Samstag, 25. Juni 2022

Rezension: „Six Tudor Queens: Jane Seymour“ von Alison Weir

Quelle: Headline
Im dritten Band der „Six Tudor Queens“-Reihe von Alison Weir geht es um das Leben von Jane Seymour und ihren Weg an der Seite Henrys VIII. Erschienen ist der Roman im Mai 2018 bei Headline. Eine deutsche Ausgabe gibt es nicht und soweit mir bekannt ist, wird die Reihe nicht weiter übersetzt. 

Nur elf Tage nach der Hinrichtung Anne Boleyns heiratete Jane Seymour als dritte Frau Henry VIII. und gebar ihm einige Monate später seinen einzigen Sohn, bevor sie im Kindbett verstarb. Alison Weir beschreibt ihre Jugendzeit und wie Jane Seymour ihre Zeit im Dienste beider Vorgängerinnen möglicherweise erlebt hat, bevor sie selber die Aufmerksamkeit des Königs erlangt. Ihre Pflicht ist klar: Sie muss dem König seinen langersehnten Thronerben gebären, sonst droht ihr am Ende das gleiche Schicksal wie Katherina von Aragon und Anne Boleyn. 

Historische Romane gibt es ab und zu auch noch auf meiner Seite und diese Reihe finde ich sehr spannend, weil sie Henry VIII. aus der Sicht seiner Ehefrauen beschreibt. Jede hat ihren eigenen individuellen Blick, die eine lernt ihn in jungen Jahren kennen, die andere erst im mittleren Alter und jede von ihnen kommt mit ganz unterschiedlichen Eigenschaften daher. 
Ich habe schnell in diesen Roman reingefunden und fand den Schreibstil wie in den vorherigen Romanen angenehm zu lesen. Zuerst einmal lernen wir Jane und ihre Werte unabhängig vom Leben am Hofe kennen, was ich als sehr wichtig empfand. Die Familie Jane Seymours ist äußerst interessant und hat den ein oder anderen Skandal zu bieten. Es war eigentlich eher unwahrscheinlich, dass sie in den Fokus Henrys VIII. gerät und doch ist es passiert. 
Insgesamt fand ich den Aufbau des Romanes sehr gut gewählt. Jeder Abschnitt hat sein eigenes Thema, wir erleben die Entwicklung Jane Seymours mit und wie sich mit fortschreitenden Alter ihre Werte und Prinzipien durchaus verändern, auch wenn es einige Grundfesten gibt, an denen sie stetig festhält. Es ist spannend mitzuerleben, wie sich gerade ihr Blick auf den König verändert als sie ihn näher kennenlernt. 
Ihre Werte und Prinzipien haben mir anfangs imponiert, doch mit der Zeit schleicht sich auch eine gewisse Ambivalenz ein, die mir Jane unsympathischer gemacht hat, die die Geschichte an sich allerdings spannender gemacht hat. Die Veränderungen die Jane durchmacht, waren für mich nachvollziehbar und so habe ich ihre Geschichte den gesamten Roman über gerne verfolgt und das trotz der Wiederholungen, die das Konstrukt dieser Reihe so mit sich bringt. 
Aus Janes Sicht erlebt man teilweise zum dritten Mal bestimmte Ereignisse mit. Sie hat immerhin im Dienste beider Vorgängerinnen gestanden, wenn auch nicht ganz freiwillig. Einerseits war das durchaus etwas ermüdend, andererseits wurden der Geschichte dadurch neue Facetten hinzugefügt. Jede Person empfindet Ereignisse anders und hier konnten wir Katherine von Aragon, Anne Boleyn und Henry VIII aus einer weiteren Perspektive kennenlernen. 
Als Henry VIII um Jane wirbt, ist er bereits Mitte 40. Die Strahlkraft, die der junge Henry VIII hatte, kann er in diesem Roman nicht mehr erreichen. Manchmal scheint es durch und auch diesmal schafft er es mit seiner Art eine junge Frau für sich zu begeistern. Er hält die alten Tugenden des Rittertums hoch, doch sobald Jane ihm näher kommt, kommen schnell auch die anderen Facetten zum Vorschein. Einerseits ist Henry VIII beeinflussbar, andererseits vollkommen eingenommen von seiner Königswürde, die Fluch und Segen zugleich ist. Denn seine Verantwortung England einen Thronerben zu schenken ist ihm nur all zu bewusst. 
Alison Weir schafft es mit dieser Reihe ein vielschichtiges Bild jener Zeit zu entwerfen. Die Autorin ist Historikerin und hat bereits mehrere Sachbücher zu historischen Themen veröffentlicht. Gerade auch Henry VIII und seine Frauen sind ihr Expertengebiet. In ihrem ausführlichen Nachwort legt sie dar, warum sie sich für eine bestimmte Darstellungsweise entschieden hat. Für mich waren diese Erklärungen schlüssig und gut nachvollziehbar. 
Abgerundet wird der Roman durch ein ausführliches Personenverzeichnis, Stammbäume und Reading Group Questions. In englischen Büchern habe ich solche Fragen am Ende des Buches schon häufiger gesehen. Ich finde das sehr spannend, weil das Buch so auf eine intensivere Weise nochmals rekapituliert werden kann. 

Fazit: Ein gelungener historischer Roman, der mich gut unterhalten konnte und mir eine weitere Perspektive auf Henry VIII geboten hat. Auf seine nächste Frau bin ich besonders gespannt, weil diese tatsächlich mal nichts mit ihren Vorgängerinnen zu tun hatte. Empfehlenswert für alle, die gut recherchierte historische Romane mögen.
 
Rezensionen zu den anderen Büchern der Reihe:
 
 

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Titel: Jane Seymour - The Haunted Queen
Verlag: Headline
Autor: Alison Weir
Reihe: Six Tudor Queens #3
Erscheinungsdatum: 03.05.2018
ISBN: 9781472227690