Samstag, 11. November 2017

Rezension: „Das Ohr des Kapitäns“ von Gisbert Haefs

Quelle: Heyne
Das Ohr des Kapitäns“ von Gisbert Haefs erzählt die Geschichte einer Schatzsuche und des Kolonialkrieges in der Karibik. Erschienen ist der Roman im August 2017 im Heyne Verlag.

Karibik, 18. Jahrhundert: Der spanische Erbfolgekrieg ist vorbei und die englischen Händler haben das Monopol erhalten Südamerika mit Sklaven zu beliefern. Kapitän Jenkins wird auf einer Fahrt, bei der er auch Schmuggelware dabei hat, von den Guardacostas vor Kuba überprüft. Da er nicht kooperiert wird ihm kurzerhand ein Ohr angeschnitten. Dieses bringt er nach England und löst so den Kolonialkrieg aus. Auch der junge Arzt und spätere Schriftsteller Tobias Smollett nimmt an dem Krieg teil.

Es fällt mir schwer dieses Buch zu beurteilen. Einerseits hat es mir ganz gut gefallen, auf der anderen Seite hat sich die Geschichte für mich aber auch gezogen.
Der Schreibstil ist gut und flüssig zu lesen und lässt einen gut im Buch vorankommen. Sehr irritiert hat mich, dass dieses Buch wohl in der alten Rechtschreibung veröffentlicht wurde. Es war mir nicht bewusst, dass man das überhaupt machen kann. Dies kann ich aber auch nur daran festmachen, dass Wörter wie misslungen oder muss mit ß geschrieben werden.
Des Weiteren ist die Sprache teilweise sehr derbe. Es gibt beispielsweise eine schönärschige Venus-Statue und es wird sehr viel wörtliche Rede benutzt. Es gibt ganz viele Gespräche in dem Buch und es werden nur kurz Dinge beschrieben. Die viele wörtliche Rede hat für mich dazu beigetragen, dass sich die Geschichte ein wenig gezogen hat.
Ansonsten werden die Kapitel aus der Sicht eines der Protagonisten des Buches geschildert. Man erfährt etwas über die Gedankenwelt von Ortiz, Belmonte und auch O’Leary. Diese Einblicke fand ich interessant, da jeder auch einen ganz anderen Blickwinkel auf die Welt hat. Vor jedem Kapitel gibt es Zitate, die etwas mit dem Inhalt des Buches zu tun haben. Ich muss zugeben, dass ich nicht immer den Zusammenhang verstanden habe, aber die Zitate sind durchaus informativ.
Die Personen in dem Roman fand ich sehr interessant und trotz der derben Sprache sympathisch. Kapitän Belmonte ist auf jeden Fall ungewöhnlich und hat eine bunt gewürfelte Truppe auf seinem Schiff. Juden, Schwarze, Iren, usw. finden sich alle auf der Santa Catalina wieder. Der schwarze Ortiz hat besondere Fähigkeiten. Er kann Unregelmäßigkeiten erkennen und so oftmals wichtige Hinweise liefern und auch ansonsten ist er nicht unbedingt auf den Kopf gefallen. Der Ire O’Leary bringt die Truppe rund um Belmonte und Ortiz auf die Fährte eines Schatzes, den sein Vater während des Kolonialkrieges versteckt hat.
Am Krankenbett des Lazarettarztes Tom Smollett erfährt man dann viel über den Kolonialkrieg. Smollett war auf der Seite der Engländer und Belmonte auf der Seite der Spanier. So wird einem ein sehr detaillierter, aber auch differenzierter Blick auf den Kolonialkrieg gewährt, was mir gut gefallen hat. Nur selten kommen in einem Buch beide Seiten zu Wort. Die ganzen Daten und Details haben mich allerdings auch ein wenig erschlagen und so fühlte sich das Ganze auch sehr wie ein Geschichtsbuch an.

Fazit: Insgesamt ein durchaus interessantes Buch, dass mit der vielen wörtlichen Rede und den vielen Daten und Fakten die Geschichte aber in die Länge zieht. Empfehlenswert für Leute, die gerne Abenteuerromane lesen und nicht vor derber Sprache zurückschrecken. Von mir gibt es hierfür solide 3 Sterne.

Weitere Meinungen zum Buch findet ihr hier:
Wurm sucht Buch
Buchrebellin

1 Kommentar:

  1. Hallo Moni, ich hab mich bei diesem Buch ein wenig gelangweilt . Hier mein Eindruck https://literaturgarten.blogspot.de/search?q=das+ohr+des+kapitäns
    LG Angela

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