleben, in dem sie tagsüber als Programmiererin bei einem der größten weltweiten Unternehmen arbeitet und nachts im Untergrund Handel mit geklauten Informationen betreibt. Dies macht ihr ihre besondere Fähigkeit möglich. Bei den Ermittlungen in diesem Fall stößt sie auf ein neues Phänomen, dass sie sich nicht erklären kann und obwohl die Sache zu groß für sie zu sein scheint, kann sie sich nicht entziehen und möchte den Fall unbedingt aufklären. 

Meine Zusammenfassung klingt wie das was das Buch neben Science-Fiction eben auch ist. Ein Krimi! Und wer mich kennt, weiß, dass das nicht so mein Ding ist. Marie Graßhoff hat mich in ihren Stories allerdings so hype auf diese Welt gemacht, dass ich es trotzdem unbedingt hören musste. 
Die Sprecherin Nora Jokosha hat mir gut gefallen. Es war mein erstes Hörbuch überhaupt und die Länge mit 10 Stunden war perfekt. Mal sehen, wie sich das entwickelt, aber ein 30 Stunden Hörbuch kann ich mir derzeit für mich nur sehr schwer vorstellen. Diese dicken Wälzer lese ich dann doch lieber als Buch. 
Man wird schnell in das Buch reingezogen und das was Marie Graßhoffs Schreibstil ausmacht kommt gut rüber. Es ist teils philosophisch und ausschweifend, aber deutlich weniger als zum Beispiel in der Neon Birds-Reihe. Wir werden in diese Welt geworfen und müssen uns erstmal zurechtfinden. Die Welt ist düster, es gibt spannende neue Technologien, zu denen die bereits erwähnten Implantate im Gehirn gehören und vom Aussehen her hat sich die Erde auch deutlich verändert. Die Schere zwischen Arm und Reich hat sich enorm vergrößert und nicht mehr jedem ist es vergönnt das Sonnenlicht zu sehen oder in die Natur zu fahren. Ich empfand diese Zukunftsversion als recht realistisch, wenn auch nicht unbedingt für das Jahr 2100. Ich glaube so eine Entwicklung wird doch deutlich länger in Anspruch nehmen. 
Man merkt dieser Serie an, dass sich die Autorin wahnsinnig viel Mühe mit dem Weltenbau gegeben hat, obwohl ich dazu sagen muss, dass zu diesem Eindruck auch die Stories auf instagram beigetragen haben. Die Welt ist komplex und gesellschaftliche Themen werden angesprochen. In diesem Hörbuch haben wir gerade mal an der Oberfläche gekratzt. Ich glaube, es gibt noch sehr viel zu entdecken und ich freue mich daher sehr, dass eine zweite Staffel bereits bestätigt ist. 
Der Spannungsbogen hat mir im Großen und Ganzen gut gefallen. Es gab immer wieder Wendungen, die dem Ganzen eine ganz neue Richtung gegeben haben, die für mich teilweise vorhersehbar waren, was ich allerdings nicht als schlimm empfand. Ich habe für mich festgestellt, dass dieses Ermitteln immer noch nicht mein Fall ist, aber das kann ich nicht wirklich als Kritikpunkt anführen, denn es wird als Sci-Fi crime noir beworben und das bekommt man auch. 
Die Personen im Buch konnten mich für sich einnehmen. Besonders die Entwicklung von Atlas alias Oracle finde ich gelungen. Hierzu will ich nicht zu viel verraten. Sie musste sich in einer Welt behaupten, die es nicht immer gut mit ihr meinte und in der Bildung ein wichtiger Faktor zum Überleben ist. Zusammen mit ihrem Androiden Julien bildet sie ein unschlagbares Team. Er mag zwar eine Maschine sein, aber er ist mir dennoch ans Herz gewachsen mit seiner Art. 
Noah, der Auftraggeber, ist reich und hat einen deutlich anderen Erfahrungshorizont als Atlas. Er hat sehr idealistische Vorstellungen, die teilweise etwas naiv wirken, mir aber dennoch imponiert haben. Dieser Kontrast zwischen den beiden ist ein nicht unwesentlicher Faktor, warum mir dieses Buch trotz meiner Abneigung gegen Krimis gut gefallen hat. Was mir ein bisschen auf die Nerven ging, war die exzessive Verwendung des Wortes Scheiße von Atlas und ich glaube, hätte ich es als Buch gelesen, wären die Emotionen noch ein bisschen mehr bei mir angekommen. 

Fazit: Meine erste Hörbuch-Erfahrung war ein voller Erfolg und Science-Fiction gewinnt für mich immer mehr an Bedeutung bei meiner Auswahl der Bücher. Marie Graßhoff konnte mich mit kleinen Abstrichen von ihrer düsteren Zukunftsvision überzeugen. Krimis und Ermitteln werden wohl nicht mehr meins, aber die Technologien in diesem Buch fand ich allesamt spannend und auch die Figuren fand ich gelungen. Eine Hörempfehlung für alle, die sich an Science-Fiction heranwagen wollen.


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Titel: Der dunkle Schwarm
Verlag: Audible Original
Autor: Marie Graßhoff
Erscheinungsdatum: 03.07.2020