Samstag, 25. November 2017

Rezension: „Die Nachtigall“ von Kristin Hannah

Quelle: Aufbau Verlag
Die Nachtigall“ von Kristin Hannah erzählt die Geschichte zweier Schwestern, die die Schrecken des 2. Weltkrieges am eigenen Leib und auf unterschiedliche Weise erleben. Erschienen als Taschenbuch ist dieser Roman im Oktober 2017 bei Aufbau TB.

Frankreich im 2. Weltkrieg: Deutschland hat Frankreich besetzt und in 2 Zonen unterteilt. Vianne und Isabelle, zwei Schwestern, müssen ihren Weg in den Wirren des Krieges finden. Für Isabelle mit ihrer ungestümen und wilden Art ist schnell klar, dass sie das Naziregime der Deutschen nicht akzeptieren will und so schließt sie sich dem Widerstand an. Vianne hingegen versucht ihre Familie so gut es geht zu schützen und durch den Krieg zu bringen, doch auch dies bringt sie an ihre Grenzen und zu schweren Entscheidungen.

Dies ist ein Buch, dass mich emotional sehr berührt hat, aber das tut es bei Büchern mit dem 2. Weltkrieg eigentlich immer. Mittelalterromane sind schon ein paar Jahrhunderte her und so irgendwie nicht ganz so nah an einem dran. Man kann die Dinge mit einer gewissen Distanz betrachten. Der 2. Weltkrieg hingegen ist noch nicht einmal 100 Jahre her.
In diesem Roman haben wir nun die Geschichte von zwei Schwestern, die unterschiedlicher nicht sein könnten und doch beide auf ihre Art sehr stark sind. Ich finde der Klappentext vom Verlag verspricht hier weniger als das Buch zu bieten hat. Hätte ich nicht vorher so viele gute Rezensionen gelesen, dann hätte mich das Buch gar nicht wirklich interessiert.
Die Schwestern stehen zwar im Mittelpunkt der Geschichte, dennoch wird gerade hierdurch ein sehr beklemmendes und bedrückendes Bild vom Krieg gezeichnet. Die Perspektive aus Sicht der einfachen Bevölkerung hat mir sehr gut gefallen. Man hört Gerüchte was das Naziregime alles für schreckliche Dinge tut, aber man weiß es nicht genau. Die Menschen leiden Hunger, haben Angst, verlieren Freunde. Durch Isabelle, die sich dem Widerstand anschließt, lernt man auch diese Seite kennen. Man erlebt viele der Schrecken dieses Krieges hautnah mit und kann sich der Geschichte so kaum entziehen.
Mit beiden Schwestern habe ich in diesem Buch mitgelitten, mich über die kleinen Dinge gefreut und über die vielen schmerzhaften Erfahrungen geweint und mich so manches Mal über deren Naivität geärgert, da ich es mit meinem Hintergrundwissen besser wusste. Das Buch ist sehr emotional geschrieben und manchmal war mir dies fast schon ein bisschen zu viel. Wenn ihr das Buch noch lesen wollt, haltet also Taschentücher bereit.
Dennoch hat der flüssige Schreibstil und die mitreißende Geschichte dafür gesorgt, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Immer wollte ich wissen, wie es denn nun mit den beiden Schwestern weitergeht und was sie noch alles ertragen müssen bis der schreckliche Krieg vorbei ist.
Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen – während des Krieges und 1995. Diese beiden Zeitebenen sind durchaus wichtig für die Geschichte, aber ich muss zugeben, dass mich die kurzen Parts, die 1995 gespielt haben, nicht so besonders interessiert haben. Es waren gute Verschnaufpausen, die man bei dem Buch gut gebrauchen konnte.
„Die Nachtigall“ ist zwar kein historischer Roman im klassischen Sinne für mich, wo fiktive Personen in der Nähe von historischen Persönlichkeiten platziert werden, sondern eher ein Roman mit eindeutigem historischem Einschlag, trotzdem hätte ich mir beim Nachwort noch mehr Informationen gewünscht. Gerne hätte ich auch selber noch ein bisschen zum Thema recherchiert, aber mehr als Oberbegriffe liefert das Nachwort nicht.
Ich bin nicht unbedingt ein Fan davon, sich andauernd mit diesem Thema zu beschäftigen, ab und zu finde ich es allerdings wichtig, um nicht zu vergessen, dass wir es nie wieder so weit kommen lassen dürfen und dies ist definitiv ein Roman, der dazu beitragen kann.

Fazit: Insgesamt gesehen ein sehr guter, aber auch sehr emotionaler Roman über den 2. Weltkrieg, den ich unbedingt weiter empfehle. Ein Roman, der auch sehr nachdenklich stimmt und einen unweigerlich zur Frage führt, wer man selber gewesen wäre: Vianne oder Isabelle?

Weitere Meinungen zum Buch findet ihr hier:
Kristinas Lesewelt
Bookwives
Nightingale-Blog
Read Pack
Leseliebe

Kommentare:

  1. Hey :)

    Dieses Buch war 2016 das einzige, wo ich nicht einmal überlegen musste, ob es mir bei der Rezi fünf Sterne wert wäre oder nicht. Da hätte ich auch fünf Sterne plus oder mehr vergeben ... Selten hat mich ein Buch so sehr berührt.

    Wie du schon selbst sagst, es ist kein einfacher Stoff, aber es ist wichtig, dass wir zumindest gelegentlich solche Geschichten lesen, um nicht zu vergessen. Die meisten Zeitzeugen leben nicht mehr - deswegen braucht es solche Bücher umso mehr, um die Erinnerung lebendig zu halten.

    Liebe Grüße
    Ascari

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    1. Hey Ascari,

      Danke für deinen lieben Kommentar. Berührt hat mich das Buch auf jeden Fall auch sehr.

      LG, Moni

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  2. Hallo Moni,

    das Buch steh bestimmt schon ein Jahr auf meiner WuLi. Gut zu wissen, dass es jetzt als Taschenbuch rausgekommen ist.
    Es freut mich, dass es Dir gefallen hat und Dich so berührt hat. So Bücher sind die wertvollsten von allen.

    Liebe Grüße
    Lilly

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  3. Super Worte - ich liebe das Buch und lasse dir ganz viele X-mas Grüße da. Bei dir ist die Nachtigall ja noch ganz frisch. Ich hoffe, wir können das Buch mal auf der Leinwand sehen. Dicke Grüße und Frohes Fest.

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