Samstag, 13. November 2021

Rezension: „The First Sister“ von Linden A. Lewis

Quelle: Hodder & Stoughton
„The First Sister“ ist Linden A. Lewis Debütroman und der Auftakt der „The First Sister“-Trilogie. An der Seite von drei Protagonisten verfolgen wir den Kampf für eine bessere Welt in einer Zukunft, die die Menschheit in den Weltraum und die Besiedelung des eigenen Sonnensystems geführt hat. 

Als First Sister von Captain Arturo auf der Juno zurückgelassen wird, ist sie zunächst enttäuscht. Sie hatte gehofft, den Ränkespielen der Sisterhood zu entkommen und zukünftig ein ruhiges und glückliches Leben zu führen. Mit dem neuen Captain Saito Ren wartet jedoch eine neue Herausforderung auf sie. Sie soll Saito Ren für die Sisterhood ausspionieren und als Verräterin entlarven. 
Lito sol Lucius wird auf eine neue Mission geschickt. Sein ehemaliger Partner Hiro gilt als abtrünnig und soll gesucht und getötet werden. Keine leichte Aufgabe für ihn. Durch die gemeinsame Ausbildung in der Militärakademie hat er eine starke emotionale Bindung zu Hiro und als ihm eine Tonbandaufnahme zugespielt wird, wird seine Loyalität zu der Regierung und dem Planeten, auf dem er geboren wurde, auf eine harte Probe gestellt. 

Mein Dank geht an Nadine, die mir einen Tweet von Linden A. Lewis geschickt hat und der dazu geführt hat, dass ich das erste Buch dieser Reihe gekauft habe. Auf diesem Bild gibt es eine gewisse Ähnlichkeit zu mir und nachdem ich den Klappentext gelesen hatte, dachte ich mir, warum nicht. Science-Fiction ist eh gerade mein Ding, der Klappentext klang spannend und ich hatte noch gelesen, dass es wohl diverse Repräsentation im Buch gibt. 
Der Schreibstil hat mir von Anfang an gut gefallen, ich fand die ersten beiden Kapitel allerdings etwas lang. Ab dann flutscht das Buch aber sehr gut durch. Die Reihe ist bisher nur auf englisch erschienen. Den Wortschatz empfand ich nicht als besonders schwierig. Wortschöpfungen, die für dieses Buch geschaffen wurden, werden gut erklärt und erschweren
das Verständnis nicht. 
Die Welt wird zunächst vorgestellt. Wir lernen die Parteien des Konfliktes kennen und wie das Leben grob abläuft. Die Menschheit hat die inneren Planeten unseres Sonnensystems besiedelt. Merkur und Venus stehen auf der einen Seite des Konfliktes und Erde und Mars auf der anderen. Es gibt viele Unterschiede zwischen beiden Parteien, aber auch Gemeinsamkeiten. Es ist ein lang gewachsener Konflikt, der in dieser Trilogie eine neue Wendung erfährt und in dem es um wichtige Werte geht, für die es sich zu kämpfen lohnt. 
Es gibt drei Sichtweisen in diesem Buch. First Sister gibt uns einen Einblick in das Leben auf einem gekaperten Raumschiff, in den Aufbau der Sisterhood und die Politik von Erde und Mars. Lito sol Lucius ist im Militär von Venus und Merkur und bringt uns entsprechend diese Seite näher und dann gibt es Hiro. They hat desertiert und kämpft für eine neue Ordnung. Their Beweggründe werden in einem Tape an Lito dargelegt. 
Das Buch lebt sehr von seinen Emotionen und den Beziehungen der Protagonisten. Ich habe auf allen Seiten mitgefühlt und konnte die Beweggründe größtenteils nachvollziehen. Alle sind in einem System gefangen, dass sie zu bestimmten Handlungen zwingt ohne die vollständigen Hintergründe zu kennen. Das Buch ist sehr gesellschaftskritisch und viele von den Problemen, die in diesem Buch zur Sprache kommen, kennen wir auch in unserer heutigen Zeit: Korruption, Diskriminierung, Rassismus, etc. 
Es gibt einiges an diverser Repräsentation im Buch. Linden A. Lewis ist non-binär und das Buch ist in dieser Hinsicht ein Own Voice-Roman. Hiro ist non-binär und benutzt das Pronomen they genauso wie Linden A. Lewis. Einiges ist eher eine Vermutung von mir, weil wirklich ausgesprochen wird vieles nicht. Es gibt Bi-Repräsentation und bei einer Person könnte ich mir auch Pan vorstellen. Wir haben POC-Charaktere. Es gibt Personen in diesem Buch, die aufgrund ihres Aussehens und ihrer Hautfarbe ausgegrenzt werden oder Diskriminierung erfahren, weil sie nicht eindeutig zugeordnet werden können. Das ist ein wichtiger Bestandteil des Romanes, mit dem sich die Reihe auseinandersetzen will. Es ist aber nichts, was immer präsent im Vordergrund ist. Das ist schwer zu erklären ohne zu sehr ins Detail zu gehen. Lito gendert Hiro beispielsweise konsequent mit they und tut das wie selbstverständlich. Das hat mir sehr gut gefallen und das nimmt mir Berührungsängte. Ich kann für mich schauen, wie fühlt sich das an, ist es wirklich so kompliziert, wie ich mir das vorgestellt habe und dann stelle ich fest, dass es das nicht ist. 
Eine Warnung von mir gibt es zu diesem Buch in Sachen Gewalt. Gerade zum Ende hin kommen Dinge raus, die ich richtig heftig fand. Darstellungen von Gewalt finden sich allerdings im gesamten Buch und es gibt alle möglichen Formen von Gewalt (physisch, psychisch, sexuell). In dieser Hinsicht bin ich tatsächlich etwas enttäuscht, dass es keine Triggerwarnungen im Buch gibt und ich habe auch die Webseite von Linden A. Lewis geprüft. 
Zusatzmaterial gibt es im Buch selber nicht, aber auf their Webseite und den social media-Kanälen findet ihr Hintergrundinformationen zur Reihe. Es gibt lediglich eine kurze Danksagung im Buch. 

Fazit: Manche Zufälle sorgen für eine echte Leseüberraschung. Bis auf die ersten beiden langen Kapitel hat mir das Buch sehr gut gefallen. Es ist ein komplizierter Konflikt, der Nachdenken erfordert. Belohnt wird man mit einer spannenden Geschichte, diverser Repräsentation und schockierenden Enthüllungen. Wer Space Operas und Reihen mag, ist hier an der richtigen Adresse.
 

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Titel: The First Sister
Verlag: Hodder & Stoughton
Autor: Linden A. Lewis
Erscheinungsdatum: 04.08.2020
ISBN: 9781529386929